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Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen ERP, TMS und WMS in der Logistik?

Das ERP bildet die kaufmännische Ebene ab und steuert Auftragserfassung, Stammdaten, Disposition auf Geschäftsebene, Fakturierung und Buchhaltung über alle Bereiche hinweg. Ein Transport-Management-System (TMS) übernimmt die operative Transportausführung, also Sendungsbündelung, Tour- und Routenplanung, Carrier-Auswahl sowie die Statusüberwachung unterwegs, während ein Warehouse-Management-System (WMS) die Prozesse innerhalb des Lagers wie Einlagerung, Kommissionierung und Bestandsführung optimiert. In der Praxis kombinieren viele Logistikdienstleister ein ERP mit spezialisiertem TMS und WMS, deren Mehrwert maßgeblich von der nahtlosen Integration der drei Systeme abhängt. Speditions- und Logistiklösungen wie CarLo von Soloplan, die Systeme von LIS (Logistische Informationssysteme) oder Active Logistics decken Teile dieser Funktionen bereits integriert ab.

Was kostet ein Logistik-ERP?

Realistische Implementierungskosten für ein Logistik-ERP liegen im Mittelstand zwischen 220.000 und 1.100.000 Euro über die ersten 3-5 Jahre, abhängig von Anwenderzahl und Customizing-Tiefe. Logistikdienstleister mit Telematik-, Zoll- und Lager-Hardware-Anbindung benötigen oft 500.000 bis 700.000 Euro für die volle Stack-Integration. Hinzu kommen jährliche Wartungs- und Update-Gebühren von 18-22 Prozent bei On-Premise-Modellen oder eine Cloud-Subscription, die mit etwa 80-180 Euro pro Anwender und Monat skaliert. Eine detaillierte Aufschlüsselung finden Sie in unserem Leitfaden ERP-Kosten.

Muss ein Logistik-ERP die Zollabwicklung über ATLAS und NCTS unterstützen?

Für gewerbliche Ein- und Ausfuhren ist die elektronische Kommunikation mit der deutschen Zollverwaltung über das IT-Verfahren ATLAS (Automatisiertes Tarif- und Lokales Zollabwicklungssystem) verpflichtend, eine Abwicklung auf Papier ist im Regelfall nicht mehr möglich. Grenzüberschreitende Versandverfahren im Unions- und gemeinsamen Versandverfahren mit den EU- und EFTA-Staaten sowie weiteren Vertragsparteien wie dem Vereinigten Königreich, der Türkei oder der Ukraine laufen über das NCTS (New Computerised Transit System), das den Transit noch nicht in den freien Verkehr überführter Waren steuert. Viele Logistik-ERPs binden eine zertifizierte Zollsoftware als Modul oder über eine Schnittstelle an, sodass Stamm- und Bewegungsdaten ohne Doppelerfassung direkt für ATLAS-Anmeldungen genutzt werden können. Speditionen ohne eigene Zollsoftware lagern die Abwicklung alternativ an spezialisierte Zollagenturen aus.

Welche EDI-Standards braucht ein Logistik-ERP für den Datenaustausch mit Verladern und Carriern?

Der zentrale internationale Standard im Transportwesen ist UN/EDIFACT, das von der UNECE getragen wird und für die Spedition mit der vom DSLV gepflegten Untermenge EDIFOR sowie spezifischen Nachrichtentypen ausdifferenziert ist. Besonders relevant ist die Nachricht IFTMIN, der elektronische Transport- beziehungsweise Speditionsauftrag, den der Verlader an den Logistikdienstleister übermittelt und auf dessen Basis Kapazitäten und Touren geplant werden. Über eine EDI-Anbindung im ERP lassen sich Aufträge, Lieferavise und Statusmeldungen mit Großkunden und Carriern automatisiert austauschen, was Doppelerfassung und Übertragungsfehler reduziert. Im Speditionsgeschäft gibt häufig der größere Partner das Datenformat vor, weshalb ein flexibles Mapping mehrerer Formate ein wichtiges Auswahlkriterium ist.

Wie unterstützt ein ERP die CO2-Bilanzierung von Sendungen?

Mit der CSRD-Berichtspflicht müssen große Verlader ihre transportbezogenen Scope-3-Emissionen ausweisen und verlangen dafür zunehmend belastbare Emissionsdaten von ihren Speditionen und Subunternehmern. Maßgeblicher Bezugsrahmen ist die im März 2023 veröffentlichte Norm ISO 14083, mit der das zuvor als De-facto-Standard genutzte GLEC-Framework des Smart Freight Centre inzwischen harmonisiert wurde. Moderne Logistik-ERPs und angebundene Carbon-Accounting-Tools ermitteln daraus den CO2-Fußabdruck pro Sendung, idealerweise gestützt auf telematikbasierte Primärdaten statt reiner Durchschnittswerte. Dienstleister ohne nachvollziehbare Emissionsberechnung riskieren mittelfristig, aus Ausschreibungen großer Auftraggeber herauszufallen.

Wie lange dauert die Einführung eines Logistik-ERP?

Im Logistik-Sektor dauern mittelständische ERP-Einführungen typischerweise 9 bis 18 Monate, während größere Multi-Site- und Konzernprojekte durchaus 30 bis 48 Monate beanspruchen können. Die Anbindung an Verlader-Systeme per EDI verlängert das Projekt erfahrungsgemäß um mehrere Monate pro angebundenem Großkunden, da Formate und Prozesse individuell abgestimmt werden müssen. Etwa 60 Prozent der Projektdauer entfallen auf Konzeption, Customizing und Datenmigration, die übrigen 40 Prozent auf Tests, Schulungen und den produktiven Roll-out. Eine strukturierte Vorgehensweise beschreibt unsere ERP-Implementierungs-Checkliste.