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Häufig gestellte Fragen

Welche Anforderungen muss ein ERP für Automotive-Zulieferer zwingend erfüllen?

Ein Automotive-ERP muss vor allem die OEM-Lieferkette technisch abbilden: EDI-Anbindung an die Kundenwerke, Verarbeitung von Lieferabrufen nach VDA- oder EDIFACT-Standards sowie deren saubere Fortschreibung in Bedarfe und Disposition. Hinzu kommen Just-in-Time- und Just-in-Sequence-Fähigkeit, Behälter- und Leergutmanagement sowie ein Qualitätsmanagement, das die Vorgaben der IATF 16949 und der einschlägigen VDA-Bände unterstützt. Zentral ist außerdem die lückenlose Rückverfolgbarkeit auf Chargen- und Seriennummernebene, damit im Reklamations- oder Rückruffall betroffene Teile eindeutig identifiziert werden können. Funktionen, die im allgemeinen Mittelstand optional sind, gehören hier zum Pflichtumfang.

Was ist der Unterschied zwischen Just-in-Time (JIT) und Just-in-Sequence (JIS) und muss das ERP beides können?

Bei Just-in-Time werden Teile zeitgenau und meist mehrmals täglich direkt ans Montageband geliefert, möglichst ohne Pufferlager, synchron zum Produktionstakt. Just-in-Sequence geht einen Schritt weiter und ist eine Weiterentwicklung von JIT: Die Teile kommen nicht nur termingerecht, sondern auch in exakter Verbaureihenfolge an, jedes Teil einem konkreten Fahrzeug auf der Linie zugeordnet, weshalb OEMs hier eine sehr hohe Sequenzgenauigkeit verlangen und Fehlsequenzen in der Regel im ppm-Bereich messen. JIS betrifft typischerweise variantenreiche Module wie Cockpits, Sitze, Türen oder Frontends, bei denen sich kundenspezifische Ausstattung auf die Reihenfolge auswirkt. Ein ERP für Zulieferer mit solchen Aufträgen sollte beide Verfahren beherrschen, da OEMs je nach Bauteil und Werk unterschiedliche Abrufmodelle vorgeben.

Welche EDI-Standards und Nachrichtentypen muss ein Automotive-ERP unterstützen?

In Europa dominieren EDIFACT und die VDA-Standards, während im US-Geschäft ANSI ASC X12 und teils Odette üblich sind, weshalb ein leistungsfähiges Automotive-ERP mehrere Formate parallel beherrschen sollte. Bei den Nachrichtentypen sind vor allem der DELFOR als längerfristiger Lieferabruf beziehungsweise Forecast, der DELJIT als kurzfristiger Feinabruf für tagesgenaue Mengen sowie der DESADV als Lieferavis relevant. Die Forecasts werden im ERP über die Disposition geplant und in ein systemspezifisches Format (bei SAP etwa IDoc) exportiert, das die EDI-Lösung dann in das jeweilige OEM-Format wandelt und übermittelt. Da jeder Hersteller eigene Mappings und Konventionen pflegt, ist die Erfahrung des Anbieters mit den konkreten Kundenstandards ein wichtiges Auswahlkriterium.

Brauche ich für ein Automotive-ERP eine IATF-16949-Zertifizierung?

Die IATF 16949 ist ein Qualitätsmanagement-Standard für die Automobilindustrie, der das Unternehmen und seine Prozesse betrifft, nicht die ERP-Software selbst, die also nicht zertifiziert wird. Allerdings setzen zahlreiche OEMs und Tier-1-Kunden die Zertifizierung bei ihren Lieferanten voraus, sodass sie für die Aufnahme in globale Lieferketten praktisch unverzichtbar ist. Das Zertifikat ist drei Jahre gültig und muss in dieser Zeit durch jährliche Überwachungsaudits IATF-anerkannter Auditoren bestätigt werden, bevor am Ende des Zyklus ein vollständiges Re-Zertifizierungsaudit ansteht. Das ERP unterstützt die Compliance, indem es normkonforme Prozesse wie Rückverfolgbarkeit, Bemusterung (EMPB im PPF-Verfahren nach VDA Band 2 beziehungsweise PPAP nach AIAG) und Reklamationsmanagement sauber dokumentiert und auditierbar macht.

Was kostet ein Automotive-ERP?

Realistische Gesamtkosten für ein Automotive-ERP liegen im Mittelstand meist im hohen sechs- bis siebenstelligen Bereich über die ersten drei bis fünf Jahre, abhängig von Anwenderzahl, Standortanzahl und Customizing-Tiefe. Tier-1-Zulieferer mit JIS-/JIT-Anforderungen liegen tendenziell höher, weil OEM-spezifische EDI-Mappings und umfangreiche Q-Management-Module hinzukommen. Bei On-Premise-Modellen fallen zusätzlich jährliche Wartungs- und Update-Gebühren an, während Cloud-Subscriptions pro Anwender und Monat abgerechnet werden. Eine belastbare Schätzung ergibt sich erst aus einem Lastenheft mit konkreten Anforderungen; mehr dazu in unserem Leitfaden ERP-Kosten.

Wie lange dauert die Einführung eines Automotive-ERP?

Mittelständische ERP-Einführungen dauern im Fertigungsumfeld typischerweise rund 6 bis 18 Monate, wobei Automotive-Projekte wegen EDI-Strecken, JIS-/JIT-Anbindung und IATF-konformer QS-Prozesse eher am oberen Ende dieses Rahmens liegen. Größere Multi-Site-Implementierungen für mehrere OEM-Kundenwerke können deutlich länger laufen und mitunter zwei Jahre oder mehr beanspruchen, einschließlich der Anbindung der jeweiligen EDI-Strecken je Standort. Erfahrungsgemäß entfällt ein großer Teil der Projektdauer auf Konzeption, Customizing und Datenmigration, der Rest auf Tests, Schulungen und produktiven Roll-out. Eine strukturierte Vorbereitung finden Sie in unserer ERP-Implementierungs-Checkliste.

Was bedeutet Catena-X für die ERP-Auswahl?

Catena-X ist ein offenes, kollaboratives Datenökosystem für die Automobilindustrie, dessen Trägerverein 2021 gegründet wurde und das einen standardisierten, sicheren Datenaustausch entlang der gesamten Lieferkette ermöglichen soll. Als wichtiges Einsatzgebiet gilt die durchgängige Rückverfolgbarkeit von Bauteilen, daneben spielen CO2-Transparenz und Lieferketten-Resilienz eine zentrale Rolle. Mehrere große OEMs aktivieren bereits ihre Zulieferer und setzen die Teilnahme teils in den Einkaufsbedingungen voraus, sodass der Anschluss für viele Lieferanten zunehmend zur Voraussetzung wird, Teil der Lieferkette zu bleiben. Bei der ERP-Auswahl sollten Zulieferer daher prüfen, ob der Anbieter eine belastbare Catena-X-Roadmap beziehungsweise entsprechende Schnittstellen vorweisen kann.