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Häufig gestellte Fragen

Was unterscheidet Variantenfertigung von Einzelfertigung?

Variantenfertigung baut auf einem wiederverwendbaren Konstruktionsprinzip auf, aus dem sich über ein Merkmals- und Regelmodell viele Ausprägungen ableiten lassen; sie deckt vor allem die Fertigungsstrategien Configure-to-Order und teilweise Make-to-Order ab. Reine Einzel- oder Auftragsfertigung im Sinne von Engineer-to-Order beginnt dagegen stärker auf der grünen Wiese mit erheblichem, je Auftrag neu entstehendem Konstruktionsanteil. In der Praxis verlaufen die Grenzen fließend, weil viele Maschinenbauer Standardvarianten mit auftragsspezifischen Sonderanpassungen mischen. Eine belastbare Einordnung des eigenen Geschäfts erfordert daher eine Einzelfallanalyse, idealerweise mit einer branchenerfahrenen, herstellerunabhängigen ERP-Auswahlbegleitung.

Brauche ich neben dem ERP ein separates CPQ-System?

Nicht zwingend, denn der entscheidende Unterschied liegt im Einsatzzweck: Ein Variantenkonfigurator im ERP erzeugt technisch korrekte Stücklisten und Arbeitspläne, während CPQ (Configure, Price, Quote) im Vertrieb ansetzt und meist eng mit CRM und Angebotsprozess verzahnt ist. Wenn der ERP-Konfigurator leistungsfähig genug ist und im Verkauf keine 3D-Visualisierung oder geführter Außendienst-Vertrieb gebraucht wird, reicht in vielen Fällen das ERP allein. Für vertriebsstarke Anbieter mit komplexen Angeboten kann sich ein dediziertes CPQ wie Tacton, camos oder encoway lohnen, das den fertigen Auftrag an das ERP übergibt. Der Preis dieser Variante ist allerdings die doppelte Pflege von Regelwerk und Stammdaten in zwei Systemen, die organisatorisch sauber synchronisiert werden muss.

Wie funktioniert die automatische Stücklisten-Erzeugung im Konfigurator?

Statt für jede Variante eine eigene Stückliste zu pflegen, wird ein generisches, konfigurierbares Erzeugnis mit Merkmalen wie Länge, Spannung oder Material hinterlegt, das häufig als sogenannte Maximal- oder 150-Prozent-Stückliste (Super-BOM) alle möglichen Positionen enthält. Über ein Regelwerk aus Bedingungen, Auswahllisten, Variantentabellen und Berechnungen leitet der Konfigurator aus der konkreten Merkmalskombination eine auftragsspezifische Stückliste samt Arbeitsplan ab. Dadurch lassen sich aus wenigen Dutzend Merkmalen mit jeweils mehreren Ausprägungen rechnerisch sehr viele – bis in den Millionenbereich reichende – gültige Varianten erzeugen, ohne dass eine einzelne Stückliste manuell angelegt werden muss. Voraussetzung ist allerdings ein sauber modelliertes und gepflegtes Regelwerk, das tiefes Produkt- und Prozesswissen abbildet.

Wie lange dauert die Einführung eines Variantenkonfigurators?

Häufig liegt der Aufwand bei mehreren Monaten parallel zum ERP-Projekt, weil das Regelwerk schrittweise aufgebaut und über mehrere Iterationen verfeinert werden muss; die konkrete Dauer hängt stark von Produktkomplexität und Datenqualität ab. Erfolgreiche Projekte modellieren das Merkmalsmodell bereits in einer Vorphase und beginnen mit den umsatzstärksten Produktfamilien, statt alle Varianten in einem Big-Bang abzubilden. Erfahrungsgemäß überschreitet ein erheblicher Teil der Projekte den ursprünglichen Zeitplan, häufig weil das Variantenmodell erst während der laufenden Einführung entsteht. Realistische Planung, klare Pflegeverantwortung und eine Testbibliothek mit echten Kundenkonfigurationen reduzieren dieses Risiko spürbar.

Welche Architektur eignet sich für überwiegend Standard- versus Engineering-lastige Produkte?

Liegt der Schwerpunkt auf einem hohen Anteil Standardvarianten mit geringem auftragsspezifischem Konstruktionsaufwand, ist häufig ein im ERP integrierter Konfigurator die wirtschaftlichste Wahl, weil Stammdaten, Regelwerk und Auftrag in einer Datenbank liegen und Schnittstellenkosten entfallen. Überwiegt dagegen der Engineering-Anteil mit echter Neukonstruktion je Auftrag, sitzt die Variantenlogik oft besser im PLM, das eng mit dem ERP gekoppelt wird. Ein dritter Weg ist ein vorgelagertes CPQ für vertriebsnahe Konfigurationen mit moderner Oberfläche und 3D-Darstellung. Welcher Ansatz passt, hängt vom Verhältnis aus Standard- und Engineering-Anteil sowie von der Frage ab, ob der Schwerpunkt im Vertrieb, in der Konstruktion oder in der Produktion liegt.

Bietet SAP einen Konfigurator für die Variantenfertigung?

Ja, SAP stellt für die Variantenfertigung eine eigene Variantenkonfiguration bereit, die im klassischen Umfeld als LO-VC (Logistics Variant Configuration) bekannt ist. In SAP S/4HANA gibt es zusätzlich die Advanced Variant Configuration (AVC) als neuere Generation, die auf der HANA-Datenbank aufsetzt und eine modernisierte, Fiori-basierte Oberfläche bietet. AVC wurde von SAP als künftiger Standard für die Variantenkonfiguration in S/4HANA positioniert, während LO-VC im On-Premise- bzw. Private-Edition-Umfeld weiterhin im Wartungsmodus verfügbar bleibt; bei Neuprojekten und Migrationen ist die Wahl beziehungsweise der Umstieg zwischen beiden Engines daher früh zu klären. International agierende Konzerne nutzen diese Funktionen häufig im Rahmen von S/4HANA, während im Mittelstand auch integrierte Konfiguratoren anderer Anbieter eine Rolle spielen.