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Häufig gestellte Fragen

Gibt es ein wirklich dauerhaft kostenloses Warenwirtschaftssystem?

Ja, es existieren mehrere Modelle, die dauerhaft ohne Lizenzgebühr nutzbar sind: zum einen abgespeckte Free-Editionen etablierter Anbieter wie die JTL-Wawi Start-Edition, zum anderen quelloffene Lösungen wie Odoo Community, ERPNext, Dolibarr oder Tryton, deren Software-Lizenz nichts kostet. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen kostenfrei und gänzlich aufwandsfrei: Bei Open-Source-Systemen fallen zwar keine Lizenzgebühren an, dafür übernehmen Sie Hosting, Installation, Updates und Anpassung selbst oder beauftragen dafür einen Dienstleister. Free-Editionen kommerzieller Anbieter sind in der Regel einfacher einzurichten, deckeln dafür aber Funktionen, Nutzerzahl, Verkaufskanäle oder Datenvolumen. Für die ersten Schritte eines Kleinbetriebs oder Start-ups reichen beide Wege meist aus.

Welche Einschränkungen haben kostenlose Warenwirtschaftssysteme?

Free- und Open-Source-Versionen sind funktional fast immer schmaler als die Bezahlvarianten und verzichten häufig auf herstellerseitigen Individual-Support, der dann durch Community-Foren ersetzt wird. Bei kommerziellen Free-Editionen sind oft konkrete Grenzen eingebaut, etwa eine begrenzte Anzahl Nutzer, fehlende Schnittstellen wie eine DATEV-Anbindung oder limitierte Verkaufskanäle. Ein technisches Beispiel ist die JTL-Wawi Start-Edition, die auf dem kostenlosen Microsoft SQL Server Express aufsetzt, der pro Datenbank auf rund 10 GB begrenzt ist und damit bei wachsendem Artikel- und Bestellvolumen zum Engpass werden kann. Bevor Sie sich festlegen, sollten Sie daher prüfen, welche Limits für Ihr aktuelles und absehbares Geschäftsvolumen wirklich relevant sind.

Worin unterscheiden sich kostenlose Vollversion, Freeware und Open Source?

Eine kostenlose Vollversion bietet alle Basisfunktionen für Beschaffung, Lager und Absatz dauerhaft gratis, lässt sich aber bei Bedarf um kostenpflichtige Zusatzmodule erweitern, sodass Sie nur für tatsächlich genutzte Funktionen zahlen. Freeware bezeichnet allgemein kostenlos nutzbare Programme, deren Quellcode jedoch geschlossen bleibt und die sich nicht frei verändern oder weitergeben lassen. Open-Source-Software stellt zusätzlich den Quellcode offen zur Verfügung, sodass Sie das Programm an Ihre Prozesse anpassen, erweitern und die veränderte Version weitergeben dürfen. In der Praxis bedeutet Open Source maximale Flexibilität, verlangt aber technisches Know-how oder einen erfahrenen Dienstleister an Ihrer Seite.

Ist ein kostenloses Warenwirtschaftssystem GoBD-konform und rechtssicher?

Entscheidend ist nicht der Preis, sondern ob das System die Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form (GoBD) erfüllt, also unveränderbare, nachvollziehbare und revisionssichere Aufzeichnungen ermöglicht. Eine reine Excel-Tabelle gilt als nicht GoBD-konform, weil Inhalte jederzeit ohne Protokollierung änderbar sind, während dedizierte Warenwirtschaftssysteme entsprechende Funktionen mitbringen können. Rechnungen und Buchungsbelege unterliegen einer gesetzlichen Aufbewahrungspflicht, die durch das Bürokratieentlastungsgesetz IV für Buchungsbelege auf acht Jahre verkürzt wurde, während für viele andere Geschäftsunterlagen weiterhin zehn Jahre gelten. Prüfen Sie deshalb bei jeder kostenlosen Lösung, ob sie diese Anforderungen abbildet, oder ergänzen Sie sie um ein revisionssicheres Archiv beziehungsweise DMS.

Für wen lohnt sich ein kostenloses Warenwirtschaftssystem und wann sollte man wechseln?

Besonders geeignet sind kostenlose Systeme für Kleinbetriebe, Gründer und Start-ups mit geringem Verwaltungsaufwand und begrenztem Budget, die zunächst Erfahrung sammeln wollen, bevor sie investieren. Typische Umstiegspunkte auf eine kostenpflichtige Lösung sind das Erreichen technischer Limits wie der Datenbankgröße, der Bedarf an mehr Nutzern, zusätzlichen Verkaufskanälen oder einer Buchhaltungs- und DATEV-Schnittstelle sowie der Wunsch nach verbindlichem Hersteller-Support. Auch wenn der interne Aufwand für Pflege und Fehlerbehebung einer Open-Source-Lösung die Ersparnis übersteigt, rechnet sich oft der Wechsel zu einer betreuten Bezahlversion. Da viele Anbieter neben der Gratis-Variante auch Demo- oder Testzugänge bereitstellen, lassen sich verschiedene Programme vor einer Entscheidung unverbindlich im Alltag prüfen.

Gibt es kostenlose ERP-Software auf Deutsch?

Ja – mehrere Open-Source-ERPs sind vollständig oder weitgehend deutschsprachig nutzbar: Odoo Community und Dolibarr bringen deutsche Oberflächen mit, das aus Deutschland stammende metasfresh ist von Haus aus auf deutsche Handelsprozesse ausgelegt, und für ERPNext existieren deutsche Übersetzungen aus der Community. Wichtiger als die Oberflächensprache ist allerdings die fachliche Lokalisierung, also Kontenrahmen wie SKR03/SKR04, DATEV-Export, GoBD-konforme Belegführung und die E-Rechnungsformate XRechnung und ZUGFeRD – diese Punkte werden je nach System über Zusatzmodule oder Konfiguration abgedeckt und gehören vor dem Produktivstart auf die Prüfliste. Eine laufend gepflegte Gegenüberstellung finden Sie in unserer Open-Source-ERP-Übersicht.

Sind kostenlose Warenwirtschaftssysteme netzwerkfähig?

Die webbasierten Open-Source-Systeme sind es praktisch immer, weil sie als Serveranwendung laufen und beliebig viele Browser-Arbeitsplätze bedienen können – begrenzt nur durch die Leistung des Servers, nicht durch Lizenzschranken. Vorsicht ist bei klassischer Einzelplatz-Freeware geboten, die ihre Daten in einer lokalen Dateidatenbank hält: Der gleichzeitige Zugriff über eine Netzwerkfreigabe führt dort schnell zu Sperrkonflikten oder sogar Datenverlust. Für Teams ab zwei Personen sollte deshalb eine echte Client-Server- oder Web-Architektur mit Rechteverwaltung Pflicht sein. Manche kostenlosen Einstiegstarife kommerzieller Cloud-Lösungen sind zwar technisch netzwerkfähig, begrenzen aber die Nutzerzahl im Gratis-Paket.