Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einem Warenwirtschaftssystem und einem ERP-System?
Ein Warenwirtschaftssystem (kurz WaWi oder WWS) steuert vor allem die Warenströme eines Unternehmens, also Einkauf, Lagerbestand, Verkauf sowie Waren ein- und ausgang, und stellt sicher, dass die richtigen Artikel in der richtigen Menge zur richtigen Zeit verfügbar sind. Ein ERP-System (Enterprise Resource Planning) ist dagegen breiter angelegt und verbindet darüber hinaus Bereiche wie Finanzbuchhaltung, Personalwesen, Produktion und Controlling auf einer gemeinsamen Datenbasis. Viele Anbieter wie JTL, Sage oder Pixi bieten ihre Lösungen modular an, sodass sich eine Warenwirtschaft schrittweise zu einem vollwertigen ERP ausbauen lässt. Für reine Handels- und Onlinehandelsbetriebe reicht häufig eine WaWi aus, während wachsende oder produzierende Unternehmen meist von einem ERP profitieren.
Welche Warenwirtschaftssysteme gibt es kostenlos oder als Open Source?
Mehrere Anbieter stellen dauerhaft kostenlose Einstiegsversionen bereit, etwa JTL-Wawi in der Start-Edition oder die kostenlose Basisversion von VARIO, die im Funktionsumfang oder bei Nutzerzahl und Belegmenge gegenüber den Bezahlpaketen eingeschränkt sind. Daneben existieren echte Open-Source-Lösungen wie DEWAWI, OpenZ oder Odoo, deren Quellcode frei zugänglich und anpassbar ist und die teils kostenlos, teils mit kostenpflichtigem Support genutzt werden. Bei kostenlosen Versionen sollte man genau prüfen, welche Schnittstellen, Module oder Nutzerzahlen enthalten sind, da diese oft die entscheidenden Funktionen betreffen. Open-Source-Software senkt zwar die Lizenzkosten, verlagert den Aufwand aber häufig auf Einrichtung, Hosting und Wartung im eigenen Haus.
Was ist in der kostenlosen JTL-Wawi enthalten und wo liegen die Grenzen?
JTL-Wawi steht in der Start-Edition dauerhaft kostenlos als lokale Installation zum Download bereit und deckt die zentralen Warenwirtschaftsfunktionen wie Artikel-, Bestands- und Auftragsverwaltung ab. Für strukturierte Daten-Importe und -Exporte über CSV-Vorlagen steht das Tool JTL-Ameise bereit, etwa für Artikel, Bestände, Kunden oder Lieferanten. Die kostenfreie Start-Edition ist allerdings begrenzt: Lokale Shop-Connectoren zu Drittanbieter-Shops wie WooCommerce oder PrestaShop sowie die erweiterte App-Nutzung sind seit 2026 den kostenpflichtigen Editionen ab JTL Advanced vorbehalten. Wer mehrere Verkaufskanäle, zusätzliche Nutzer oder professionellen Support benötigt, wechselt daher in der Regel in ein Bezahlpaket.
Welches Warenwirtschaftssystem eignet sich für den Onlinehandel mit mehreren Verkaufskanälen?
Für den Multichannel-Handel sind Systeme sinnvoll, die Onlineshops und Marktplätze wie Amazon, eBay, Kaufland oder Otto zentral anbinden und Bestände sowie Bestellungen automatisch synchronisieren. JTL-Wawi, VARIO und Pixi gelten als typische Vertreter mit zahlreichen Schnittstellen zu Shopsystemen wie Shopware, Magento, WooCommerce oder Shopify. Eine zentrale Datenhaltung verhindert Überverkäufe, weil Lagerbestände über alle Kanäle hinweg abgeglichen werden. Bei der Auswahl sollte man prüfen, ob die benötigten Marktplatz- und Payment-Anbindungen bereits enthalten oder als kostenpflichtige Zusatzmodule hinzuzubuchen sind.
Muss ein Warenwirtschaftssystem 2026 die E-Rechnungspflicht unterstützen?
Seit dem 1. Januar 2025 müssen alle inländischen Unternehmen im B2B-Bereich elektronische Rechnungen in einem strukturierten Format empfangen und verarbeiten können; für den Empfang gilt keine Übergangsfrist. Beim Versand bestehen gestaffelte Übergangsregelungen: Ab dem 1. Januar 2027 müssen Unternehmen mit mehr als 800.000 Euro Vorjahresumsatz E-Rechnungen versenden, ab dem 1. Januar 2028 gilt die Versandpflicht dann für alle inländischen B2B-Unternehmen. Die maßgeblichen Formate sind XRechnung und ZUGFeRD, die der europäischen Norm EN 16931 entsprechen. Beim Anbietervergleich sollte man daher darauf achten, dass das Warenwirtschaftssystem diese Formate sowie Schnittstellen wie DATEV unterstützt.
Wie wähle ich den passenden Warenwirtschafts-Anbieter aus?
Die Wahl hängt vor allem von Unternehmensgröße, Budget, Branche und den konkreten Funktionswünschen ab, etwa der Anbindung von Shops, Kassensystemen oder der Buchhaltung. Lösungen wie JTL oder Lexware richten sich eher an kleine und mittelständische Betriebe, während Pixi auf größere Onlinehändler mit hohem Bestellaufkommen zielt und Selectline oder Sage durch ihren modularen Aufbau mitwachsen. Sinnvoll ist es, vor der Entscheidung die benötigten Anforderungen schriftlich festzuhalten und die Software über kostenlose Test- oder Demoversionen praktisch zu prüfen. Da viele Systeme branchenunabhängig sind, geben am Ende oft die Schnittstellen, die laufenden Kosten und die Skalierbarkeit den Ausschlag.

