Häufig gestellte Fragen
Gibt es echte Produktionsplanungssoftware komplett kostenlos?
Ja, mehrere vollwertige Open-Source-Suiten lassen sich dauerhaft kostenlos nutzen: Odoo Community Edition enthält ein Manufacturing-Modul mit mehrstufigen Stücklisten, Arbeitsplänen, Werkstattaufträgen und einfacher MRP-Logik, und ERPNext ist unter der GPL-3.0-Lizenz mit allen Fertigungsfunktionen frei verfügbar. Kostenlos sind damit die Software-Lizenzen, nicht aber Einführung, Hosting, Anpassung und Schulung, die den Großteil der Projektkosten ausmachen. Wer reine Feinplanung mit Engpassoptimierung sucht, findet mit frePPLe (Community Edition seit Version 8 unter MIT-Lizenz, davor AGPL) zusätzlich ein spezialisiertes Open-Source-APS, das finite Material- und Kapazitätspläne berechnet.
Welche kostenlose PPS ist für Maschinenbau geeignet?
Für kleine Maschinenbauer ist Odoo Community die am breitesten einsetzbare Open-Source-Lösung, da sie Stücklisten, Arbeitspläne und einfache MRP-Funktionen kostenlos abdeckt. Für ernsthafte Variantenfertigung und Engineer-to-Order stoßen freie Editionen jedoch an Grenzen, weil ein regelbasierter Konfigurator und eine simulationsfähige Feinplanung fehlen oder kostenpflichtigen Editionen vorbehalten sind. In der Praxis kombinieren viele Betriebe deshalb eine Open-Source-Basis mit einem späteren Umstieg auf eine kommerzielle Lösung, sobald die Komplexität steigt – Details dazu auf unserer Seite ERP für Maschinenbau.
Reicht eine kostenlose PPS für meinen Handwerksbetrieb?
Bei 1 bis 5 Mitarbeitern in der Werkstatt reicht eine kostenlose Lösung – teils sogar eine gepflegte Excel- oder Google-Sheets-Vorlage – in vielen Fällen aus, solange Aufträge weitgehend nacheinander abgearbeitet werden. Sobald mehrere Aufträge parallel laufen, mehrere Maschinen koordiniert werden müssen oder Material aus verschiedenen Lieferketten zusammenkommt, werden Tabellen fehleranfällig und intransparent. Spätestens dann empfiehlt sich der Wechsel auf eine echte Branchen- oder PPS-Lösung – siehe ERP für Handwerk. In der Praxis variiert die genaue Grenze je nach Fertigungstiefe und vorhandener IT-Kompetenz.
Worin unterscheiden sich kostenlose Open-Source-PPS und kostenpflichtige Editionen konkret?
Die freien Community-Versionen decken die Grundfunktionen ab – Stücklistenpflege, Auftragsanlage, manuelle Maschinenbelegung und einfache Materialdisposition –, lassen aber höherwertige Funktionen vermissen. Bei Odoo etwa sind Qualitätsprüfungen an Fertigungsaufträgen und der vorausschauende Produktionsplaner (Master Production Schedule) der Enterprise-Edition vorbehalten, und einen offiziellen Hersteller-Support gibt es für die Community-Version nicht. Wer simulationsbasiertes APS, regelbasierte Variantenkonfiguration, EDI-Zertifizierung oder professionelles Reporting benötigt, kommt um eine kostenpflichtige Edition oder ein Spezialwerkzeug meist nicht herum.
Welche Lizenzbedingungen gelten bei kostenloser PPS-Software?
Die Lizenzmodelle unterscheiden sich und sollten vor dem Produktiveinsatz geprüft werden: ERPNext steht unter der GPL-3.0, frePPLe in der Community Edition seit Version 8 unter der freizügigen MIT-Lizenz und der Odoo-Community-Kern seit Version 9 (2015) unter der LGPLv3. Wichtig ist, dass Zusatzmodule aus der Odoo Community Association (OCA) weiterhin unter AGPLv3 stehen, was bei Bereitstellung über ein Netzwerk weitergehende Offenlegungspflichten für den Quellcode auslösen kann. Bei eigenen Erweiterungen lohnt deshalb ein genauer Blick darauf, welche Lizenz die genutzten Module tatsächlich tragen, idealerweise mit juristischer Prüfung.
Was kostet die kommerzielle Variante typischerweise?
Kommerzielle PPS-Lösungen für Mittelständler liegen in der Cloud häufig bei rund 50 bis 250 EUR pro Anwender und Monat, hinzu kommen Implementierungskosten, die je nach Größe und Komplexität von etwa 30.000 bis über 250.000 EUR reichen. Reine Lizenzgebühren machen dabei typischerweise nur etwa 15 bis 25 Prozent der Gesamtprojektkosten aus, während der Großteil auf Implementierung, Customizing, Schulung und Datenmigration entfällt. Cloud-Modelle senken die Anfangsinvestition, verschieben die Kosten aber dauerhaft in die laufenden Betriebsausgaben – diese Struktur sollte man bei der ERP-Auswahl von Anfang an einkalkulieren.

