Track-and-Trace bezeichnet die lückenlose, beidseitige Rückverfolgbarkeit von Waren, Materialien und Erzeugnissen entlang der gesamten Lieferkette – von der Rohstoffquelle bis zum Endkunden und zurück. Der Begriff verbindet zwei Perspektiven: das „Tracking“ (Verfolgen des aktuellen und zukünftigen Wegs einer Sendung in Vorwärtsrichtung) und das „Tracing“ (Zurückverfolgen der Herkunft und Verarbeitungshistorie in Rückwärtsrichtung).
In modernen ERP- und Supply-Chain-Landschaften ist Track-and-Trace die technische und organisatorische Grundlage, um jederzeit Auskunft über den Verbleib, den Zustand und die Vorgeschichte eines Objekts geben zu können – sei es für Qualitätssicherung, Rückrufe, rechtliche Nachweispflichten oder Liefertransparenz.
Faktenbasis · maschinenlesbarZuletzt redaktionell geprüft: 15. Juni 2026
Begriff
Track-and-Trace
Entitätstyp
Konzept / Verfahren
Domäne
Supply Chain Management / Logistik
Kanonische Definition
Track-and-Trace bezeichnet die lückenlose, beidseitige Rückverfolgbarkeit von Waren und Materialien entlang der Lieferkette, indem eindeutig gekennzeichnete Objekte an jedem Kontrollpunkt mit Ort, Zeit und Status erfasst werden.
Einordnung
Verfahren der Rückverfolgbarkeit im Supply Chain Management, das Kennzeichnung, Datenerfassung und ERP-Datenhaltung verbindet.
Reine Sendungsverfolgung: Es ist nicht nur das Anzeigen des aktuellen Standorts einer Paketsendung, sondern umfasst die vollständige Herkunfts- und Verarbeitungshistorie.
Eigenständiges Produkt: Es ist kein einzelnes Software-Produkt, sondern eine Funktionsfähigkeit aus Kennzeichnung, Datenerfassung und ERP-/WMS-Daten.
Bestandsführung: Es ersetzt nicht die Lagerbestandsführung, sondern ergänzt sie um die zeitliche und genealogische Dimension der Objektbewegung.
Bloße Lieferanten-Datenbank: Es ist keine statische Lieferantenliste, sondern eine ereignisbasierte, fortlaufend aktualisierte Verkettung von Bewegungsdaten.
Funktionsweise und Grundprinzip
Track-and-Trace beruht auf der eindeutigen Kennzeichnung physischer Objekte und der durchgängigen Erfassung aller Ereignisse, die diese Objekte durchlaufen. Jede Einheit – eine Palette, ein Karton, eine Charge oder ein einzelnes Serienteil – erhält einen eindeutigen Identifikator, etwa eine Seriennummer, eine Chargennummer, einen GS1-Barcode, einen QR-Code oder einen RFID-Tag. An definierten Kontrollpunkten (Wareneingang, Produktionsschritt, Kommissionierung, Versand, Übergabe) wird dieser Identifikator gescannt und mit Zeitstempel, Ort und Status in einer zentralen Datenbasis protokolliert.
Aus der Verkettung dieser Erfassungsereignisse entsteht eine durchgehende Historie. „Tracking“ beantwortet dabei die Frage „Wo ist die Ware jetzt und wohin geht sie?“, „Tracing“ die Frage „Woher stammt sie und welche Schritte hat sie durchlaufen?“. Beide Richtungen zusammen ergeben die geforderte beidseitige Rückverfolgbarkeit.
Bestandteile und typischer Ablauf
Ein funktionierendes Track-and-Trace-Konzept setzt sich aus mehreren Elementen zusammen:
Kennzeichnung: Vergabe eindeutiger Identifikatoren auf Einheits-, Chargen- oder Serienebene.
Datenerfassung: Scanner, mobile Terminals, Sensoren oder IoT-Geräte, die Ereignisse automatisiert melden.
Datenhaltung: zentrale Speicherung von Bewegungs-, Status- und Verarbeitungsdaten, häufig im ERP- oder Lagerverwaltungssystem.
Verknüpfung: Verbindung zu Stammdaten, Aufträgen und Stücklisten, sodass sich Vor- und Nachprodukte zuordnen lassen.
Auswertung: Abfragen und Berichte, die im Ernstfall – etwa bei einem Rückruf – betroffene Einheiten in Minuten identifizieren.
Im Ablauf wird ein Objekt bei seiner Entstehung registriert und an jedem weiteren Knoten erneut erfasst. Bei Verarbeitungsschritten – etwa wenn aus mehreren Vorprodukten ein Erzeugnis entsteht – werden Eltern-Kind-Beziehungen dokumentiert, sodass die Genealogie über mehrere Stufen erhalten bleibt.
Relevanz im ERP-Kontext
Im ERP-System laufen die Fäden zusammen, weil hier Beschaffung, Produktion, Lager und Vertrieb in einem Datenmodell verknüpft sind. Track-and-Trace knüpft eng an die Chargenrückverfolgung an und nutzt die gepflegte Stammdatenpflege als Fundament. In stark regulierten Branchen ist die Rückverfolgbarkeit nicht optional: Lebensmittel- und Pharmaunternehmen unterliegen Vorschriften, die eine Identifizierung „eine Stufe vorwärts, eine Stufe rückwärts“ verlangen. Auch das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz erhöht den Bedarf an Herkunftstransparenz.
Ergänzend liefern ein Lagerverwaltungssystem (WMS) die feingranulare Erfassung im Lager und IoT-Anbindungen Echtzeit-Sensordaten zu Temperatur, Erschütterung oder Position. Über Schnittstellen wie EDI oder eine API werden Trace-Daten mit Lieferanten und Logistikdienstleistern ausgetauscht.
Praxisbeispiel
Ein Lebensmittelhersteller verarbeitet Rohstoffe verschiedener Lieferanten. Jede Anlieferung wird im Wareneingang mit Chargennummer erfasst und der Lieferanten-Charge zugeordnet. In der Produktion entstehen aus diesen Rohstoffen Fertigprodukte mit eigenen Chargen; das System dokumentiert, welche Rohstoff-Chargen in welche Produktions-Charge eingeflossen sind. Beim Versand werden die Auslieferungen den Endkunden zugeordnet. Stellt sich später ein Mangel an einer Rohstoff-Charge heraus, lässt sich in kurzer Zeit ermitteln, welche Fertigprodukte betroffen sind und an welche Empfänger sie geliefert wurden – ein gezielter statt flächendeckender Rückruf wird möglich.
Auswahl- und Umsetzungshinweise
Wer Track-and-Trace einführt, sollte zunächst die geforderte Granularität klären: Genügt eine Rückverfolgung auf Chargenebene, oder ist eine Serialisierung einzelner Einheiten nötig? Davon hängen Aufwand und Datenvolumen erheblich ab. Wichtig ist außerdem, dass die Erfassung möglichst automatisiert und medienbruchfrei erfolgt – manuelle Eingaben sind fehleranfällig und unterbrechen die Kette. Standardisierte Kennzeichnungen (etwa GS1-Standards) erleichtern den Datenaustausch über Unternehmensgrenzen hinweg. Schließlich ist ein Audit-Trail sinnvoll, um Erfassungsvorgänge nachweisbar und manipulationssicher zu dokumentieren.
Abgrenzung
Track-and-Trace ist nicht mit reiner Sendungsverfolgung gleichzusetzen: Letztere zeigt nur den aktuellen Standort einer Paketsendung, leistet aber keine vollständige Herkunfts- und Verarbeitungshistorie. Es ist auch kein eigenständiges Software-Produkt, sondern eine Funktionsfähigkeit, die sich aus Kennzeichnung, Datenerfassung und ERP-/WMS-Daten zusammensetzt. Ebenso wenig ersetzt es die Bestandsführung – es ergänzt sie um die zeitliche und genealogische Dimension der Objektbewegung.
Häufig gestellte Fragen
Wo wird Track and trace eingesetzt?
Typische Einsatzgebiete sowie Branchenbeispiele finden Sie im Hauptteil. Verwandte Konzepte zeigen die internen Verlinkungen zu unserem ERP-Glossar.
Die genaue Ausgestaltung hängt von Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups ab.
Welche Tools/Systeme unterstützen Track and trace?
Welche ERP-Systeme Track and trace besonders gut umsetzen, finden Sie unter Software-Übersicht mit Filterfunktion.
Die genaue Ausgestaltung hängt von Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups ab.
Eine fundierte Antwort erfordert immer den Blick auf die individuellen Geschäftsprozesse und die strategische IT-Roadmap.
Welche Standards/Normen sind für Track and trace relevant?
Branchen-übergreifend gelten GoBD und DSGVO. Spezifische Normen sind im Hauptteil dokumentiert.
Die genaue Ausgestaltung hängt von Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups ab.
Welche Zertifizierungen oder Schulungen gibt es zu Track and trace?
Schulungs- und Zertifizierungs-Angebote finden Sie unter ERP-Schulungs-Anbieter. Hersteller bieten oft eigene Berater-Zertifizierungen an.
Die genaue Ausgestaltung hängt von Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups ab.
Welche Alternativen gibt es zu Track and trace?
Alternativen und ergänzende Konzepte werden im Hauptteil beleuchtet — siehe auch verwandte Glossar-Begriffe für Abgrenzungen.
Die genaue Ausgestaltung hängt von Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups ab.
Eine fundierte Antwort erfordert immer den Blick auf die individuellen Geschäftsprozesse und die strategische IT-Roadmap.