Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet Available-to-Promise (ATP)?
Available-to-Promise (ATP), auf Deutsch etwa „verfügbar zur Zusage", bezeichnet im ERP-Umfeld die terminbezogene Menge eines Artikels, die für neue Kundenaufträge verbindlich zugesagt werden kann. Anders als der reine Lagerbestand berücksichtigt ATP nicht nur, was physisch vorhanden ist, sondern zieht bereits reservierte Mengen ab und rechnet erwartete Zugänge aus Beschaffung und Produktion hinzu. So liefert die ATP-Prüfung dem Vertrieb in Echtzeit eine belastbare Antwort darauf, welche Menge zu welchem Termin tatsächlich noch frei verfügbar ist. ATP ist damit eine Querschnittsfunktion zwischen Vertrieb, Materialwirtschaft und Produktion.
Wie wird die ATP-Menge berechnet?
Die Grundformel lautet vereinfacht: ATP = physischer Bestand + geplante Zugänge − bereits zugesagte (reservierte) Mengen, wobei ein definierter Sicherheitsbestand häufig zusätzlich herausgerechnet wird. In zeitgestaffelten Systemen erfolgt die Berechnung nicht für einen einzigen Wert, sondern periodengenau entlang eines Zeitstrahls, sodass jeder künftige Wareneingang seinem voraussichtlichen Termin zugeordnet wird. Viele ERP-Systeme nutzen dabei eine kumulative Betrachtung mit Vorausschau (cumulative ATP with look-ahead), die Zu- und Abgänge über mehrere Perioden aufsummiert. Die Aussagekraft hängt unmittelbar von der Datenqualität ab, da falsche Wiederbeschaffungszeiten oder veraltete Bestände direkt zu fehlerhaften Zusagen führen.
Was ist der Unterschied zwischen ATP und CTP?
ATP prüft ausschließlich gegen vorhandene und geplante Mengen und unterstellt dabei unbegrenzte Produktionskapazitäten. Capable-to-Promise (CTP) geht einen Schritt weiter und bezieht zusätzlich freie Fertigungs- und Beschaffungskapazitäten ein, prüft also auch Material-, Maschinen- und teils Personalverfügbarkeit. Damit lässt sich eine Zusage auch dann treffen, wenn der Auftrag erst noch produziert werden muss und nicht aus Bestand bedient werden kann. CTP wird häufig von einem vorgelagerten Advanced-Planning-and-Scheduling-System (APS) übernommen, während die klassische ATP-Prüfung direkt im ERP läuft.
Berücksichtigt ATP auch zukünftige Wareneingänge?
Ja, das ist der wesentliche Mehrwert gegenüber einer reinen Bestandsabfrage. ATP rechnet neben dem physischen Lagerbestand auch geplante Zugänge ein, etwa offene Bestellungen und in Arbeit befindliche Fertigungsaufträge, jeweils mit ihrem voraussichtlichen Eingangstermin. Von dieser Summe werden die bereits zugesagten Mengen abgezogen, sodass eine zeitpunktbezogene Aussage entsteht. Beim einstufigen ATP wird ein fester Zeitpunkt betrachtet, beim zeitgestaffelten ATP wird periodengenau ausgewiesen, ab wann welche Menge frei wird.
Wozu dient eine ATP-Prüfung im Vertrieb?
Die ATP-Prüfung sorgt für realistische und verbindliche Liefertermine bereits bei der Auftragserfassung. Der Innendienst sieht sofort, ob und wann eine angefragte Menge geliefert werden kann, und vermeidet so überzogene Zusagen mit anschließenden Lieferverzügen ebenso wie unnötig vorsichtige Termine, die Aufträge kosten. Innerhalb von Prozessketten wie Order-to-Cash ist die ATP-Prüfung ein fester Bestandteil der Auftragsbestätigung. Sie stützt sich dabei auf die im MRP ermittelten geplanten Zu- und Abgänge als Datengrundlage.
In welchen ERP-Systemen gibt es ATP und wie unterscheiden sie sich?
Praktisch alle größeren ERP-Systeme bieten eine ATP-Funktion, allerdings in unterschiedlicher Tiefe. SAP S/4HANA stellt mit dem Advanced ATP (aATP) eine regelbasierte Variante bereit, die unter anderem Backorder-Verarbeitung mit Bestätigungsstrategien und Produktallokation (Product Allocation) für knappe Artikel umfasst. Auch Microsoft Dynamics 365 Supply Chain Management bietet ATP- und CTP-gestützte Lieferterminermittlung, ebenso Anbieter wie Oracle und Infor. Beim Systemvergleich lohnt der Blick darauf, ob die Prüfung einstufig oder zeitgestaffelt erfolgt, ob mehrere Lager und Standorte einbezogen werden und ob der Sicherheitsbestand konfigurierbar ausgeklammert werden kann.
