Kardex ist ein boersennotierter Schweizer Anbieter automatisierter Lager- und Handlingsysteme mit Hauptsitz in Zuerich und einem starken deutschen Standortnetzwerk (u. a. Bellheim, Neuburg an der Donau). Das Unternehmen ist in zwei Segmente gegliedert: Kardex Remstar fokussiert auf Vertikallifte, Karusells und Shuttle-Systeme für die effiziente Lagerung und Kommissionierung von Kleinteilen, während Kardex Mlog Hochregallager und Palettenhandling-Lösungen liefert. Seit der Übernahme der AutoStore-Aktivitaeten ist Kardex zudem ein wichtiger Implementierungspartner für das beruehmte Kubus-Lager-System AutoStore. Mit weltweit über 140.000 installierten Lagersystemen und einer 25+-sprachigen Präsenz zählt Kardex zu den größten Anbietern für Goods-to-Person-Lösungen.
Funktionsumfang
Im Mittelpunkt des Kardex-Portfolios stehen die Lagersysteme, allen voran der Kardex Shuttle als Vertikallift (Vertical Lift Module, VLM), das Karussell Kardex Megamat sowie der Paternoster Kardex Horizontal. Hinzu kommen Kardex Compact Buffer als automatisches Kleinteilelager (AKL) und Kardex AutoStore als Hochleistungs-Robotik-Lager. Diese Hardware-Systeme arbeiten nach dem Goods-to-Person-Prinzip: Das System bringt die benoetigten Tablare, Behaelter oder Bins zu den Mitarbeitenden, wodurch Pickleistung und Ergonomie erheblich steigen. Nach Anbieterangaben lassen sich Kommissionierzeiten gegenüber konventioneller Lagerung um mindestens 50 Prozent reduzieren.
Auf der Software-Seite bietet Kardex die Suite Power Pick System (PPS) in mehreren Auspraegungen: Power Pick Global (PPG) ist die Lagerverwaltungssoftware für komplexere Setups mit Multi-Lift-, Multi-Standort- und Werkzeugverwaltung; Power Pick Onboard ist die direkt in den Kardex-Shuttle integrierte Steuerung; Power Pick Cloud ist die SaaS-Variante. Funktional deckt PPS Stammdaten- und Lagerstrukturpflege, Wareneingang, Einlagerung, Kommissionierung mit Pick-by-Light, Pick-by-Display und Pick-by-Voice, Inventur und Cycle-Counts, Reporting sowie die Anbindung an übergeordnete ERP- und WMS-Systeme ab. Ergaenzend liefert das Kardex Control Center ein zentrales Dashboard für Performance-, Wartungs- und Service-Monitoring, während Kardex Connect digitale Service- und Predictive-Maintenance-Funktionen bereitstellt.
Zielgruppe & Branchen
Kardex-Lösungen sind bei mittelstaendischen und großen Industrieunternehmen, Werkzeug- und Maschinenbauern, Pharma- und Healthcare-Unternehmen, Automotive-Zulieferern, Elektronikherstellern, Distributoren von Ersatzteilen und After-Sales sowie 3PL-Dienstleistern weit verbreitet. Typische Anwendungen sind Werkzeug- und Vorrichtungsverwaltung, Pharma-Lager mit Chargen- und MHD-Pflicht, Ersatzteillager mit hoher Artikelvielfalt, Produktionsversorgung in der Industrie 4.0 sowie hochwertige Konsumgueter-Lager mit Diebstahlschutz. AutoStore-Implementierungen werden zunehmend auch im E-Commerce und Multichannel-Handel eingesetzt, wo hohe Bestandsdichte und Pickleistung gefragt sind.
Technologie & Bereitstellung
Power Pick System steht in einer klassischen On-Premises-Variante ebenso zur Verfügung wie als Cloud-Subskription. Power Pick Onboard ist direkt in der Steuerung der Kardex-Shuttle-Systeme integriert. Die Software laeuft auf Microsoft-Windows-Servern bzw. browserbasiert (Power Pick Cloud) und nutzt relationale Datenbanken. Mobile Bedienung erfolgt über Touchscreens und Industrie-Tablets an den Lift- und Pick-Stationen.
Die Anbindung an ERP- und WMS-Systeme wie SAP S/4HANA, SAP EWM, Microsoft Dynamics, Oracle, Infor, proAlpha oder JTL erfolgt über Standardadapter, Webservices und definierte Schnittstellenformate. Insbesondere für SAP existiert die Kardex Drive-Schnittstelle, die direkte Auftragsübergaben aus SAP an die Kardex-Hardware ermöglicht. Auch in PSI-, Inconso-, TUP- oder COGLAS-Umgebungen werden Kardex-Anlagen regelmäßig integriert. Klassische Hardware-Optionen wie Pick-by-Light, Lasershow-Pointer, Wage-Integration, Etikettendrucker und Diebstahlschutz-Features (z. B. Zugriffskontrolle über RFID) sind verfügbar.
Stärken und Schwächen
Die Stärken von Kardex liegen in der Reife der Hardware-Systeme, der globalen Service-Organisation und der hervorragenden Ergonomie der Goods-to-Person-Prozesse. Wer Lagerflaeche reduzieren, Pickleistung steigern und gleichzeitig die Sicherheit hochwertiger Sortimente erhoehen will, findet in Kardex eine etablierte Lösung. Die Software Power Pick System ist eng mit der Hardware verzahnt und vereinfacht die Inbetriebnahme. Die Kombination aus VLM, Karussell, AutoStore und Mlog-Hochregallager erlaubt zudem ein breites Spektrum an Investitionsgroessen.
Auf der Schwächen-Seite ist Power Pick System primaer als Lagersteuerungssoftware rund um Kardex-Hardware konzipiert und ersetzt kein vollwertiges, mehrlagerstandort-faehiges WMS. Für komplexe Distributionszentren mit vielen Picking-Strategien und externer Lagertechnik wird PPS deshalb meist mit einem übergeordneten WMS (z. B. SAP EWM, PSIwms, COGLAS) kombiniert. Die Initialinvestition in Hardware ist erheblich; ein Return on Investment ergibt sich typischerweise erst bei mittleren bis hohen Pickvolumina.
Preise & Lizenzmodell
Kardex-Investitionen werden projektbasiert kalkuliert. Sie umfassen die Hardware (z. B. Kardex-Shuttle, Megamat, AutoStore), die Software-Lizenzen für Power Pick System, Implementierung, Schulung sowie laufende Wartungs- und Service-Vertraege. Power Pick Cloud wird im Subskriptionsmodell vermarktet und ermöglicht eine schnellere Inbetriebnahme bei geringeren Initialkosten. Konkrete Listenpreise werden nicht oeffentlich kommuniziert; ueblich sind individuelle Angebote nach Lager- und Volumenanalyse.
Preise und Kostenrahmen für Kardex
Kardex kalkuliert projektbasiert aus Hardware, Power-Pick-Lizenzen, Implementierung und Service, Listenpreise gibt es nicht. Die Bandbreiten zeigen, was WMS-Logistik-Projekte mit rund 50 Anwendern insgesamt kosten.
Kostenposition
Bandbreite
Cloud-Lizenz pro Jahr
40.000 € – 150.000 €
On-Premise Lizenz (einmalig)
100.000 € – 500.000 €
Implementierung (einmalig)
150.000 € – 1 Mio €
5-Jahres-TCO
600.000 € – 2.5 Mio €
Bereitstellungs-Optionen: Meist On-Premise mit Lager-Hardware-Integration. Mehr zu Bereitstellungsmodellen: Cloud-ERP vs On-Premise. Detaillierte Kostenstruktur: ERP-Kosten-Übersicht.
Stärken und Schwächen von Kardex
Typische Argumente für und gegen Systeme der WMS-Logistik-Klasse — bei Kardex kommt die Investition in Lifte, Karusselle oder AutoStore-Anlagen als eigener Kostenblock hinzu.
Wer Kardex nur als Softwareanbieter liest, unterschätzt das Unternehmen: Der Schweizer Intralogistik-Spezialist verbindet mit über 140.000 installierten Anlagen weltweit ein ungewöhnlich breites Hardware-Spektrum — Vertikallifte, Karusselle, Kleinteilelager, Mlog-Hochregale und AutoStore — mit der eigenen Steuerungs- und Verwaltungssoftware Power Pick System. Für Werkzeug-, Ersatzteil- und Pharma-Lager sowie zunehmend E-Commerce-Betriebe entsteht daraus ein eingespieltes Goods-to-Person-Gesamtpaket, das Pickleistung und Ergonomie messbar steigert und Lagerfläche komprimiert.
Die Grenze verläuft dort, wo ein komplettes Distributionszentrum mit vielen Picking-Strategien und Fremdtechnik zu steuern ist: Power Pick System ersetzt kein vollwertiges Multi-Site-WMS, sondern wird in solchen Szenarien mit übergeordneten Systemen wie SAP EWM, PSIwms oder COGLAS kombiniert. Auch die Investitionslogik unterscheidet sich von reinen Softwareprojekten — die Hardware kostet erheblich, und der Return stellt sich erst bei mittleren bis hohen Pickvolumina ein. Wer diese Volumina hat und Kleinteile effizient kommissionieren muss, kommt am Branchenstandard aus Zürich allerdings kaum vorbei; die Cloud-Variante von Power Pick verkürzt inzwischen auch den Weg in den Betrieb.
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Häufig gestellte Fragen
Welche Schnittstellen unterstützt Kardex?
Die meisten ERP-Systeme bieten REST-APIs, EDI-Konnektoren und gängige Buchhaltungs-Schnittstellen wie DATEV. E-Commerce-Anbindungen wie Shopware, Shopify oder Amazon sind oft via Konnektor realisierbar.
Standardisierte Schnittstellen-Protokolle (REST-API, OData, EDIFACT, ZUGFeRD) sind heute Pflicht und sollten OOTB unterstützt sein.
Bietet Kardex eine kostenlose Testversion?
Cloud-Anbieter offerieren häufig 14- bis 30-tägige kostenlose Testzugänge oder Demo-Varianten. Klassische Mittelstands-ERPs werden meist über Implementierungspartner als Test-Installation bereitgestellt — siehe unabhängige Auswahlbegleitung.
Die genaue Ausgestaltung hängt von Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups ab.
Welche Branchen-Spezialisierungen hat Kardex?
Branchenfokus und Referenzkunden zeigt das Anbieterprofil. Spezialisierungen sind oft Stärken in PPS (Maschinenbau), Chargen-/Seriennummern (Pharma/Lebensmittel), Multi-Channel (Handel/E-Commerce) — siehe Branchen-Übersicht.
Branchen-Spezialisten haben vorkonfigurierte Stammdaten-Strukturen und Compliance-Module, die Customizing-Aufwand drastisch reduzieren.
Welche Compliance-Standards erfüllt Kardex?
DACH-ERPs müssen GoBD (revisionssichere Buchführung), DSGVO und E-Rechnung unterstützen. Branchenspezifisch kommen GxP (Pharma), HACCP (Food), GAEB (Bau) hinzu.
Die genaue Ausgestaltung hängt von Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups ab.
Wie ist die User-Experience von Kardex?
UX hängt stark von Generation des Systems ab. Cloud-native ERPs (NetSuite, weclapp) haben moderne Web-UX. Klassische Mittelstands-ERPs holen seit ca. 2020 stark auf — Demo-Tests sind essentiell.