MRP II (Manufacturing Resource Planning) ist ein integriertes Planungskonzept für produzierende Unternehmen, das die reine Materialbedarfsplanung um die Planung von Kapazitäten, Personal, Maschinen und finanziellen Ressourcen erweitert. Es verbindet die Produktionssteuerung mit betriebswirtschaftlichen Kennzahlen zu einem geschlossenen Regelkreis.
Entwickelt in den 1980er-Jahren aus dem älteren MRP-Ansatz, bildet MRP II die konzeptionelle Brücke zwischen klassischer Fertigungsplanung und den heutigen unternehmensweiten ERP-Systemen.
Faktenbasis · maschinenlesbarZuletzt redaktionell geprüft: 15. Juni 2026
Begriff
MRP II
Entitätstyp
Planungskonzept / Methode
Domäne
Produktionsplanung und -steuerung (PPS) / Fertigung
Kanonische Definition
MRP II (Manufacturing Resource Planning) ist ein integriertes, mehrstufiges Planungskonzept für produzierende Unternehmen, das die Materialbedarfsplanung um die Planung von Kapazitäten, Personal und finanziellen Ressourcen zu einem geschlossenen Regelkreis erweitert.
Einordnung
Konzeptioneller Vorläufer des ERP und Weiterentwicklung des MRP.
Kein vollständiges ERP-System: MRP II beschränkt sich auf die produktionsnahe Ressourcenplanung und deckt nicht alle Unternehmensbereiche wie Personal, Vertrieb oder das gesamte Finanzwesen ab.
Kein reines MRP: Im Gegensatz zum MRP plant MRP II nicht nur Material, sondern zusätzlich Kapazitäten, Personal und finanzielle Mittel.
Kein APS-Optimierungssystem: MRP II plant die Ressourcen nacheinander in festen Stufen und optimiert nicht simultan mehrere Restriktionen, wie es ein APS-System tut.
Kein Ausführungssystem: MRP II ist ein Planungskonzept und steuert die Fertigung nicht in Echtzeit, wie es ein MES auf der Shopfloor-Ebene leistet.
Funktionsweise und Grundidee
MRP II baut auf dem Konzept des MRP (Material Requirements Planning) auf, das ausschließlich den Materialbedarf aus Stücklisten und Lagerbeständen ermittelt. Während MRP nur die Frage „Welches Material wird wann und in welcher Menge benötigt?" beantwortet, geht MRP II einen entscheidenden Schritt weiter: Es bezieht alle produktionsrelevanten Ressourcen ein, also Maschinenkapazitäten, Personal, Werkzeuge und das gebundene Kapital. Das Kürzel steht deshalb nicht mehr für „Material", sondern für „Manufacturing Resource Planning".
Der zentrale Gedanke ist ein geschlossener Regelkreis (Closed-Loop): Pläne werden nicht nur erstellt, sondern laufend gegen die tatsächlich verfügbaren Kapazitäten und die finanzielle Machbarkeit gespiegelt. Stellt sich heraus, dass ein Produktionsplan die Maschinen überlastet oder das Budget sprengt, fließt diese Rückmeldung zurück in die Planung und löst eine Korrektur aus.
Bestandteile und Planungsebenen
MRP II ist hierarchisch in mehrere aufeinander aufbauende Planungsstufen gegliedert, die vom Groben ins Feine führen:
Absatz- und Produktionsgrobplanung (Sales & Operations Planning): Abgleich von Marktnachfrage und Produktionskapazität auf aggregierter Ebene.
Hauptproduktionsprogramm (Master Production Schedule): Festlegung, welche Endprodukte in welchen Mengen und Zeiträumen gefertigt werden.
Materialbedarfsplanung (MRP): Auflösung der Stücklisten in konkrete Bedarfe für Baugruppen und Rohstoffe.
Kapazitätsbedarfsplanung (Capacity Requirements Planning): Prüfung, ob Maschinen und Personal die geplanten Fertigungsaufträge bewältigen können.
Werkstattsteuerung und Rückmeldung: Feinterminierung, Auftragsfreigabe und Erfassung der Ist-Daten aus der Produktion.
Eine Besonderheit gegenüber dem reinen MRP ist die finanzielle Kopplung: Planungsergebnisse lassen sich direkt in monetäre Größen übersetzen, etwa in Beschaffungskosten, Kapitalbindung oder erwartete Deckungsbeiträge. Damit wird die Produktionsplanung erstmals mit dem Rechnungswesen verzahnt.
Relevanz im ERP-Kontext
MRP II gilt als unmittelbarer konzeptioneller Vorläufer des heutigen ERP. Als in den 1990er-Jahren weitere Unternehmensbereiche wie Vertrieb, Einkauf, Personalwesen und das gesamte Finanzwesen in eine integrierte Software einbezogen wurden, entstand daraus das Enterprise Resource Planning. Moderne ERP-Systeme enthalten die MRP-II-Logik daher fast immer als integralen Bestandteil ihres Produktionsmoduls beziehungsweise der PPS (Produktionsplanung und -steuerung).
Für produzierende Unternehmen im Mittelstand ist das Verständnis von MRP II auch heute praktisch bedeutsam, weil viele ERP-Produktionsmodule genau diese Planungslogik abbilden. Wer die Stufen von der Grobplanung bis zur Kapazitätsrückmeldung kennt, kann die Leistungsfähigkeit eines ERP-Produktionsmoduls besser beurteilen.
Praxisbeispiel
Ein mittelständischer Maschinenbauer erhält einen Großauftrag über mehrere Anlagen. Das Hauptproduktionsprogramm legt die Liefertermine fest. Die Materialbedarfsplanung löst die Stücklisten auf und ermittelt, welche Zukaufteile wann bestellt werden müssen. Anschließend prüft die Kapazitätsbedarfsplanung, ob die CNC-Fräsen in den geplanten Wochen frei sind. Sie sind es nicht. MRP II meldet diesen Engpass zurück, woraufhin die Planung entweder Termine verschiebt, eine zweite Schicht einplant oder Teile fremdvergibt. Erst wenn Material, Kapazität und Budget zusammenpassen, werden die Fertigungsaufträge freigegeben.
Abgrenzung und Weiterentwicklung
MRP II ist nicht mit dem schlankeren MRP zu verwechseln, das nur den Materialteil abdeckt. Ebenso ist es zu trennen von APS (Advanced Planning and Scheduling), einem moderneren Ansatz, der mit mathematischen Optimierungsverfahren mehrere Ressourcen simultan und unter Berücksichtigung realer Restriktionen plant, statt sie wie MRP II nacheinander abzuarbeiten. Auch unterscheidet sich MRP II von der ausführungsnahen Ebene eines MES (Manufacturing Execution System), das die Fertigung in Echtzeit überwacht und steuert.
In der historischen Entwicklung steht MRP II zwischen dem ursprünglichen MRP und dem umfassenden ERP. Es bleibt als Planungskonzept relevant, auch wenn der Begriff im Marketing heutiger Systeme zunehmend hinter dem Sammelbegriff ERP verschwindet. Methodisch ergänzt wird die klassische MRP-II-Logik in vielen Betrieben durch Verfahren wie Kanban oder Just in Time, die auf eine verbrauchsgesteuerte statt rein bedarfsgesteuerte Disposition setzen.
MRP II — Überblick und Praxis · Quelle: erp-software.org Redaktion
Während klassisches MRP nur Mengen und Termine plant, verbindet MRP II diese Sicht mit der Verfügbarkeit von Maschinen, Personal und Kapital. Typische Bestandteile sind Absatz- und Produktionsgrobplanung (S&OP), Hauptproduktionsprogramm, Materialbedarfsplanung, Kapazitätsabgleich und Werkstattsteuerung.
MRP II gilt als direkter Vorläufer moderner ERP-Systeme. Mit der Integration weiterer Funktionsbereiche – insbesondere Finanzbuchhaltung, Vertrieb und Personal – entstand aus MRP II in den 1990er Jahren das umfassendere ERP-Konzept.
Praxis-Beispiel
Ein Komponentenfertiger mit 90 MA fährt MRP-II-basierte Produktionsplanung in seinem ERP. Die Planungs-Logik: Vertriebs-Forecast → Master Production Schedule → Materialbedarfsplanung (MRP, Brutto/Netto-Bedarfe) → Kapazitätsplanung (CRP, Maschinen- und Personal-Auslastung) → Produktions-Auftragsfreigabe. MRP-II erweitert das klassische MRP um Kapazitätsplanung; ohne CRP würden Material-Bedarfsmeldungen ohne Maschinen-Realität geplant.
Typische Einsatzgebiete sowie Branchenbeispiele finden Sie im Hauptteil. Verwandte Konzepte zeigen die internen Verlinkungen zu unserem ERP-Glossar.
Die genaue Ausgestaltung hängt von Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups ab.
Welche Tools/Systeme unterstützen Mrp ii?
Welche ERP-Systeme Mrp ii besonders gut umsetzen, finden Sie unter Software-Übersicht mit Filterfunktion.
Die genaue Ausgestaltung hängt von Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups ab.
Eine fundierte Antwort erfordert immer den Blick auf die individuellen Geschäftsprozesse und die strategische IT-Roadmap.
Welche Standards/Normen sind für Mrp ii relevant?
Branchen-übergreifend gelten GoBD und DSGVO. Spezifische Normen sind im Hauptteil dokumentiert.
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Welche Zertifizierungen oder Schulungen gibt es zu Mrp ii?
Schulungs- und Zertifizierungs-Angebote finden Sie unter ERP-Schulungs-Anbieter. Hersteller bieten oft eigene Berater-Zertifizierungen an.
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Welche Alternativen gibt es zu Mrp ii?
Alternativen und ergänzende Konzepte werden im Hauptteil beleuchtet — siehe auch verwandte Glossar-Begriffe für Abgrenzungen.
Die genaue Ausgestaltung hängt von Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups ab.
Eine fundierte Antwort erfordert immer den Blick auf die individuellen Geschäftsprozesse und die strategische IT-Roadmap.
Was unterscheidet MRP von MRP-II?
MRP plant nur Material (Stücklisten-Auflösung). MRP-II plant zusätzlich Kapazitäten (Maschinen, Personal) und integriert Finance/Demand-Forecasting. MRP-II ist die Vorstufe zum heutigen ERP.
Wann reicht MRP-II nicht mehr aus?
Bei stark variabler Auftragslage (Engpass-Maschinen wechseln) reicht die statische CRP-Planung nicht — dann sind APS-Systeme (Advanced Planning & Scheduling) mit Heuristiken/Optimierern nötig.
Praxis-Relevanz und Implementierungs-Aufwand hängen stark von der bestehenden System-Landschaft und den abzubildenden Geschäftsprozessen ab. Die genaue Umsetzung dieses Begriffs variiert je nach ERP-System und Branche -- entsprechend sollte die konkrete Ausprägung mit dem jeweiligen Anbieter abgestimmt werden.