Die Pickware GmbH aus Darmstadt ist seit ihrer Gründung im Jahr 2013 ein etablierter Anbieter von ERP-, Lager- und Kassenlösungen für den Onlinehandel. Bekannt geworden ist Pickware durch die enge Verzahnung mit dem Shopsystem Shopware, mit dem das Unternehmen eine strategische Partnerschaft pflegt; seit einigen Jahren steht zusätzlich eine Variante für Shopify zur Verfügung. Pickware versteht sich nicht als generisches ERP, sondern als spezialisierte E-Commerce-Backoffice-Plattform, die direkt in das jeweilige Shopsystem integriert ist und so eine durchgängige Datenbasis für Bestand, Bestellung, Versand und Buchhaltung schafft. Im deutschsprachigen Raum ist Pickware in der Shopware-Community stark vertreten und wird laut Hersteller von mehreren Tausend Händler:innen genutzt. Mit dem markanten Marketing-Slogan „Unfuck Your Warehouse“ adressiert das Unternehmen typische Schmerzpunkte des operativen E-Commerce: doppelte Datenpflege, manuelle Bestandsabgleiche und Medienbrüche zwischen Shop, Kasse und Buchhaltung. Der vorliegende Steckbrief beleuchtet Funktionsumfang, Zielgruppe, Technologie sowie Stärken und Schwächen aus neutraler Perspektive und ordnet Pickware in den deutschsprachigen E-Commerce-ERP-Markt ein.
Funktionsumfang
Pickware deckt die zentralen Backoffice-Prozesse eines Onlinehändlers ab und integriert sich nahtlos in die Administrationsoberfläche von Shopware bzw. Shopify. Im Modul Pickware ERP finden sich Funktionen für Wareneingang, Bestandsführung, Bedarfsplanung, Lieferanten- und Bestellwesen, Retourenmanagement, Lagerbewertung sowie Rechnungserstellung und Buchhaltungs-Schnittstellen (DATEV-Export, ZUGFeRD- und XRechnung-Unterstützung). Das Modul Pickware WMS ergänzt die Plattform um ein vollwertiges Warehouse-Management-System mit mobilen Scannern, Lagerplatzverwaltung, Kommissionierstrategien (z. B. Multi-Order-Picking) und Inventurprozessen. Über das Pickware POS lassen sich stationäre Filialen mit der Online-Wawi verbinden, sodass Bestände, Kund:innen und Belege filialübergreifend konsistent bleiben.
Spezifisch für die Versandabwicklung bietet Pickware Anbindungen an Carrier wie DHL, DPD, GLS, UPS und Hermes, automatisierte Etikettenerstellung und Tracking-Übermittlung. Die Bedarfsplanung berücksichtigt Lieferzeiten, Mindestbestände und Verkaufsgeschwindigkeiten, um Bestellvorschläge zu generieren. Über offene Schnittstellen lassen sich zusätzliche Marktplatz-Connectoren, Buchhaltungs-Tools (lexoffice, sevDesk) oder Logistikdienstleister einbinden. Laut t3n und Shopware-Marktplatz ist Pickware das einzige vollständig in den Shopware-Backend integrierte ERP-System – ein Alleinstellungsmerkmal, das in der Praxis vor allem den Implementierungsaufwand und die Datenkonsistenz reduziert. Ergänzend bietet Pickware automatisierte Bestellvorschläge basierend auf Verkaufsgeschwindigkeit, Mindestbestand und Lieferzeit, eine integrierte Inventurfunktion mit mobiler Erfassung sowie revisionssichere Belegarchivierung gemäß GoBD. Für Händler:innen mit mehreren Lagerstandorten oder Filialen sind Bestandsumlagerungen, Filialbestellungen und konsolidierte Auswertungen ebenfalls Bestandteil des Funktionsumfangs.
Zielgruppe & Branchen
Pickware adressiert vor allem kleine und mittelgroße Onlinehändler:innen, die Shopware oder Shopify als zentrales Shopsystem einsetzen und ein integriertes Backoffice benötigen. Typische Anwender:innen sind D2C-Brands, Fachhändler:innen mit Onlineanteil, Filialhändler:innen mit Omnichannel-Anspruch und produzierende KMU mit Direktvertrieb. Branchenseitig finden sich Mode, Sport, Lifestyle, Möbel, Spielwaren, Kosmetik, Lebensmittel, Tierbedarf und Elektronik. Während Pickware skalierbar ist, liegt der Sweet Spot eher bei wachsenden Shops mit mittlerer Bestellmenge und mehreren Lagerstandorten. Sehr große Konzernstrukturen mit konsolidierten Bilanzen, mehreren Auslandsgesellschaften und komplexer Fertigung werden eher mit Suite-ERPs wie SAP S/4HANA, Microsoft Dynamics 365 Business Central oder Infor abgedeckt. Geografisch liegt der Schwerpunkt klar im DACH-Raum, mit deutscher Steuer-, Mehrwertsteuer- und Buchhaltungslogik sowie deutschsprachigem Support.
Technologie & Bereitstellung
Pickware ist als Cloud-Lösung konzipiert und wird über die offiziellen App-Stores von Shopware und Shopify bezogen. Da das ERP direkt im Shopsystem läuft, gibt es keine separate Installation eines weiteren Backoffice-Systems; Bestände, Artikelstammdaten und Kund:innen werden in einer einheitlichen Datenbasis gehalten. Updates erfolgen automatisch durch den Hersteller. Für mobile Anwendungen existiert eine native Pickware-Scanner-App für Android und iOS, die in Verbindung mit dem WMS-Modul für Wareneingang, Kommissionierung und Inventur eingesetzt wird.
Schnittstellen werden über die Shopware-API, Webhooks sowie spezielle Connectoren realisiert. Eine Anbindung an Buchhaltungssoftware ist über DATEV-Export oder API-Integrationen möglich. Daten werden in EU-Rechenzentren gehostet, womit Pickware DSGVO-konform betrieben werden kann. Da Pickware zwingend an ein modernes Shopware- oder Shopify-Setup gekoppelt ist, sollten Anwender:innen die jeweilige Shopsystem-Architektur und deren Releasezyklen mitberücksichtigen.
Stärken und Schwächen
Die größte Stärke von Pickware liegt in der nahtlosen Integration in Shopware und Shopify. Wer ohnehin auf eines dieser Shopsysteme setzt, erhält ein ERP, das ohne separate Datenmigration und ohne aufwendige Synchronisierung auskommt. Die Module ERP, WMS und POS greifen sauber ineinander, was Omnichannel-Szenarien erleichtert. Die Bedienoberfläche ist auf Shopbetreiber:innen zugeschnitten und gilt in Marktübersichten als modern und übersichtlich. Auch der deutschsprachige Support, die Shopware-Partnerlandschaft und regelmäßige Schulungsangebote werden positiv bewertet.
Auf der Schwächen-Seite ist Pickware stark an das Shopsystem gebunden: Wer Shopware oder Shopify nicht einsetzen kann oder will, hat keinen sinnvollen Zugriff auf die Lösung. Auch ein eigenständiger Marktplatz-Connector im Stil von JTL-eazyAuction fehlt; Marktplatzanbindungen erfolgen typischerweise über zusätzliche Drittlösungen. Komplexe Fertigungs- oder Variantenfertigungsprozesse, Mehrmandantenfähigkeit auf Konzernebene und sehr umfangreiche internationale Steuerlogik werden nur eingeschränkt unterstützt. Implementierung und Customizing erfolgen meist über Shopware-/Pickware-Partner:innen und sollten budgetiert werden. Auch Migrationen aus Altsystemen erfordern eine sorgfältige Datenaufbereitung und sollten nicht unterschätzt werden, insbesondere bei umfangreichen Artikelstammdaten, historischen Belegen und mehrstufigen Lagerprozessen mit Bestands-Synchronisation über mehrere Standorte hinweg.
Preise & Lizenzmodell
Pickware bietet seine Module als monatliches SaaS-Abonnement an. Die Preise hängen von gewählter Edition (z. B. Pickware ERP Starter, Professional, Enterprise), Anzahl Aufträge und genutzten Modulen (WMS, POS) ab. Eine 30-tägige Testphase ohne Kreditkarte erlaubt einen risikoarmen Einstieg. Implementierungs- und Schulungsleistungen erfolgen zumeist über Pickware- oder Shopware-Partner:innen und werden separat berechnet. Für die mobile WMS-Nutzung sind zusätzlich Hardware-Investitionen in Scanner-Geräte und mobile Endgeräte einzukalkulieren. Der Hersteller stellt detaillierte Onboarding-Dokumentationen, Webinare und ein Trainingsangebot bereit.
Preise und Kostenrahmen für Pickware
Realistische Kostenbandbreiten in der Kategorie Kmu für ein typisches Mittelstands-Setup mit 50 Anwendern. Konkrete Preise sind beim Anbieter direkt zu erfragen.
Kostenposition
Bandbreite
Cloud-Lizenz pro Jahr
3.000 € – 25.000 €
On-Premise Lizenz (einmalig)
15.000 € – 80.000 €
Implementierung (einmalig)
10.000 € – 50.000 €
5-Jahres-TCO
40.000 € – 200.000 €
Bereitstellungs-Optionen: Cloud meist Standard, On-Premise möglich. Mehr zu Bereitstellungsmodellen: Cloud-ERP vs On-Premise. Detaillierte Kostenstruktur: ERP-Kosten-Übersicht.
Editorial-Einschätzung zu Pickware
ERP-Plugin für Shopware mit Schwerpunkt Multi-Channel-E-Commerce — Standard-Wahl für Shopware-Online-Händler.
Stark in
Native Shopware-Integration: Tiefste Shopware-Integration aller deutschen ERPs — Real-time-Bestand, Auftrags-Sync, Kundendaten-Pflege im selben Stack.
Multi-Channel-E-Commerce: Native Connectoren für Amazon, eBay, Magento, JTL — Shopware bleibt Hauptkanal mit ergänzendem Multi-Channel.
WMS-Funktionen: Lager-Management mit Pickprozessen, Versand-Etikettendruck — solide Versandhandels-Tiefe.
Achtung bei
Shopware-Abhängigkeit: Klar an Shopware gebunden — wer Shopware verlassen will, muss Pickware ersetzen.
Fertigungs-Tiefe: Kein klassisches Manufacturing — bei Produktion mit Stücklisten passt es nicht.
Editorial-Einschätzung der Redaktion auf Basis öffentlicher Quellen,
Hersteller-Dokumentation und DACH-Markt-Beobachtung. Stand: Mai 2026.
Fazit
Pickware ist die naheliegende ERP-Wahl für Shopware- und Shopify-Händler:innen, die ihre Backoffice-Prozesse direkt im Shop abbilden möchten. Stärken sind die tiefe Integration, das saubere Modulkonzept (ERP, WMS, POS) und ein deutscher Hersteller mit klarer E-Commerce-DNA. Wer hingegen mehrere Shopsysteme parallel betreibt, ein klassisches On-Premises-ERP sucht oder komplexe Fertigungsanforderungen hat, sollte Pickware kritisch gegen Lösungen wie JTL, plentyONE oder vollwertige ERP-Suiten abwägen. Insgesamt bietet Pickware ein konsistentes Gesamtbild und eignet sich besonders dann, wenn Datensilos und doppelte Pflege zwischen Shopsystem und ERP vermieden werden sollen – ein in der Praxis häufig unterschätzter Hebel zur Steigerung von Effizienz und Datenqualität.
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Häufig gestellte Fragen
Welche Module bietet Pickware?
Typischerweise umfasst Pickware Module für Finanzbuchhaltung, Auftragswesen, Lager, Einkauf und Stammdaten. Branchenspezifische Erweiterungen (PPS, CRM, DMS) sind oft optional — den genauen Funktionsumfang zeigt das Anbieterprofil oben.
Die genaue Ausgestaltung hängt von Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups ab.
Welche Hardware-Anforderungen hat Pickware?
Bei Cloud-Bereitstellung reichen moderne Browser. Für On-Premise-Installationen variieren Server-Anforderungen je nach Anwenderzahl und Belegvolumen — der Hersteller stellt detaillierte System-Anforderungen bereit, oft mit empfohlenen Konfigurationen für 25, 50, 100 oder 250 Anwender.
Die genaue Ausgestaltung hängt von Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups ab.
Wie funktioniert die Datenmigration von einem alten ERP zu Pickware?
Datenmigration läuft typisch in 3 Phasen: Mapping (alt vs neu Datenmodell), Bereinigung (Duplikate, Stammdaten-Qualität), Test-Migration mit Validierung. Spezialisierte Migrations-Dienstleister: ERP-Integrations-Anbieter.
Die genaue Ausgestaltung hängt von Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups ab.
Wie teuer ist die jährliche Wartung bei Pickware?
On-Premise-Wartung liegt typisch bei 18–22% der Lizenzkosten p.a. (umfasst Updates, Hotfixes, Telefon-Support). Cloud-ERPs haben Wartung im Subscription-Preis enthalten — kein separater Wartungsvertrag.
Welche bekannten Referenzkunden hat Pickware?
Referenzkunden listet der Hersteller meist auf der eigenen Webseite — bei spezialisierten Branchen-ERPs sind 10–50 Vorzeige-Kunden gut bekannt. Branchen-spezifische Referenzen sollten vor der Auswahl konkret angefragt werden.
Die genaue Ausgestaltung hängt von Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups ab.