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Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen ERP und PPS?

ERP steht für Enterprise Resource Planning und bildet als unternehmensweite Plattform sämtliche betrieblichen Abläufe ab – von Finanzbuchhaltung und Warenwirtschaft über Personal bis hin zum Vertrieb. PPS (Produktionsplanung und -steuerung) ist dagegen auf die operative, mengenmäßige, zeitliche und kapazitive Planung und Überwachung der Fertigung spezialisiert und umfasst Aufgaben wie Bedarfsplanung, Termin- und Kapazitätsplanung sowie Auftragsfreigabe. PPS ist damit funktional ein Teilbereich des ERP und in vielen Systemen als Modul integriert, kann aber auch als eigenständige Software über eine Schnittstelle angebunden werden. Vereinfacht gesagt: Das ERP ist dem PPS übergeordnet, während sich das PPS in die Gesamtinfrastruktur einfügt.

Ist PPS im ERP-System bereits enthalten?

Das hängt vom jeweiligen Anbieter und der gewählten Edition ab und lässt sich nicht pauschal beantworten. Viele ERP-Hersteller setzen auf einen modularen Aufbau, bei dem die Basisversion zunächst keine Produktionsfunktionen enthält und die PPS-Komponente separat hinzugebucht werden muss. Reine kaufmännische oder Handels-ERP-Lösungen bieten oft gar keine PPS-Funktionalität, da nicht jeder Betrieb selbst fertigt. Wer Produktionsprozesse abbilden möchte, sollte daher im Lasten- bzw. Pflichtenheft konkret prüfen, ob Funktionen wie Stücklistenauflösung, Kapazitätsplanung und Auftragsrückmeldung im gewählten Paket enthalten sind.

Wie arbeiten ERP, PPS und MES in der Praxis zusammen?

Die Zusammenarbeit lässt sich an der Automatisierungspyramide nach der Norm ISA-95 (international als IEC 62264 und in Deutschland als DIN EN 62264 veröffentlicht) veranschaulichen, die Unternehmens- und Fertigungsebenen in fünf Stufen ordnet. Das ERP liefert auf der obersten Ebene die Stamm- und Auftragsdaten wie Stücklisten, Arbeitspläne und Kapazitätsangaben sowie die grobe Programm- und Materialplanung. Das PPS bzw. ein MES (Manufacturing Execution System) übernimmt darunter die feinere Planung und Steuerung auf Maschinenebene und gibt Rückmeldungen aus der Produktion zurück an das ERP. So entsteht ein Kreislauf aus Auftragsübergabe nach unten und Ist-Daten- sowie Terminrückmeldung nach oben, der für Transparenz und aktuelle Bestände sorgt.

Was ist der Unterschied zwischen MRP, MRP II und ERP?

MRP steht für Material Requirements Planning und bezeichnet die in den 1960er-Jahren maßgeblich von Joseph Orlicky entwickelte Materialbedarfsplanung, die aus Stücklisten und Bedarfen errechnet, welche Teile in welcher Menge und zu welchem Zeitpunkt benötigt werden. MRP II (Manufacturing Resource Planning) erweiterte dieses Konzept ab den frühen 1980er-Jahren um Kapazitäts-, Personal- und Finanzplanung und wurde maßgeblich von Oliver Wight geprägt. Der Begriff Enterprise Resource Planning (ERP) wurde um 1990 von der Analystenfirma Gartner geprägt und beschreibt die Ausweitung auf alle Unternehmensbereiche inklusive Vertrieb, Personalwesen und Business Intelligence. MRP ist somit eine zentrale Funktion innerhalb der Produktionsplanung, während ERP den deutlich breiteren, unternehmensweiten Rahmen bildet.

Was ist der Unterschied zwischen PPS und APS?

Sowohl PPS- als auch APS-Systeme (Advanced Planning and Scheduling) dienen der Planung und Terminierung von Produktionsabläufen, unterscheiden sich aber im methodischen Ansatz. Klassische PPS-Systeme arbeiten überwiegend mit heuristischen Verfahren und sequenzieller Sukzessivplanung, während APS-Systeme mathematische Optimierungsalgorithmen nutzen, um Reihenfolgen, Kapazitäten und Engpässe simultan zu berechnen und Szenarien durchzuspielen. APS legt damit einen stärkeren Fokus auf Engpassmanagement und Feinplanung und wird häufig ergänzend zu einem ERP- oder PPS-System eingesetzt. Für viele Mittelständler ist allerdings die Qualität der Stammdaten – etwa belastbarer Stücklisten und Rüstmatrizen – ein größerer Hebel als die reine Rechenleistung des Planungsalgorithmus.

Wann lohnt sich ein integriertes ERP mit PPS und wann eine getrennte Lösung?

Eine integrierte Lösung, die ERP und PPS in einer Software vereint, ist für viele produzierende Betriebe sinnvoll, weil zentrale Geschäftsprozesse an einem Ort liegen, Doppelerfassungen entfallen und Schnittstellenpflege reduziert wird. Für eine getrennte PPS-Software sprechen dagegen ausgeprägte branchenspezifische Anforderungen, etwa im Maschinenbau, der Metallverarbeitung oder der Lebensmittel- und Chemieindustrie, die spezialisierte Programme oft besser abdecken. Auch ein bereits etabliertes ERP-System kann ein Grund sein, ein passendes PPS über eine Schnittstelle anzubinden, statt das Gesamtsystem zu wechseln. Die Entscheidung sollte sich an den konkreten Fertigungsanforderungen, der vorhandenen IT-Landschaft und dem Aufwand für die Pflege etwaiger Schnittstellen orientieren.