Wer nach kostenloser Produktionsplanungssoftware sucht, hat 2026 mehr Optionen als je zuvor – muss aber realistisch bleiben: Vollwertige PPS-Funktionen mit Feinplanung, Materialdisposition und APS-Logik gibt es kostenlos nur in begrenztem Umfang. Diese Übersicht stellt drei Kategorien gegenüber: ausgewachsene Open-Source-Suiten, freie Einsteiger-Editions kommerzieller Anbieter und Excel-basierte Hilfen.
Kostenlose Produktionsplanung — Open-Source und Free-Tier · Quelle: erp-software.org Redaktion
Für wen welche Variante geeignet ist, hängt von der Unternehmensgröße, der Fertigungstiefe und der vorhandenen IT-Kompetenz ab. Wer langfristig wachsen möchte, sollte die Migration auf eine kommerzielle Lösung von Anfang an mitdenken.
Open-Source-PPS-Lösungen
Odoo Community Edition bietet das in der Open-Source-Welt mit Abstand umfangreichste Manufacturing-Modul. Stücklisten, Arbeitspläne, Werkstattaufträge und einfache MRP-Logik sind kostenlos enthalten. Wer Variantenkonfiguration, IoT-Integration oder erweiterte Disposition braucht, muss in die Enterprise-Edition wechseln.
ERPNext ist eine voll integrierte Open-Source-Suite mit Manufacturing-Modul, Stücklisten-Logik und einfacher Werkstattsteuerung. Die Community-Version ist frei nutzbar, kommerziell wird der Cloud-Service über Frappe abgerechnet.
OpenBoxes und Tryton sind weitere Open-Source-Optionen. Tryton bringt ein eigenes Produktionsmodul mit, OpenBoxes ist dagegen ein Lagerverwaltungssystem für Gesundheitseinrichtungen ohne beschriebene Fertigungsfunktionen. Beide haben eine deutlich kleinere Community im DACH-Raum als Odoo und ERPNext.
Generell gilt: Open-Source-PPS spart die Lizenzkosten, nicht die Implementierungskosten. Realistische Einführungsbudgets für Odoo Community in einem 30-Mitarbeiter-Fertiger liegen bei 30.000 bis 80.000 EUR – externer Implementierungspartner inbegriffen.
Free-Editions kommerzieller Anbieter
Mehrere kommerzielle ERP-Anbieter bieten Einsteiger- oder Free-Editions mit eingeschränktem Funktionsumfang an. Die für Fertiger relevantesten:
SAP Business One Starter Package – nicht ganz kostenlos, aber mit reduziertem Lizenzpreis für bis zu 5 Anwender
Die meisten dieser Editions sind reine Tests. Wer dauerhaft kostenlos planen möchte, ist bei Open-Source-Optionen besser aufgehoben.
Excel-Vorlagen und einfache Hilfsmittel
Für sehr kleine Fertiger – etwa Handwerksbetriebe mit 1 bis 5 Mitarbeitern – können Excel- oder Google-Sheets-basierte Hilfen ausreichen. Typische Templates decken Stücklisten-Pflege, Auftragsverfolgung und einfache Maschinenbelegung ab.
Grenzen werden schnell sichtbar, sobald mehrere Aufträge gleichzeitig laufen, mehrere Maschinen koordiniert werden müssen oder Material aus mehreren Lieferanten zusammenkommt. In dem Moment lohnt der Wechsel auf eine echte PPS-Lösung – kommerziell oder Open Source.
Die kostenlosen Optionen im Vergleich
Die Lizenzangaben stammen aus offiziellen Projekt- und Herstellerquellen (Stand November 2026).
Keine Reservierungslogik, fehleranfällig bei parallelen Aufträgen
Lokal oder im Browser
Welche kostenlosen Funktionen sind in der Praxis nutzbar?
Realistisch deckt eine kostenlose PPS-Lösung folgende Funktionen ab:
Stücklisten- und Arbeitsplan-Pflege
Einfache Auftragsanlage und -verfolgung
Manuelle Maschinenbelegung
Materialbedarfsermittlung (MRP-Lite)
Lagerbestände und Bewegungen
Funktionen, die in den meisten kostenlosen Lösungen fehlen oder nur sehr eingeschränkt verfügbar sind: Feinplanung mit Engpassoptimierung, Variantenkonfigurator mit Regelwerk, simulationsbasiertes APS, BDE/MDE-Integration, professionelles Reporting.
Grenzen kostenloser Lösungen im Alltag
Kostenlos ist die Lizenz, nicht der Betrieb.
Support: Für Odoo Community gibt es keinen Hersteller-Support. Legen Sie vorab fest, wer bei Fehlern reagiert: eigene IT, Community oder ein Dienstleister mit Servicevertrag.
Updates: Odoo pflegt jede Hauptversion drei Jahre. Bei Tryton erscheint alle sechs Monate eine neue Serie, die ein Jahr gepflegt wird, neue Hauptversionen fünf Jahre. Upgrades sind damit eine Daueraufgabe, eigene Anpassungen müssen jedes Mal mitgezogen werden.
Mehrbenutzer: Gebühren pro Anwender fallen bei den Open-Source-Suiten nicht an, ein Rollenkonzept braucht es trotzdem: Wer ändert Stücklisten, wer gibt Aufträge frei? Tabellen fehlt die Reservierungslogik. Planen zwei Personen dasselbe Material ein, verhindert nichts den Doppelzugriff.
Integration: Odoo und ERPNext bieten offene APIs. GoBD- und DATEV-Anbindungen laufen aber über Lokalisierungs- oder Community-Module. Für Maschinendaten und EDI fehlen meist fertige Anbindungen.
Datensicherheit: Wer selbst hostet, verantwortet Backups mit getesteter Wiederherstellung, Sicherheitsupdates und Zugriffsschutz. Die DSGVO gilt unabhängig vom Lizenzpreis. Frappe Cloud übernimmt laut Hersteller Upgrades, Überwachung und Wartung, kostet aber monatlich.
Wann lohnt der Wechsel auf eine kommerzielle PPS?
Faustregeln aus mittelständischen Implementierungsprojekten:
Mehr als 15 Fertigungsmitarbeiter – manuelle Excel-Logik kippt
Mehr als 3 parallele Maschinen-Engpässe – Feinplanung wird Pflicht
Variantenfertigung – Konfigurator ohne Regelwerk wird unwirtschaftlich
Mehr als 200 SKUs in der Disposition – Excel-MRP wird fehleranfällig
Lieferant- oder Kunden-EDI – kostenlose Lösungen sind hier meist nicht zertifiziert
Wer in dieser Größenordnung ein neues System auswählt, profitiert von einer strukturierten ERP-Auswahl und einer neutralen Beratung.
Der Weg von kostenlos zu kommerziell
Drei Pfade sind möglich. Erstens die kommerzielle Edition derselben Software: Für den Umstieg einer On-Premise-Installation von Odoo Community auf Enterprise nennt der Hersteller fünf Grundschritte: Datenbank sichern, Server stoppen, Modul web_enterprise installieren, Server neu starten, Abonnementcode eingeben. Zweitens professioneller Betrieb derselben Software, etwa ERPNext in der Frappe Cloud oder frePPLe in der Cloud Edition. Drittens ein anderes System und damit ein eigenes Migrationsprojekt.
Für die Datenübernahme bereinigen Sie zuerst Stammdaten wie Artikel, Stücklisten, Arbeitspläne und Arbeitsplätze und entfernen Dubletten. Danach ordnen Sie die Felder dem Zielsystem zu, migrieren testweise und prüfen Stücklisten stichprobenartig gegen die Praxis. Offene Aufträge und Bestände folgen zum Stichtag, Bestände möglichst nach einer Inventur. Legen Sie vorab fest, ob historische Bewegungsdaten übernommen oder nur archiviert werden.
Für den Wechselzeitpunkt sprechen neben den Faustregeln oben drei Signale: Die eingesetzte Version läuft aus dem Support, neben dem System entstehen wieder Excel-Listen, oder Betrieb und Anpassungen hängen an einer einzigen Person. Günstige Termine sind ruhige Auftragsphasen und für die Buchhaltung der Geschäftsjahreswechsel. Halten Sie die Erfahrungen mit der freien Lösung im Lastenheft fest.
Auswahlkriterien für kostenlose PPS
Migrationspfad: Lässt sich später eine kommerzielle Edition aufsatteln?
Datenexport: CSV, Excel und API-Schnittstellen vorhanden?
Community: Wie groß ist die deutschsprachige Community? Forum, Foren, Konferenzen?
Implementierungspartner: Gibt es zertifizierte Partner im DACH-Raum?
Lizenzbedingungen: AGPL, GPL, MIT? Welche Auswirkungen auf eigene Erweiterungen?
Support-Model: Community vs. kostenpflichtige Wartung möglich?
Gibt es echte Produktionsplanungssoftware komplett kostenlos?
Ja, mehrere vollwertige Open-Source-Suiten lassen sich dauerhaft kostenlos nutzen: Odoo Community Edition enthält ein Manufacturing-Modul mit mehrstufigen Stücklisten, Arbeitsplänen, Werkstattaufträgen und einfacher MRP-Logik, und ERPNext ist unter der GPL-3.0-Lizenz mit allen Fertigungsfunktionen frei verfügbar. Kostenlos sind damit die Software-Lizenzen, nicht aber Einführung, Hosting, Anpassung und Schulung, die den Großteil der Projektkosten ausmachen. Wer reine Feinplanung mit Engpassoptimierung sucht, findet mit frePPLe (Community Edition seit Version 8 unter MIT-Lizenz, davor AGPL) zusätzlich ein spezialisiertes Open-Source-APS, das finite Material- und Kapazitätspläne berechnet.
Welche kostenlose PPS ist für Maschinenbau geeignet?
Für kleine Maschinenbauer ist Odoo Community die am breitesten einsetzbare Open-Source-Lösung, da sie Stücklisten, Arbeitspläne und einfache MRP-Funktionen kostenlos abdeckt. Für ernsthafte Variantenfertigung und Engineer-to-Order stoßen freie Editionen jedoch an Grenzen, weil ein regelbasierter Konfigurator und eine simulationsfähige Feinplanung fehlen oder kostenpflichtigen Editionen vorbehalten sind. In der Praxis kombinieren viele Betriebe deshalb eine Open-Source-Basis mit einem späteren Umstieg auf eine kommerzielle Lösung, sobald die Komplexität steigt – Details dazu auf unserer Seite ERP für Maschinenbau.
Reicht eine kostenlose PPS für meinen Handwerksbetrieb?
Bei 1 bis 5 Mitarbeitern in der Werkstatt reicht eine kostenlose Lösung – teils sogar eine gepflegte Excel- oder Google-Sheets-Vorlage – in vielen Fällen aus, solange Aufträge weitgehend nacheinander abgearbeitet werden. Sobald mehrere Aufträge parallel laufen, mehrere Maschinen koordiniert werden müssen oder Material aus verschiedenen Lieferketten zusammenkommt, werden Tabellen fehleranfällig und intransparent. Spätestens dann empfiehlt sich der Wechsel auf eine echte Branchen- oder PPS-Lösung – siehe ERP für Handwerk. In der Praxis variiert die genaue Grenze je nach Fertigungstiefe und vorhandener IT-Kompetenz.
Worin unterscheiden sich kostenlose Open-Source-PPS und kostenpflichtige Editionen konkret?
Die freien Community-Versionen decken die Grundfunktionen ab – Stücklistenpflege, Auftragsanlage, manuelle Maschinenbelegung und einfache Materialdisposition –, lassen aber höherwertige Funktionen vermissen. Bei Odoo etwa sind Qualitätsprüfungen an Fertigungsaufträgen und der vorausschauende Produktionsplaner (Master Production Schedule) der Enterprise-Edition vorbehalten, und einen offiziellen Hersteller-Support gibt es für die Community-Version nicht. Wer simulationsbasiertes APS, regelbasierte Variantenkonfiguration, EDI-Zertifizierung oder professionelles Reporting benötigt, kommt um eine kostenpflichtige Edition oder ein Spezialwerkzeug meist nicht herum.
Welche Lizenzbedingungen gelten bei kostenloser PPS-Software?
Die Lizenzmodelle unterscheiden sich und sollten vor dem Produktiveinsatz geprüft werden: ERPNext steht unter der GPL-3.0, frePPLe in der Community Edition seit Version 8 unter der freizügigen MIT-Lizenz und der Odoo-Community-Kern seit Version 9 (2015) unter der LGPLv3. Wichtig ist, dass Zusatzmodule aus der Odoo Community Association (OCA) weiterhin unter AGPLv3 stehen, was bei Bereitstellung über ein Netzwerk weitergehende Offenlegungspflichten für den Quellcode auslösen kann. Bei eigenen Erweiterungen lohnt deshalb ein genauer Blick darauf, welche Lizenz die genutzten Module tatsächlich tragen, idealerweise mit juristischer Prüfung.
Was kostet die kommerzielle Variante typischerweise?
Kommerzielle PPS-Lösungen für Mittelständler liegen in der Cloud häufig bei rund 50 bis 250 EUR pro Anwender und Monat, hinzu kommen Implementierungskosten, die je nach Größe und Komplexität von etwa 30.000 bis über 250.000 EUR reichen. Reine Lizenzgebühren machen dabei typischerweise nur etwa 15 bis 25 Prozent der Gesamtprojektkosten aus, während der Großteil auf Implementierung, Customizing, Schulung und Datenmigration entfällt. Cloud-Modelle senken die Anfangsinvestition, verschieben die Kosten aber dauerhaft in die laufenden Betriebsausgaben – diese Struktur sollte man bei der ERP-Auswahl von Anfang an einkalkulieren.