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Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Configure-to-Order (CTO), Make-to-Order (MTO) und Engineer-to-Order (ETO)?

Bei Configure-to-Order – dem typischen Modell der Variantenfertigung – wählt der Kunde Ausprägungen aus einem festen, vordefinierten Optionsraum, woraus das System automatisch eine konkrete Stückliste und einen Arbeitsplan ableitet, ohne dass neu konstruiert wird. Make-to-Order bezeichnet allgemeiner die Auftragsfertigung nach Bestelleingang, häufig aus vorgehaltenen Standardkomponenten, aber nicht zwingend mit Konfigurator-Logik. Engineer-to-Order steht dagegen für eine deutlich höhere Konfigurationsfreiheit, bei der je Auftrag wesentlich neu konstruiert und teils neue Komponenten oder Regeln angelegt werden müssen. In der Praxis verschwimmen die Grenzen, und ein Ziel guter ERP-Konzepte ist es, möglichst viel ETO-Geschäft durch Standardisierung in beherrschbares CTO-Geschäft zu überführen.

Wie funktioniert die Maximal- oder 150-Prozent-Stückliste in der Variantenfertigung?

Die Maximal-Stückliste – oft auch 150-Prozent-Stückliste oder Super-BOM genannt – enthält alle theoretisch möglichen Komponenten und Ausprägungen eines konfigurierbaren Produkts in einer einzigen pflegbaren Struktur. Bei der gebräuchlichen subtraktiven Konfiguration entsteht aus dieser 150-Prozent-Struktur durch das Entfernen nicht benötigter Positionen die konkrete 100-Prozent-Stückliste der gewählten Variante. Welche Bauteile bei welcher Merkmalskombination tatsächlich übernommen werden, steuern hinterlegte Variantenregeln, Bedingungen und Ausschlüsse. Dieser Ansatz vermeidet, dass für jede Kombination ein eigener Artikel angelegt werden muss, und reduziert den Pflegeaufwand erheblich, weil nur das Grundmodell samt Regelwerk aktuell gehalten werden muss.

Welche Konfigurationsmethoden gibt es bei der Variantenfertigung?

In der Praxis werden häufig drei Methoden unterschieden: die subtraktive, die additive und die regelbasierte beziehungsweise parametrische Konfiguration. Bei der subtraktiven Konfiguration wird aus einer Maximal- oder 150-Prozent-Stückliste durch Streichen nicht benötigter Positionen die fertige Variante erzeugt; sie gilt als die verbreitetste Form. Die additive Konfiguration baut das Produkt umgekehrt modular aus einzelnen Bausteinen über definierte Schnittstellen zusammen, etwa entlang einer Stücklisten- oder Einbaulogik. Die regelbasierte beziehungsweise parametrische Konfiguration, teils als Design Automation bezeichnet, steuert Maße, Bauteile und teilweise sogar 3D-Geometrien über Formeln und Regeln und gilt als mächtigste, aber auch aufwendigste Variante; welche Methode passt, hängt stark vom Produktspektrum und der Konstruktionstiefe ab.

Worin unterscheidet sich ein CPQ-System von einem ERP-Variantenkonfigurator?

Ein ERP-Variantenkonfigurator ist primär für die Fertigung gebaut und erzeugt stabile, versionierte und produktionsreife Stücklisten sowie Arbeitspläne, die direkt in Disposition und Fertigungsauftrag einfließen. CPQ – die Abkürzung steht für Configure, Price, Quote – setzt dagegen im Vertrieb an, ist häufig mit dem CRM verzahnt und soll Mitarbeitende dabei unterstützen, schnell fehlerfreie Angebote für komplexe Produkte zu erstellen, ohne sofort neue Materialnummern oder Stücklisten im ERP zu erzeugen. Idealerweise arbeiten beide komplementär zusammen: CPQ liefert geprüfte, vertriebsfähige Konfigurationen und schützt das ERP vor unvollständigen Eingaben, während die ERP-Logik die technische Ableitung übernimmt. Ob beide Bausteine getrennt nötig sind oder ein integrierter Konfigurator ausreicht, hängt vom Geschäftsmodell und der Angebotskomplexität ab.

Für welche Branchen und Unternehmen ist Variantenfertigung typisch?

Variantenfertigung ist überall dort verbreitet, wo Kunden viele individuelle Ausprägungen eines Grundprodukts erwarten, etwa im Maschinen- und Anlagenbau, in der Möbel- und Holzindustrie, bei Toren und Fenstern oder bei technischen Komponenten. Branchenbeobachtungen zum Maschinen- und Anlagenbau nennen häufig grobe Größenordnungen, wonach ein erheblicher Teil der Produkte als Varianten gefertigt wird und nur ein kleinerer Teil reine Standardfertigung ist; solche Anteile schwanken je nach Quelle, Segment und Erhebung deutlich. Charakteristisch ist, dass schon wenige Standardkomponenten in Kombination zu sehr vielen möglichen Varianten führen. Für Unternehmen mit dieser sogenannten Variantenvielfalt ist eine konfiguratorgestützte Abbildung im ERP meist wirtschaftlicher als die Pflege Tausender Einzelartikel.

Welche Anforderungen sollte ein ERP-System für die Variantenfertigung erfüllen?

Zentral ist eine mächtige Regellogik, die Abhängigkeiten, Bedingungen und Ausschlüsse zwischen Merkmalen sauber abbilden kann, damit nur zulässige Kombinationen konfiguriert werden. Ebenso wichtig ist, dass sich Stücklisten und Arbeitspläne gemeinsam variantisieren lassen und dass eine im Angebot konfigurierte Variante durchgängig identisch bis in Fertigungsauftrag und Kalkulation übernommen wird. Für konstruktionsnahe Varianten ist zudem eine Anbindung an CAD- beziehungsweise PLM-Systeme sinnvoll, und kaufmännisch sollten Konfiguration und Preis sauber in Angebot und Auftrag fließen. Da die größte Herausforderung der Variantenfertigung die Komplexität und der Pflegeaufwand der Stammdaten ist, kommt es schließlich auf eine disziplinierte Regelwerkspflege an, weil sich Fehler im Modell auf alle abgeleiteten Varianten auswirken.