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Häufig gestellte Fragen

Wofür steht GPKE in der Energiewirtschaft und warum ist sie für das ERP wichtig?

GPKE steht für "Geschäftsprozesse zur Kundenbelieferung mit Elektrizität" und ist eine Festlegung der Bundesnetzagentur, die Lieferantenwechsel, An- und Abmeldungen sowie die Stammdatenpflege zwischen den Marktteilnehmern verbindlich regelt. Für Gas gilt analog die GeLi Gas, für das Messwesen die WiM (Wechselprozesse im Messwesen) und für die Bilanzierung im Strom die MaBiS. Ein ERP für Energieversorger muss diese Prozesse über standardisierte EDIFACT-Nachrichten wie UTILMD, MSCONS und INVOIC automatisiert und fristgerecht abwickeln, da Fehler hier unmittelbar zu Wechselstörungen und Bilanzierungsabweichungen führen.

Welche ERP-Anbieter eignen sich für kleinere Stadtwerke?

Kleinere und mittlere Stadtwerke setzen häufig auf Branchenlösungen wie Wilken (ENER:GY), Schleupen (CS-Plattform), Somentec oder kVASy von SIV.AG, da diese ein vollständiges energiewirtschaftliches Funktionsprofil zu mittelständisch ausgelegten Lizenz- und Implementierungskosten bieten und Branchen-Updates für regulatorische Änderungen liefern. Diese Lösungen werden vielfach aus dem Rechenzentrum des Anbieters betrieben, um die eigene IT zu entlasten und die für Marktkommunikation und Abrechnung nötige Betriebsfähigkeit sicherzustellen. SAP S/4HANA Utilities ist demgegenüber vor allem bei großen Stadtwerken und Konzernen verbreitet. Bei der Auswahl zählen neben der Funktionstiefe vor allem das Regulatorik- und Update-Versprechen sowie die Verfügbarkeit von Implementierungspartnern.

Wie wirkt sich der Smart-Meter-Rollout auf das ERP aus?

Mit dem durch das GNDEW beschleunigten Rollout intelligenter Messsysteme steigen Datenvolumen und -frequenz erheblich, da das ERP bzw. das angeschlossene Energiedatenmanagement viertelstündliche Lastgänge zuverlässig empfangen, validieren, ersetzen und für Abrechnung, Bilanzierung und Mehrwertdienste bereitstellen muss. Eine performante Zeitreihendatenbank und automatisierte Plausibilitätsprüfungen sind dafür Pflicht. Pflichteinbauten gelten unter anderem für Verbraucher ab 6.000 kWh Jahresverbrauch sowie für Stromerzeugungsanlagen wie PV ab 7 kW installierter Leistung, während der Gesetzgeber bis Ende 2030 mindestens 95 Prozent der Pflichtfälle ausgestattet sehen will. Da Stromlieferanten seit 2025 dynamische Tarife anbieten müssen und die Steuerung steuerbarer Verbrauchseinrichtungen nach §14a EnWG hinzukommt, braucht das ERP zudem neue abrechnungsseitige Logiken für zeitvariable Preise.

Welche regulatorischen Format-Umstellungen muss ein Energie-ERP aktuell mitmachen?

Die Marktkommunikation unterliegt regelmäßigen Format-Releases der Bundesnetzagentur, die Energieversorger zu festen Stichtagen in ihren Systemen ausrollen müssen, weshalb das ERP entsprechende Branchen-Updates termingerecht bereitstellen muss. Seit dem 6. Juni 2025 gilt zudem der 24-Stunden-Lieferantenwechsel nach §20a EnWG, der schnellere und vorab angelegte Prozesse zwischen Lieferant, Netzbetreiber und Messstellenbetreiber sowie die durchgängige Nutzung der MaLo-ID erfordert. Als Transportweg ist AS4 bereits seit April 2024 verpflichtend, während die Marktkommunikation den dateibasierten EDIFACT-Austausch zunehmend durch API-basierte Web-Services ergänzt und ablöst, etwa beim seit Juni 2025 verpflichtenden API-Prozess zur MaLo-ID-Ermittlung. Ein zukunftsfähiges ERP sollte diese Übergänge unterstützen, ohne dass Versorger jeweils auf kostspielige Eigenentwicklungen angewiesen sind.

Was bedeutet das Wartungsende von SAP IS-U für Stadtwerke?

SAP IS-U ist als Vorgänger von SAP S/4HANA Utilities über Jahre der Standard für die Energiewirtschaft gewesen, läuft aber in der herstellerseitigen Wartung aus, sodass auch die Unterstützung der Marktkommunikation in IS-U mittelfristig endet. Die reguläre Wartung von SAP IS-U endet planmäßig Ende 2027, eine kostenpflichtige erweiterte Wartung ist bis Ende 2030 verfügbar, sodass betroffene Versorger vor einer Migration auf SAP S/4HANA Utilities oder dem Wechsel auf eine alternative Branchenlösung stehen. Solche Projekte sind aufwändig, weil über Jahre gewachsene Datenbestände bereinigt und die Prozesse der Marktrollen Lieferant, Netzbetreiber und Messstellenbetreiber sauber in die neue Architektur überführt werden müssen. Wegen langer Vorlaufzeiten und knapper Beraterkapazitäten empfiehlt es sich, Migrationsplanung und Zeitfenster frühzeitig festzulegen.

Wie lange dauert die Einführung eines ERP für Energieversorger und was kostet sie?

Die Einführung eines energiewirtschaftlichen ERP ist in der Regel ein mehrmonatiges bis mehrjähriges Projekt, dessen Dauer und Kosten stark von Unternehmensgröße, Anzahl der Marktrollen, Datenmigration und gewünschtem Customizing abhängen. Erfolgskritisch sind eine saubere Datenmigration aus Altsystemen, ausführliche Tests der Marktkommunikation, ein paralleler Betrieb von Alt- und Neusystem im Übergang sowie die Schulung der Sachbearbeiter. Viele Stadtwerke wählen hostingbasierte Modelle oder ein Business Process Outsourcing der Abrechnung, um interne IT zu entlasten und Releasewechsel planbarer zu machen. Belastbare Budgets ergeben sich erst aus einem konkreten Lasten- und Pflichtenheft, da pauschale Preisangaben den realen Aufwand selten abbilden.