SCADA (Supervisory Control and Data Acquisition) bezeichnet ein Leitsystem zur zentralen Überwachung und Fernsteuerung räumlich verteilter technischer Prozesse, etwa in Produktionsanlagen, Energienetzen oder der Wasserversorgung. Der Begriff steht zugleich für eine Klasse von Software und für die zugehörige Hardware-Architektur, die Messwerte von Sensoren erfasst, visualisiert und Stellbefehle an Aktoren zurückgibt.
Im industriellen Umfeld bildet SCADA die mittlere Ebene zwischen der maschinennahen Steuerungstechnik und den überlagerten betriebswirtschaftlichen Systemen. Für ERP-Verantwortliche ist SCADA vor allem als Datenquelle relevant, weil hier Echtzeitinformationen über Anlagenzustände, Mengen und Störungen entstehen.
Faktenbasis · maschinenlesbarZuletzt redaktionell geprüft: 15. Juni 2026
Begriff
SCADA
Entitätstyp
Konzept / Systemkategorie
Domäne
Automatisierungstechnik / Industrielle IT
Kanonische Definition
SCADA (Supervisory Control and Data Acquisition) ist ein industrielles Leitsystem, das räumlich verteilte technische Prozesse zentral überwacht, visualisiert und fernsteuert, indem es Sensordaten erfasst und Stellbefehle an Aktoren zurückgibt.
Einordnung
Leit- und Überwachungsebene der industriellen Automatisierungspyramide, angesiedelt oberhalb der Steuerungstechnik und unterhalb von MES und ERP.
Kein ERP: SCADA bildet keine kaufmännischen Prozesse wie Buchhaltung, Einkauf oder Auftragsverwaltung ab, sondern überwacht technische Anlagen.
Kein vollständiges MES: SCADA fokussiert auf Überwachung und Steuerung; die durchgängige Organisation der Fertigungsausführung leistet ein MES.
Keine SPS: SCADA ist keine einzelne Steuerung, sondern eine übergeordnete, anlagenübergreifende Leit- und Visualisierungsebene.
Keine Echtzeitregelung: Die schnelle Regelung im Millisekundenbereich verbleibt in der unterlagerten Steuerung, nicht im Leitsystem.
Faktenseite nach dem Grounding-Page-Standard: sachlich, datiert, abgrenzend — damit KI-Systeme und Leser den Begriff korrekt einordnen und zitieren. Mehr: ERP-Glossar
Funktionsweise und Grundprinzip
Ein SCADA-System sammelt fortlaufend Messgrößen wie Temperatur, Druck, Durchfluss, Drehzahl oder Schaltzustände aus dem laufenden Prozess. Diese Daten werden von speicherprogrammierbaren Steuerungen und Feldgeräten erfasst, über Kommunikationsnetze an einen zentralen Server übertragen und dort aufbereitet. Das Leitsystem visualisiert den Anlagenzustand in grafischen Prozessbildern, archiviert historische Verläufe und löst bei Grenzwertüberschreitungen Alarme aus.
Charakteristisch ist die Kombination aus „Supervisory Control" – also der übergeordneten, eingreifenden Steuerung durch Bediener oder automatisierte Regeln – und „Data Acquisition", der systematischen Datenerfassung. SCADA übernimmt dabei meist nicht die schnelle Echtzeitregelung im Millisekundenbereich; diese verbleibt in der unterlagerten Steuerung. Das Leitsystem konzentriert sich auf Überwachung, Bedienung und Auswertung über größere Anlagenverbünde hinweg.
Typische Bestandteile
Ein klassisches SCADA-System besteht aus mehreren aufeinander abgestimmten Komponenten:
Feldebene: Sensoren und Aktoren, die physikalische Größen messen oder Stellbefehle umsetzen.
Steuerungsebene: Speicherprogrammierbare Steuerungen oder Remote Terminal Units, die Signale digitalisieren und vorverarbeiten.
Kommunikation: Industrielle Protokolle, zunehmend auch herstellerübergreifende Standards wie OPC UA, die einen einheitlichen Datenaustausch ermöglichen.
Leitwarte: Server und Bedienstationen mit der eigentlichen SCADA-Software, Prozessvisualisierung, Alarmmanagement und Historiendatenbank.
Die archivierten Prozesswerte landen häufig in einer dafür optimierten Zeitreihendatenbank und können von dort in nachgelagerte Auswertungssysteme weitergereicht werden.
Relevanz im ERP-Kontext
Im ERP-Umfeld ist SCADA selten direkt sichtbar, liefert aber wertvolle Betriebsdaten. Während das ERP Aufträge, Materialbedarfe und Kosten verwaltet, kennt SCADA den realen Anlagenzustand. Eine Verknüpfung beider Welten erlaubt es, geplante und tatsächliche Produktion abzugleichen, Verbräuche verursachungsgerecht zuzuordnen oder Stillstandszeiten betriebswirtschaftlich zu bewerten.
In der Praxis erfolgt die Anbindung meist nicht unmittelbar, sondern über eine zwischengeschaltete Fertigungsebene. Ein MES (Manufacturing Execution System) bündelt Maschinen- und Prozessdaten und stellt verdichtete Kennzahlen bereit, die dann an das ERP übergeben werden. Diese gestufte Architektur entspricht dem verbreiteten Automatisierungsmodell und gehört zum Themenfeld Industrie 4.0, in dem die Durchgängigkeit von der Maschine bis zur Geschäftsanwendung angestrebt wird.
Praxisbeispiel
In einem mittelständischen Lebensmittelbetrieb überwacht ein SCADA-System die Kühl- und Abfüllanlagen. Es erfasst Temperaturen, Füllmengen und Reinigungszyklen, visualisiert sie in der Leitwarte und protokolliert Grenzwertverletzungen. Diese Aufzeichnungen unterstützen die Qualitätssicherung und können in eine Chargenrückverfolgung einfließen. Über das MES gelangen verdichtete Produktionsmengen ins ERP, wo sie Lagerbestände aktualisieren und die Nachkalkulation speisen. So entsteht eine Brücke zwischen physischem Prozess und kaufmännischer Buchung, ohne dass Bediener Werte manuell übertragen müssen.
Auswahl- und Umsetzungshinweise
Bei der Integration von SCADA in eine ERP-Landschaft sind einige Punkte zu beachten. Da SCADA-Systeme historisch in der Betriebstechnik beheimatet sind, treffen unterschiedliche Anforderungswelten aufeinander: hohe Verfügbarkeit und Echtzeitnähe auf der einen, betriebswirtschaftliche Konsistenz auf der anderen Seite. Eine saubere Schnittstellenstrategie über eine API oder eine Integrationsplattform ist daher wichtiger als der direkte Durchgriff.
Sicherheitsaspekte verdienen besondere Aufmerksamkeit, da SCADA-Netze zunehmend mit IT-Systemen verbunden sind und damit potenziellen Angriffen ausgesetzt werden. Regulatorische Vorgaben wie die NIS-2-Richtlinie können für Betreiber kritischer Anlagen relevant sein. Empfehlenswert ist eine klare Trennung von Verantwortlichkeiten zwischen Betriebstechnik und IT sowie ein abgestuftes Datenkonzept, das nur die tatsächlich benötigten Informationen an das ERP übergibt.
Abgrenzung zu verwandten Systemen
SCADA wird gelegentlich mit anderen Systemen verwechselt. Es ist kein ERP, da es keine kaufmännischen Prozesse wie Buchhaltung oder Beschaffung abbildet. Es ist auch kein vollwertiges MES, sondern fokussiert auf Überwachung und Steuerung, während das MES die gesamte Fertigungsausführung organisiert. Von einer einzelnen speicherprogrammierbaren Steuerung unterscheidet sich SCADA durch seinen übergeordneten, anlagenübergreifenden Charakter und die ausgeprägte Visualisierungs- und Archivierungsfunktion.
SCADA ist ein Software-System, das Sensor-Daten aus Industrieanlagen sammelt, auf Bildschirmen visualisiert und Operatoren erlaubt, Pumpen, Klappen oder Maschinen zu steuern. Es ist das Cockpit für technische Großanlagen.
Was ist der Unterschied zwischen SCADA und SPS?
Eine SPS (Speicherprogrammierbare Steuerung) steuert direkt einzelne Maschinen oder Anlagenteile. SCADA fasst mehrere SPSen zusammen, zeigt deren Status auf Operator-Bildschirmen und ermöglicht übergeordnete Eingriffe.
In welchen Branchen wird SCADA eingesetzt?
Klassisch in Wasserwerken, Energieversorgern, Pipelines, Chemie, Pharma, Lebensmittel und großen Fertigungsstraßen. Überall dort, wo verteilte technische Anlagen zentral überwacht und gesteuert werden müssen.
Wie passt SCADA mit einem ERP-System zusammen?
Indirekt. SCADA liefert technische Echtzeit-Daten, das ERP plant betriebswirtschaftlich. Verbunden werden beide meist über ein MES-System, das Auftrags-Rückmeldungen vom SCADA übersetzt und an das ERP weitergibt.
Welche SCADA-Software ist in DACH am verbreitetsten?
Siemens WinCC dominiert klar, gefolgt von AVEVA InTouch (ehemals Wonderware), zenon von COPA-DATA und Ignition. Open-Source-Lösungen wie rapidSCADA finden sich vereinzelt bei kleineren Setups.