enfore – POS- und Cloud-ERP-Plattform für kleine Unternehmen
enfore ist eine integrierte Geschäftsplattform der Berliner NumberFour AG, die Kassensystem (POS), Warenwirtschaft, CRM, Online-Reservierungen und Gutscheinverwaltung in einer Cloud-Lösung kombiniert. Das Unternehmen wurde 2009 vom Seriengruender Marco Boerries gegruendet, der zuvor unter anderem als Vice President bei Sun Microsystems und Yahoo taetig war. enfore richtet sich vor allem an kleine Einzelhändler, Gastronomen und Dienstleister, die ihren Betrieb mit einer durchgängigen Software-Hardware-Kombination digitalisieren wollen, ohne ein klassisches Tier-1-ERP-System einzufuehren.
Hersteller und Marktentwicklung
Die NumberFour AG mit Sitz in Berlin entwickelt mit enfore seit über einem Jahrzehnt eine Plattform, die explizit für Kleinunternehmen konzipiert ist. Das Unternehmen wurde laut Computerwoche und Branchenpresse als „Made-in-Berlin“-Plattform mit eigener Hardware, eigener Cloud und einer schlanken Bedienoberflaeche positioniert. Eine wichtige Rolle spielte die Vertriebspartnerschaft mit der Deutschen Telekom, in deren Rahmen enfore unter dem Namen MagentaBusiness POS als Komplettlösung an gewerbliche Telekom-Kunden vermarktet wurde. Wichtig für die Bewertung: Am 21. Juli 2025 wurde am Amtsgericht Berlin-Charlottenburg das Insolvenzverfahren über die NumberFour AG eroeffnet. Bestandskunden wie Fressnapf oder die Einrichtungskette Butlers haben in der Folge auf alternative POS-Lösungen migriert, wie unter anderem Retail Optimiser ausfuehrlich dokumentiert hat. Bei Redaktionsschluss wird die Marke enfore unter newpos.ai weitergefuehrt, der wirtschaftliche und rechtliche Status der Plattform sollte jedoch vor einer Auswahlentscheidung sehr sorgfaeltig geprueft werden.
Funktionsumfang von enfore
Funktional verbindet enfore die Welten POS und ERP. Im Kassenbereich deckt die Software den vollständigen Verkaufsvorgang inklusive TSE-Anbindung, Bonausgabe, Zahlungsabwicklung, Rabatten und Ruecknahmen ab. Im Hintergrund ist eine vollständige Warenwirtschaft integriert, die Artikel-, Lieferanten- und Bestandsdaten zentral verwaltet. Hinzu kommen ein einfaches CRM, Funktionen für Onlinereservierungen, Gutscheinverkauf, Filialvergleich, Mehrwaehrungsfaehigkeit sowie Auswertungen über alle Kassen, Filialen und Online-Kanaele hinweg. Updates werden laut Anbieter laufend und kostenfrei eingespielt – ein typisches Merkmal moderner Cloud-Plattformen.
Geschichte und strategischer Hintergrund
Marco Boerries gilt in der deutschen Tech-Szene als prominenter Seriengruender. Bereits in den 1980er Jahren entwickelte er mit StarDivision die Bürosoftware-Suite StarOffice, die spaeter von Sun Microsystems übernommen wurde und als OpenOffice in die freie Software-Welt einging. Bei Yahoo verantwortete er als Vice President Mobile Solutions zentrale strategische Themen, bevor er 2009 NumberFour gruendete. Das ambitionierte Ziel: eine Software-Plattform für kleine Unternehmen schaffen, vergleichbar mit dem, was SAP für Konzerne darstellt. Diese Vision spiegelt sich in der vertikal integrierten Plattform-Architektur von enfore wider – inklusive eigener Hardware, eigener Cloud und einem App-Konzept, das sich an Endanwenderinnen und Endanwender ohne IT-Erfahrung richtet. Trotz prominenter Investorinnen und Investoren sowie einer breiten Telekom-Vertriebspartnerschaft konnte die Plattform die hohen Erwartungen wirtschaftlich nicht dauerhaft erfuellen, wie unter anderem etron, Retail Optimiser und Heise im Kontext der Insolvenz im Sommer 2025 berichtet haben.
Hardware-Oekosystem
enfore wurde von Beginn an als Plattform mit eigener Hardware konzipiert. Zum Portfolio zählten Geräte wie der enforeDonner (Kasse), das enforeComet Set und der enforeDasher – ein POS-System für Kleinbetriebe, das in China gefertigt und unter anderem von der Computerwoche besprochen wurde. Diese Hardware-Software-Integration war ein wichtiges Differenzierungsmerkmal gegenüber generischen Cloud-ERP-Lösungen, die in der Regel auf Standard-Tablets oder PCs setzen. Für Endkunden brachte das Modell den Vorteil einer voraufgesetzten und gewarteten Lösung, fuehrte aber auch zu starker Abhängigkeit vom Hersteller.
Branchen und Einsatzgebiete
enfore wurde vorwiegend in Handel und Gastronomie eingesetzt – von kleinen Lebensmittelhändlern und Cafes über Buchhandlungen bis hin zu größeren Filialisten wie Butlers oder Fressnapf, die enfore zeitweise als Filialkasse einsetzten. Auch Dienstleister mit Terminvergabe nutzten die Plattform für Reservierungen, Gutscheine und einfaches Faktura-Management. Die enge Telekom-Anbindung machte enfore vor allem für Gewerbekunden interessant, die Bandbreite, Geräte und Software in einem einzigen Vertrag buendeln wollten.
Bewertung im Vergleich
Im Wettbewerbsumfeld bewegt sich enfore zwischen reinen Kassensystemen wie Lightspeed, Vectron oder GASTRONOVI und integrierten Mittelstandsplattformen wie Lexware Warenwirtschaft oder JTL. Staerke der Plattform war die durchgängige Integration von Hardware, Software und Services für sehr kleine Betriebe. Schwaeche aus heutiger Sicht: die starke Abhängigkeit vom Hersteller, der nun in einem Insolvenzverfahren steht. Auch andere Anbieter wie GK Software (Retail7), die Butlers laut Retail Optimiser als enfore-Nachfolger einsetzt, zeigen, dass der Markt mittlerweile breit aufgestellt ist.
Cloud-Architektur und Datenfluss
Technisch ist enfore als reine Cloud-Plattform aufgebaut. Die Kassenhardware kommuniziert über das Internet mit den enfore-Servern, lokale Geräte arbeiten bei Bedarf auch im Offline-Modus weiter. Verkaufsdaten werden nach Reconnect synchronisiert, sodass Auswertungen filial- und kanalübergreifend in Echtzeit möglich sind. Updates werden automatisch und kostenlos eingespielt. Diese Architektur ist nahe an dem, was unter dem Schlagwort Cloud-ERP bekannt ist, beschraenkt sich bei enfore jedoch auf den Funktionsausschnitt zwischen Kasse, Warenwirtschaft und einfachem CRM. Klassische Tiefen wie eine vollständige Finanzbuchhaltung oder eine Produktionsplanung sucht man in der Plattform vergeblich.
Datenschutz, TSE und steuerliche Anforderungen
Für den deutschen Markt ist insbesondere die Anbindung einer technischen Sicherheitseinrichtung (TSE) gemäß Kassensicherungsverordnung relevant. enfore unterstuetzt diese Anforderungen sowie die GoBD-konforme Belegerstellung und stellt damit aus regulatorischer Sicht eine zeitgemäße Lösung bereit. Für Filialisten, die auch im EU-Ausland Geschäft betreiben, war die Mehrwaehrungsfaehigkeit ein zusätzliches Argument. Datenflows zu DATEV oder anderen Buchhaltungstools erfolgen über Schnittstellen oder Exporte – auch hier setzte enfore auf das Prinzip der schlanken Plattform, die mit anderen Spezialloesungen kombinierbar ist.
Empfehlung für Entscheider
Wer aktuell ein neues POS- oder ERP-System auswaehlt, sollte enfore aufgrund der unklaren wirtschaftlichen Lage der NumberFour AG mit besonderer Vorsicht bewerten und die aktuelle Situation der Plattform direkt mit dem Anbieter sowie unabhängigen ERP-Dienstleistern abklaeren. Bestandskunden empfiehlt es sich, fruehzeitig Migrationsszenarien zu pruefen und Datenexporte sowie alternative Plattformen zu evaluieren. Die enfore-Plattform bleibt aus technischer Sicht ein interessantes Beispiel für eine vertikal integrierte POS-ERP-Lösung – für langfristige Investitionsentscheidungen überwiegen jedoch die Risiken, die mit dem Insolvenzverfahren verbunden sind. Dass mit Butlers, Fressnapf und anderen prominenten Filialisten ehemalige enfore-Kunden bereits auf Alternativen wie GK Retail7, Lightspeed oder spezialisierte Cloud-Kassensysteme migriert haben, zeigt die Dynamik des Marktes. Eine seriose Auswahlentscheidung in 2026 sollte enfore daher nur unter Berücksichtigung der aktuellen Situation und nach Klaerung der weiteren Roadmap mit dem Insolvenzverwalter beziehungsweise Investor bewerten.
Preise und Kostenrahmen für enfore
Realistische Kostenbandbreiten in der Kategorie Kmu für ein typisches Mittelstands-Setup mit 50 Anwendern. Konkrete Preise sind beim Anbieter direkt zu erfragen.
Kostenposition
Bandbreite
Cloud-Lizenz pro Jahr
3.000 € – 25.000 €
On-Premise Lizenz (einmalig)
15.000 € – 80.000 €
Implementierung (einmalig)
10.000 € – 50.000 €
5-Jahres-TCO
40.000 € – 200.000 €
Bereitstellungs-Optionen: Cloud meist Standard, On-Premise möglich. Mehr zu Bereitstellungsmodellen: Cloud-ERP vs On-Premise. Detaillierte Kostenstruktur: ERP-Kosten-Übersicht.
Stärken und Schwächen von enfore
Bewertung typischer Vor- und Nachteile in der Kategorie Kmu. Diese Einschätzungen sind generisch — die Eignung im konkreten Fall hängt von Branche und Größe ab.
Stärken
Niedriger Einstieg ab ca. 30-100 EUR/Anwender/Monat
Schnelle Time-to-Value (Cloud oft in 4-8 Wochen produktiv)
Out-of-the-Box-Funktionalität für Standard-Prozesse
Hohe DATEV-Anbindung für DACH-Buchhaltung
Mögliche Schwächen
Begrenzte Customizing-Möglichkeiten für Sonderprozesse
Skalierungs-Grenzen ab ~200-500 Anwendern
Fehlende Module für Produktion oder spezialisierte Branchen
Schreiben Sie uns Ihre Erfahrung mit enfore. Wir veröffentlichen Bewertungen nach kurzer redaktioneller Sichtprüfung in 1–3 Werktagen. Felder mit * sind Pflicht.
Häufig gestellte Fragen
Welche Schnittstellen unterstützt enfore?
Die meisten ERP-Systeme bieten REST-APIs, EDI-Konnektoren und gängige Buchhaltungs-Schnittstellen wie DATEV. E-Commerce-Anbindungen wie Shopware, Shopify oder Amazon sind oft via Konnektor realisierbar.
Standardisierte Schnittstellen-Protokolle (REST-API, OData, EDIFACT, ZUGFeRD) sind heute Pflicht und sollten OOTB unterstützt sein.
Bietet enfore eine kostenlose Testversion?
Cloud-Anbieter offerieren häufig 14- bis 30-tägige kostenlose Testzugänge oder Demo-Varianten. Klassische Mittelstands-ERPs werden meist über Implementierungspartner als Test-Installation bereitgestellt — siehe unabhängige Auswahlbegleitung.
Die genaue Ausgestaltung hängt von Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups ab.
Welche Branchen-Spezialisierungen hat enfore?
Branchenfokus und Referenzkunden zeigt das Anbieterprofil. Spezialisierungen sind oft Stärken in PPS (Maschinenbau), Chargen-/Seriennummern (Pharma/Lebensmittel), Multi-Channel (Handel/E-Commerce) — siehe Branchen-Übersicht.
Branchen-Spezialisten haben vorkonfigurierte Stammdaten-Strukturen und Compliance-Module, die Customizing-Aufwand drastisch reduzieren.
Welche Compliance-Standards erfüllt enfore?
DACH-ERPs müssen GoBD (revisionssichere Buchführung), DSGVO und E-Rechnung unterstützen. Branchenspezifisch kommen GxP (Pharma), HACCP (Food), GAEB (Bau) hinzu.
Die genaue Ausgestaltung hängt von Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups ab.
Wie ist die User-Experience von enfore?
UX hängt stark von Generation des Systems ab. Cloud-native ERPs (NetSuite, weclapp) haben moderne Web-UX. Klassische Mittelstands-ERPs holen seit ca. 2020 stark auf — Demo-Tests sind essentiell.