Häufig gestellte Fragen
Welches ERP ist am besten für den Versandhandel?
Ein pauschal "bestes" System gibt es nicht, weil die passende Lösung stark vom täglichen Paketvolumen abhängt. Für kleine Händler bis rund 100 Pakete am Tag genügen schlanke Tools wie Billbee, während im Mittelstand verbreitete Systeme wie JTL-Wawi, Pickware oder PlentyONE (ehemals plentymarkets) mit Pack-Tisch und Mobil-Picking dominieren. Ab etwa 1.000 Paketen täglich kommen dedizierte WMS- und Enterprise-Lösungen wie Descartes pixi WMS, Actindo oder Oracle NetSuite infrage. Entscheidend sind neben dem Volumen die benötigten Marktplatz-Anbindungen, die Carrier-Vielfalt und die Retouren-Intensität Ihres Sortiments.
Was unterscheidet ein WMS von einem Versandhandel-ERP?
Ein Warehouse Management System (WMS) ist auf die reine Lager- und Kommissionier-Steuerung spezialisiert, also auf Einlagerung, Pick-Wege, Bestandsführung und Pack-Prozesse. Ein Versandhandel-ERP deckt darüber hinaus die kaufmännischen Funktionen ab, etwa Auftragsverwaltung, Buchhaltung, Marktplatz-Anbindung und Retouren-Management. Bei kleineren und mittleren Volumen reichen die im ERP integrierten Lagerfunktionen meist aus, sodass kein separates WMS nötig ist. Wachsen Durchsatz und Lagerkomplexität, wird das WMS häufig als spezialisierte Komponente neben dem ERP betrieben und über Schnittstellen mit ihm verbunden.
Wie viel kostet ein Versandhandel-ERP?
Die Spannweite ist groß und richtet sich vor allem nach Funktionsumfang und Volumen. Einfache Plug-and-Play-Lösungen für kleine Händler starten im niedrigen zweistelligen Bereich pro Monat, etwa Billbee mit einer Grundgebühr ab rund 9 Euro plus verbrauchsabhängiger Komponente. Mittelständische Setups mit Pack-Tisch, mobilem Picking und mehreren Carrier-Anbindungen liegen typischerweise im Bereich von einigen hundert bis über tausend Euro monatlich zuzüglich einmaliger Einrichtungskosten. Enterprise-Projekte mit eigenem WMS, Voice-Picking und individueller Anbindung erreichen schnell fünf- bis sechsstellige Implementierungssummen plus laufende Lizenzen, weshalb eine genaue Skalierungs- und Kostenrechnung vor der Auswahl sinnvoll ist.
Welche Carrier-Anbindungen sollte ein Versandhandel-ERP unterstützen?
Für den DACH-Versand ist DHL Paket faktisch der Standard, den jedes Versandhandel-ERP nativ über eine Schnittstelle für Etiketten, Tracking und Retouren anbinden sollte. Im internationalen und Express-Versand sind zusätzlich DPD und UPS wichtig, während GLS und Hermes besonders bei B2B- und preissensiblen Sendungen eine Rolle spielen. Wenn das ERP nicht alle benötigten Dienstleister direkt unterstützt, helfen Multi-Carrier-Versandplattformen wie Sendcloud, shipcloud oder Shippo, die mehrere Carrier bündeln und nur einmal mit dem ERP verbunden werden müssen. Achten Sie darauf, dass die Anbindung auch automatisierte Retouren-Labels und internationale Zoll-Dokumente abdecken kann.
Wie wichtig ist ein gutes Retouren-Management im Versandhandel-ERP?
Retouren sind im deutschen Onlinehandel ein erheblicher Kostenfaktor, denn laut EHI Retail Institute lag die durchschnittliche Retourenquote zuletzt bei rund 17 Prozent über alle Sortimente. Im Mode- und Fashion-Bereich fällt sie deutlich höher aus, wo Händler artikelbezogen häufig Quoten von etwa 30 bis 50 Prozent und paketbezogen teils noch deutlich mehr verzeichnen. Ein leistungsfähiges Versandhandel-ERP sollte daher ein Retouren-Portal, automatisierte Erstattungs-Workflows und eine saubere Wieder-Einlagerung des Retourenbestands abbilden. So lassen sich Bearbeitungszeiten verkürzen, Fehlbestände vermeiden und die kapitalbindenden Effekte hoher Rücksendequoten begrenzen.
Welche rechtlichen Pflichten muss ein ERP im Versandhandel abdecken?
Versandhändler müssen ihre Rechnungen GoBD-konform und unveränderbar archivieren, wobei seit Anfang 2025 für Buchungsbelege wie Rechnungen eine auf acht Jahre verkürzte Aufbewahrungsfrist gilt und im B2B-Bereich seit dem 1. Januar 2025 strukturierte E-Rechnungen nach EN 16931 empfangen und revisionssicher gespeichert werden können müssen. Hinzu kommt das Verpackungsgesetz: Wer Waren an Endverbraucher in Deutschland versendet, muss sich im LUCID-Verpackungsregister registrieren, die Versand- und Füllverpackungen lizenzieren und die Mengen melden, andernfalls drohen Bußgelder von bis zu 100.000 Euro bei fehlender Registrierung und bis zu 200.000 Euro je Fall bei fehlender Systembeteiligung sowie Vertriebsverbote. Ein geeignetes ERP sollte diese Prozesse durch revisionssichere Belegarchivierung, korrekte Steuer- und USt-ID-Behandlung sowie Auswertungen zu Verpackungsmengen unterstützen. Da sich die Vorgaben regelmäßig ändern, empfiehlt sich zusätzlich die Abstimmung mit Steuerberatung und einem Lizenzierungsdienstleister.

