CAM (Computer-Aided Manufacturing, computergestützte Fertigung) bezeichnet Software-Systeme, die aus CAD-Konstruktionsdaten direkt Steuerungsprogramme für Werkzeugmaschinen, CNC-Fräsen, 3D-Drucker oder Roboter generieren. CAM-Systeme schließen die Lücke zwischen Produktdesign (CAD) und der physischen Produktion und sind heute Standardwerkzeug in der diskreten Fertigung — vom Werkzeugbau über den Maschinenbau bis zur Luft- und Raumfahrt.
Was macht CAM-Software konkret?
CAM-Software übernimmt 3D-Geometriedaten aus dem CAD-System und erzeugt daraus die Bewegungs-Bahnen (NC-Code, meist im G-Code-Format), die eine Werkzeugmaschine ausführen kann. Typische Schritte:
Werkzeugauswahl: Welcher Fräser, Bohrer oder Drehmeißel passt zum Material und zur Geometrie?
Simulation: Materialabtrag virtuell durchspielen, Kollisionen mit Spannvorrichtungen prüfen
Postprozessor: Generischer NC-Code wird auf die Steuerungs-Variante der konkreten Maschine (Siemens, Heidenhain, Fanuc) übersetzt
CAM und ERP – Wo ist die Schnittstelle?
CAM-Systeme leben typisch im Engineering- oder Fertigungs-Umfeld und sind selten direkt mit dem ERP-System verbunden. Die Brücke schlägt meist ein PPS- oder MES-System. Trotzdem fließen wichtige Daten:
Arbeitsplan-Generierung: Aus dem CAM-Programm ergeben sich Vorgabezeiten pro Operation — diese werden in den ERP-Arbeitsplan übernommen
Werkzeugbedarf: CAM löst Werkzeug-Reservierungen aus, die im ERP-Lagermodul abgebildet werden
Rückmeldung: Tatsächliche Bearbeitungszeiten aus der Maschinen-Steuerung kommen über das MES zurück ins ERP zur Nachkalkulation
Im Mittelstand wird die Integration oft über CSV-Exports oder OData-Schnittstellen realisiert; größere Setups nutzen PLM-Systeme als zentrale Drehscheibe.
Abgrenzung: CAM vs. CAD vs. CAE
Die drei "CA-Begriffe" bilden gemeinsam die Engineering-Werkzeugkette:
CAD (Computer-Aided Design): Geometrie konstruieren — was soll gebaut werden?
CAE (Computer-Aided Engineering): Geometrie analysieren — hält das Bauteil die Last aus?
CAM (Computer-Aided Manufacturing): Geometrie fertigen — wie wird es produziert?
Moderne Suiten wie Siemens NX, Dassault CATIA oder PTC Creo bieten alle drei Bereiche aus einer Hand und vermeiden damit Daten-Konvertierungs-Verluste.
Bekannte CAM-Systeme
Siemens NX CAM – Premium-Lösung mit starker Integration in NX CAD
Mastercam – Marktführer im US-amerikanischen Maschinenbau-Mittelstand
hyperMILL (OPEN MIND) – DACH-starker Anbieter mit Fokus auf 5-Achs-Bearbeitung
SolidCAM – beliebt als Add-On für SolidWorks
Fusion 360 (Autodesk) – Cloud-basierte Einsteiger-Variante mit CAM-Modul
CAM steht für Computer-Aided Manufacturing — also computergestützte Fertigung. Konkret meint man damit Software, die aus 3D-CAD-Daten direkt das NC-Steuerungsprogramm für Werkzeugmaschinen erzeugt.
Was ist der Unterschied zwischen CAD und CAM?
CAD beschreibt das WAS — die geometrische Form des Bauteils. CAM beschreibt das WIE — den konkreten Fertigungsprozess inklusive Werkzeugwahl, Schnittparametern und Bahnplanung.
Wird CAM in ein ERP-System integriert?
Nicht direkt. Die Brücke zwischen CAM und ERP bildet meist ein PPS- oder MES-System. Übertragen werden Arbeitspläne, Vorgabezeiten und Werkzeug-Bedarfe ins ERP, sowie Ist-Zeiten aus der Produktion zurück zur Nachkalkulation.
Welche CAM-Systeme sind in DACH besonders verbreitet?
Im DACH-Mittelstand sind Siemens NX CAM, hyperMILL von OPEN MIND und SolidCAM die häufigsten Lösungen. Im Formenbau ist zusätzlich WorkNC stark vertreten.
Kann CAM-Software auch für 3D-Druck genutzt werden?
Ja — moderne CAM-Suiten wie Fusion 360 unterstützen sowohl subtraktive (Fräsen, Drehen) als auch additive Fertigung (3D-Druck). Der Output ist dann statt G-Code typisch G-Code für FDM/SLA-Drucker oder STL-Slicer-Daten.