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Häufig gestellte Fragen

Was ist ein SCADA-System einfach erklärt?

SCADA (Supervisory Control and Data Acquisition) ist ein Software- und Hardware-System, das Messdaten aus räumlich verteilten Industrieanlagen kontinuierlich erfasst, auf Bildschirmen in einer Leitwarte visualisiert und Bedienern den steuernden Eingriff in Pumpen, Klappen oder Maschinen erlaubt. Es bildet die Leit- und Überwachungsebene oberhalb der maschinennahen Steuerungstechnik und dient damit als zentrales Cockpit für technische Großanlagen. Charakteristisch ist die Kombination aus übergeordneter Steuerung und systematischer Datenarchivierung. Die schnelle Echtzeitregelung im Millisekundenbereich verbleibt dabei in der unterlagerten Steuerung und nicht im Leitsystem.

Was ist der Unterschied zwischen SCADA und SPS?

Eine SPS (Speicherprogrammierbare Steuerung, englisch PLC) steuert und regelt direkt einzelne Maschinen oder Anlagenteile und arbeitet dabei deterministisch im Millisekundenbereich. SCADA setzt eine Ebene darüber an, fasst mehrere SPSen sowie Remote Terminal Units zusammen und zeigt deren Status auf Operator-Bildschirmen einer Leitwarte. Das Leitsystem ermöglicht übergeordnete Eingriffe, das Alarmmanagement und die langfristige Archivierung von Prozesswerten über ganze Anlagenverbünde hinweg. SCADA ist also keine einzelne Steuerung, sondern eine anlagenübergreifende Visualisierungs- und Überwachungsschicht.

In welchen Branchen wird SCADA eingesetzt?

SCADA kommt klassisch überall dort zum Einsatz, wo räumlich verteilte technische Anlagen zentral überwacht und gesteuert werden müssen. Typische Anwendungsfelder sind die Wasser- und Abwasserversorgung, Energieerzeugung und Stromnetze, Öl- und Gaspipelines sowie die Chemie-, Pharma- und Lebensmittelindustrie. Auch in großen Fertigungsstraßen und in der Gebäudeleittechnik sind SCADA-Systeme verbreitet. Viele dieser Einsatzbereiche zählen zur kritischen Infrastruktur, weshalb Verfügbarkeit und Ausfallsicherheit hier besonders hohe Bedeutung haben.

Wie passt SCADA mit einem ERP-System zusammen?

SCADA und ERP arbeiten auf unterschiedlichen Ebenen: SCADA kennt den realen technischen Anlagenzustand in Echtzeit, während das ERP Aufträge, Materialbedarfe und Kosten betriebswirtschaftlich plant und verbucht. Eine direkte Kopplung ist selten; in der Praxis wird meist ein MES (Manufacturing Execution System) zwischengeschaltet, das Maschinen- und Prozessdaten verdichtet und als Kennzahlen an das ERP übergibt. Diese gestufte Architektur entspricht dem verbreiteten Automatisierungsmodell und gehört zum Themenfeld Industrie 4.0. Empfehlenswert ist ein abgestuftes Datenkonzept, das nur die tatsächlich benötigten Informationen über eine saubere Schnittstelle an das ERP weiterreicht.

Welche SCADA-Software ist am Markt am verbreitetsten?

Im DACH-Raum und international zählt Siemens mit dem Produkt WinCC zu den marktführenden Anbietern, gefolgt von AVEVA InTouch (ehemals Wonderware, seit Anfang 2023 vollständig zu Schneider Electric gehörend), zenon von COPA-DATA sowie Ignition von Inductive Automation. Daneben sind auf Konzernebene weitere große Automatisierungshersteller wie ABB, Rockwell Automation und Honeywell aktiv. Der globale SCADA-Markt wird von Analysten für 2025 auf rund 12 Milliarden US-Dollar geschätzt, wobei die prognostizierten jährlichen Wachstumsraten je nach Quelle im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich liegen. Open-Source-Lösungen wie Rapid SCADA finden sich vereinzelt bei kleineren oder kostensensiblen Installationen; präzise Marktanteile einzelner Produkte sind jedoch nur eingeschränkt belastbar.

Welche Rolle spielt Cybersicherheit bei SCADA-Systemen?

Cybersicherheit hat bei SCADA hohe Priorität, da die ehemals isolierten Betriebsnetze zunehmend mit IT-Systemen und dem Internet verbunden sind und dadurch zur Angriffsfläche werden. Für die operative Technik (OT) gilt die Normenreihe IEC 62443 als maßgeblicher internationaler Standard; sie empfiehlt unter anderem eine Segmentierung in Zonen und Conduits, strenge Zugriffskontrollen und ein durchdachtes Patch-Management. Betreiber kritischer Infrastrukturen unterliegen in der EU zusätzlich regulatorischen Vorgaben wie der NIS-2-Richtlinie, die Risikomanagement, Meldepflichten und Nachweise verlangt. Als gute Praxis gilt eine klare Trennung der Verantwortlichkeiten zwischen Betriebstechnik und IT.

Über welche Protokolle kommuniziert ein SCADA-System?

SCADA-Systeme tauschen Daten über industrielle Kommunikationsprotokolle aus, von denen einige seit Jahrzehnten etabliert sind. Modbus stammt ursprünglich aus dem Jahr 1979 von Modicon und ist nach wie vor weit verbreitet, während DNP3 in den frühen 1990er-Jahren speziell für Versorgungs- und Energieanwendungen entwickelt wurde. Als herstellerübergreifender, plattformunabhängiger Standard setzt sich zunehmend OPC UA durch, das einen einheitlichen und abgesicherten Datenaustausch ermöglicht. In IoT- und cloudnahen Szenarien kommt ergänzend das schlanke Protokoll MQTT zum Einsatz, was die Anbindung an übergeordnete Systeme wie MES und ERP erleichtert.