SCADA (Supervisory Control and Data Acquisition) bezeichnet ein Klasse von Industrie-Software, die Sensor-Daten aus dezentralen technischen Anlagen in Echtzeit sammelt, visualisiert und Operatoren erlaubt, übergeordnete Steuerbefehle abzusetzen. SCADA-Systeme sind das Nervensystem der Prozessindustrie: in Wasserwerken, Stromnetzen, Pipelines, Chemiewerken und großen Fertigungsstrassen.
Was leistet ein SCADA-System?
Datenerfassung: SCADA pollt zyklisch SPS-Steuerungen (PLC), Remote-Terminal-Units (RTU) oder direkt Sensoren — meist via OPC UA, Modbus oder proprietäre Bus-Protokolle
Visualisierung: Anlagen-Schemata mit Live-Werten (Drücke, Temperaturen, Durchflüsse, Schalterzustände) auf Operator-Bildschirmen
Alarmierung: Schwellwert-Überschreitungen lösen akustische/optische Alarme aus, mit Eskalation an Bereitschafts-Mitarbeiter
Historisierung: Alle Messwerte werden langfristig in Time-Series-Datenbanken archiviert — Basis für Compliance, Audits und Optimierungs-Analysen
Steuerung: Operatoren können Sollwerte ändern, Pumpen starten/stoppen, Klappen öffnen — meist mit Rollen-/Rechte-Kontrolle
SCADA vs. MES vs. ERP – Die Automatisierungs-Pyramide
Im klassischen ISA-95-Modell sitzt SCADA auf Ebene 2, zwischen direkter Maschinen-Steuerung (Ebene 1: SPS) und dem produktionsnahen IT-Layer (Ebene 3: MES) und schließlich dem ERP auf Ebene 4:
Ebene 1 – Field: Sensoren, Aktoren, SPS
Ebene 2 – SCADA: Live-Monitoring und übergeordnete Steuerung
Während SCADA technische Größen verarbeitet (Bar, Liter/min, Grad Celsius), denkt das ERP in betriebswirtschaftlichen Einheiten (Stück, Kosten, Erlöse). Der Übergang läuft über MES als Übersetzer-Schicht.
Bekannte SCADA-Systeme
Siemens WinCC – Marktführer in der DACH-Region, eng mit der S7-SPS-Familie verzahnt
Wonderware (AVEVA InTouch) – Klassiker mit großer Installations-Basis in Prozessindustrie
Ignition (Inductive Automation) – moderne Web-/Cloud-fähige Plattform, lizenztechnisch flexibel
GE iFIX / Cimplicity – starke Position in Nordamerika
zenon (COPA-DATA) – österreichischer Anbieter mit Stärke in Energie- und Pharma-Branche
Open-Source: rapidSCADA, OpenSCADA, ScadaBR – für kleinere Setups
SCADA und IT-Sicherheit
SCADA-Systeme wurden historisch in geschlossenen OT-Netzen betrieben, ohne Internet-Anbindung. Mit der OT/IT-Konvergenz wachsen die Angriffsflächen — Stuxnet (2010), das Ukraine-Stromnetz-Hack (2015) und Colonial-Pipeline (2021) sind prominente Beispiele für SCADA-/ICS-bezogene Sicherheits-Vorfälle. Aktuelle Best-Practices:
SCADA ist ein Software-System, das Sensor-Daten aus Industrieanlagen sammelt, auf Bildschirmen visualisiert und Operatoren erlaubt, Pumpen, Klappen oder Maschinen zu steuern. Es ist das Cockpit für technische Großanlagen.
Was ist der Unterschied zwischen SCADA und SPS?
Eine SPS (Speicherprogrammierbare Steuerung) steuert direkt einzelne Maschinen oder Anlagenteile. SCADA fasst mehrere SPSen zusammen, zeigt deren Status auf Operator-Bildschirmen und ermöglicht übergeordnete Eingriffe.
In welchen Branchen wird SCADA eingesetzt?
Klassisch in Wasserwerken, Energieversorgern, Pipelines, Chemie, Pharma, Lebensmittel und großen Fertigungsstraßen. Überall dort, wo verteilte technische Anlagen zentral überwacht und gesteuert werden müssen.
Wie passt SCADA mit einem ERP-System zusammen?
Indirekt. SCADA liefert technische Echtzeit-Daten, das ERP plant betriebswirtschaftlich. Verbunden werden beide meist über ein MES-System, das Auftrags-Rückmeldungen vom SCADA übersetzt und an das ERP weitergibt.
Welche SCADA-Software ist in DACH am verbreitetsten?
Siemens WinCC dominiert klar, gefolgt von AVEVA InTouch (ehemals Wonderware), zenon von COPA-DATA und Ignition. Open-Source-Lösungen wie rapidSCADA finden sich vereinzelt bei kleineren Setups.