Häufig gestellte Fragen
Welches ERP eignet sich am besten für Amazon FBA?
Das hängt vor allem vom Bestellvolumen und der Komplexität ab und lässt sich nicht pauschal beantworten. Für Einsteiger mit überschaubarem Volumen sind schlanke Multichannel-Tools wie Billbee oder DreamRobot verbreitet, während im mittleren Segment Actindo, 4SELLERS oder JTL-Wawi häufig genannt werden. Bei großen, international agierenden Marken kommen Enterprise-Systeme wie Oracle NetSuite mit Multichannel-Add-ons in Frage. Entscheidend ist weniger der Name als die Frage, ob das System echte FBA-Funktionen wie Inbound-Versand und Gebühren-Abgleich bietet oder nur einen einfachen Marktplatz-Sync.
Funktioniert die alte Amazon-MWS-API noch?
Nein, die alte Marketplace Web Service (MWS) wurde von Amazon vollständig abgeschaltet. Die zentralen Bereiche Orders, Reports und Merchant Fulfillment wurden bereits am 31. August 2023 eingestellt, die übrigen MWS-Abschnitte folgten zum 1. April 2024. Alle aktuellen ERP-Anbieter müssen daher die Selling Partner API (SP-API) nutzen, die Amazon 2020 als modernes REST-Nachfolgesystem eingeführt hat. Achten Sie bei der Auswahl darauf, dass der Anbieter die SP-API aktiv pflegt und auf Änderungen zeitnah reagiert.
Wie funktioniert die Authentifizierung über die Amazon SP-API?
Die SP-API nutzt Login with Amazon (LWA) als OAuth-2.0-Verfahren statt des früheren statischen Token-Tauschs. Der Verkäufer autorisiert die Anwendung des ERP-Anbieters einmalig im Seller Central, woraufhin ein langlebiger Refresh-Token ausgestellt wird, aus dem die Software laufend kurzlebige Access-Token erzeugt. Ein solcher Access-Token ist jeweils nur etwa eine Stunde gültig und wird automatisch erneuert. Wichtig in der Praxis: Die erteilte Autorisierung muss in der Regel alle 365 Tage erneuert werden, weshalb ein gut gepflegtes ERP den Verkäufer rechtzeitig an die Re-Autorisierung erinnern sollte.
Kann ein ERP auch FBA-Bestände korrekt verwalten?
Ja, leistungsfähige Multichannel-ERPs trennen den FBA-Bestand in den Amazon-Logistikzentren vom eigenen Lagerbestand und bilden Inbound-Shipments, also die Anlieferungen an Amazon, direkt im System ab. Dazu kommt das Nachverfolgen von Retouren, Erstattungen und Lagergebühren über die Reports- und Finances-Schnittstellen der SP-API. Dieser Funktionsumfang ist ein wesentlicher Unterschied zwischen einem einfachen Konnektor, der nur Bestände abgleicht, und einer echten FBA-Integration. Die genaue Ausgestaltung variiert je nach Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups erheblich.
Wie werden Amazon-Gebühren im ERP verbucht?
Die SP-API stellt über Settlement-Reports und die Finances-API alle relevanten Gebühren bereit, sodass ein ERP sie buchhalterisch zuordnen kann. Dazu zählen die Verkaufsprovision, die je nach Produktkategorie unterschiedlich ausfällt und in vielen gängigen Kategorien etwa zwischen 8 und 15 Prozent des Verkaufspreises liegt (mit Ausreißern nach oben und unten je nach Kategorie), sowie bei FBA zusätzlich Versand-, Lager- und gegebenenfalls Langzeitlagergebühren. Eine saubere Integration ordnet jeden Posten dem passenden Erlös- oder Kostenkonto zu, statt nur den Netto-Auszahlungsbetrag zu übernehmen. Da Amazon einzelne Gebührensätze mehrfach im Jahr anpasst, ist ein regelmäßiger automatisierter Abgleich (Reconciliation) wichtig, um Margen realistisch zu bewerten.
Was kostet eine Amazon-Schnittstelle im ERP?
Die Bandbreite ist groß und hängt stark vom gewählten System ab. Bei modernen Cloud-ERPs und schlanken Multichannel-Tools ist die Amazon-Anbindung oft im Standard enthalten oder kostet grob 30 bis 150 EUR pro Monat zusätzlich, während ausgebaute Multichannel-Pakete eher im Bereich einiger Hundert Euro monatlich liegen. Bei klassischen Mittelstands- und Enterprise-ERPs kommen dagegen häufig vier- bis fünfstellige Einrichtungskosten plus laufende Lizenzen hinzu. Als grobe Orientierung gilt projektübergreifend, dass die reinen Lizenzgebühren oft nur etwa 25 bis 35 Prozent der Gesamtkosten ausmachen und der größere Teil auf Implementierung, Customizing, Schulung und Datenmigration entfällt.

