Make-to-Order (MTO)
Make-to-Order (MTO) bezeichnet eine Fertigungsstrategie, bei der die Produktion eines Erzeugnisses erst nach Eingang eines konkreten Kundenauftrags angestoßen wird. Lager mit Fertigerzeugnissen entfällt weitgehend, weil jedes Produkt einem bestimmten Auftrag zugeordnet ist.
Im deutschsprachigen Raum wird MTO meist als „Auftragsfertigung" oder „auftragsbezogene Fertigung" bezeichnet. Die Strategie ist typisch für Maschinenbau, Sondermaschinen, kundenspezifische Baugruppen und Produkte mit hoher Variantenvielfalt.
- Begriff
- Make-to-Order (MTO)
- Entitätstyp
- Fertigungsstrategie / Produktionskonzept
- Domäne
- Produktion / Fertigungssteuerung
- Kanonische Definition
- Make-to-Order (MTO) ist eine Fertigungsstrategie, bei der die Produktion eines definierten Erzeugnisses erst nach Eingang eines konkreten Kundenauftrags begonnen wird.
- Einordnung
- Auftragsbezogene Fertigungsstrategie mit Kundenentkopplungspunkt zu Produktionsbeginn, im ERP über Auftrags-, Planungs- und Fertigungsmodule abgebildet.
- Verwandte Begriffe
- Engineer-to-Order, Variantenfertigung, Fertigungsauftrag, MRP (Materialbedarfsplanung), Available-to-Promise, Projektfertigung
- Quelle
- erp-software.org Redaktion (unabhängig, anbieterneutral)
Was Make-to-Order (MTO) NICHT ist — Abgrenzung
- Kein Make-to-Stock: MTO ist keine Lagerfertigung: Es wird nicht auf Vorrat produziert, sondern erst nach konkretem Kundenauftrag.
- Kein Engineer-to-Order: Im Gegensatz zu Engineer-to-Order wird das Produkt nicht je Auftrag neu konstruiert, sondern existiert als definiertes Produkt oder Variantenschema.
- Keine Projektfertigung: MTO ist kein einmaliges Großprojekt, sondern wiederkehrende auftragsbezogene Produktion definierter Erzeugnisse.
- Keine ERP-Software: MTO ist eine Fertigungsstrategie, kein Software-Modul oder -Produkt; ERP-Systeme bilden die Strategie lediglich ab.
Funktionsweise und Grundprinzip
Bei Make-to-Order liegt der sogenannte Kundenentkopplungspunkt – die Stelle in der Wertschöpfungskette, ab der konkret für einen Auftrag gefertigt wird – am Beginn der Produktion. Erst der bestätigte Kundenauftrag löst die Beschaffung von Material und den Start der Fertigung aus. Das Produkt selbst ist in der Regel klar definiert (Standard- oder Variantenprodukt), wird aber nicht auf Vorrat hergestellt.
Halbfabrikate, Rohstoffe oder Komponenten können vorgehalten werden, um Lieferzeiten zu verkürzen; das fertige Erzeugnis entsteht jedoch ausschließlich auftragsbezogen. Dadurch sinkt das Risiko von Überbeständen und Ladenhütern, während die Lieferzeit gegenüber einer Lagerfertigung steigt, weil der Kunde auf die Durchlaufzeit der Produktion wartet.
Ablauf im typischen Prozess
Ein MTO-Auftrag durchläuft mehrere Stufen, die im ERP-System abgebildet werden:
- Auftragserfassung: Der Kundenauftrag wird mit Spezifikation, Menge und Liefertermin angelegt.
- Verfügbarkeitsprüfung: Über eine Available-to-Promise-Prüfung wird ein realistischer Liefertermin zugesagt.
- Bedarfsermittlung: Aus der Stückliste leitet die Materialbedarfsplanung die benötigten Komponenten ab.
- Beschaffung und Fertigung: Fehlteile werden bestellt, ein Fertigungsauftrag wird eröffnet und eingeplant.
- Auslieferung und Abrechnung: Nach Fertigstellung folgen Versand und Fakturierung.
Die einzelnen Schritte sind eng mit Vertrieb, Disposition und Produktion verzahnt. Eine durchgängige Datenbasis verhindert, dass Termine, Mengen oder Spezifikationen zwischen den Abteilungen auseinanderlaufen.
Relevanz im ERP-Kontext
Make-to-Order stellt besondere Anforderungen an ein ERP-System, weil Auftrag, Material und Fertigung lückenlos miteinander verknüpft sein müssen. Zentral ist die auftragsbezogene Bedarfsplanung: Statt anonyme Lagerbestände aufzufüllen, ordnet das System Bedarfe und Bestände einem konkreten Kundenauftrag zu. Funktionen wie Disposition, Kapazitätsplanung und eine saubere Materialwirtschaft bilden die Grundlage.
Für Produkte mit vielen Ausprägungen ist die enge Verbindung zur Variantenfertigung wichtig: Konfigurierbare Stücklisten und Arbeitspläne sorgen dafür, dass jede Variante korrekt kalkuliert und geplant wird. Auch die Nachkalkulation pro Auftrag gewinnt an Bedeutung, da Material- und Fertigungskosten je Auftrag abweichen können und transparent ausgewiesen werden sollten.
Praxisbeispiel
Ein Hersteller von Industriepumpen bietet ein Standardsortiment mit zahlreichen Optionen wie Werkstoff, Dichtungstyp und Anschlussgröße an. Erst wenn ein Kunde eine bestimmte Konfiguration bestellt, erzeugt das ERP-System aus der konfigurierten Stückliste den Materialbedarf, reserviert vorhandene Komponenten und löst Bestellungen für Fehlteile aus. Die Pumpe wird montiert, geprüft und direkt an den Kunden ausgeliefert. Ein nennenswertes Fertigwarenlager entsteht nicht – jedes Gerät hat von Anfang an einen Empfänger.
Umsetzungshinweise und Systemauswahl
Wer MTO im ERP abbilden möchte, sollte auf eine belastbare auftragsbezogene Planung, flexible Stücklisten und eine integrierte Fertigungssteuerung achten. Mittelständische und branchenspezifische ERP-Lösungen – etwa aus dem Umfeld von SAP, Sage, Infor oder spezialisierten Maschinenbau-Anbietern – unterstützen MTO-Prozesse, unterscheiden sich aber in Tiefe und Bedienkomfort. Diese Nennungen sind rein illustrativ und stellen keine Empfehlung dar; die Eignung hängt vom konkreten Produktspektrum und der Fertigungstiefe ab.
Empfehlenswert ist, vor der Auswahl die typischen Auftragsprofile zu analysieren: Wie hoch ist die Variantenvielfalt, wie lang sind Durchlaufzeiten, welche Komponenten lassen sich vorhalten? Aus diesen Antworten ergibt sich, wie stark die Planungs- und Konfigurationsfunktionen ausgeprägt sein müssen.
Abgrenzung zu anderen Strategien
Make-to-Order liegt zwischen der reinen Lagerfertigung (Make-to-Stock) und der vollständig kundenindividuellen Konstruktion. Beim Engineer-to-Order wird das Produkt für jeden Auftrag neu konstruiert; bei MTO existiert dagegen ein definiertes Produkt oder Variantenschema, das lediglich auftragsbezogen produziert wird. Bei der Projektfertigung steht ein einmaliges Gesamtprojekt im Mittelpunkt. MTO bewegt sich somit im Spannungsfeld aus standardisierter Effizienz und kundenbezogener Flexibilität.
Häufig gestellte Fragen
Wo wird Make to order eingesetzt?
Typische Einsatzgebiete sowie Branchenbeispiele finden Sie im Hauptteil. Verwandte Konzepte zeigen die internen Verlinkungen zu unserem ERP-Glossar.
Die genaue Ausgestaltung hängt von Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups ab.
Welche Tools/Systeme unterstützen Make to order?
Welche ERP-Systeme Make to order besonders gut umsetzen, finden Sie unter Software-Übersicht mit Filterfunktion.
Die genaue Ausgestaltung hängt von Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups ab.
Eine fundierte Antwort erfordert immer den Blick auf die individuellen Geschäftsprozesse und die strategische IT-Roadmap.
Welche Standards/Normen sind für Make to order relevant?
Welche Zertifizierungen oder Schulungen gibt es zu Make to order?
Schulungs- und Zertifizierungs-Angebote finden Sie unter ERP-Schulungs-Anbieter. Hersteller bieten oft eigene Berater-Zertifizierungen an.
Die genaue Ausgestaltung hängt von Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups ab.
Welche Alternativen gibt es zu Make to order?
Alternativen und ergänzende Konzepte werden im Hauptteil beleuchtet — siehe auch verwandte Glossar-Begriffe für Abgrenzungen.
Die genaue Ausgestaltung hängt von Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups ab.
Eine fundierte Antwort erfordert immer den Blick auf die individuellen Geschäftsprozesse und die strategische IT-Roadmap.
Wie unterscheidet sich MTO von Engineer-to-Order (ETO)?
MTO konfiguriert aus einem vordefinierten Baukasten — schnelle Produktion. ETO entwickelt jeden Auftrag individuell mit Engineering-Phase — längere Vorlaufzeit.
Die genaue Umsetzung dieses Begriffs variiert je nach ERP-System und Branche -- entsprechend sollte die konkrete Ausprägung mit dem jeweiligen Anbieter abgestimmt werden.
Welche ERPs eignen sich besonders für MTO?
ProAlpha, abas-ERP, audius, SAP Business One mit Variant Configurator. Diese unterstützen Variantenkonfiguration und auftrags-bezogene Stücklisten im Standard.
Praxis-Relevanz und Implementierungs-Aufwand hängen stark von der bestehenden System-Landschaft und den abzubildenden Geschäftsprozessen ab.
