APS (Advanced Planning and Scheduling) bezeichnet eine Klasse von Planungssystemen für die mehrstufige Produktions- und Lieferkettenplanung. APS-Systeme arbeiten mit Optimierungs- und Simulations-Algorithmen und ergänzen klassische ERP- und PPS-Funktionalitäten dort, wo regelbasierte Disposition an ihre Grenzen kommt.
Funktionen eines APS
Typische Module eines APS umfassen Bedarfsplanung (Demand Planning), Master Planning (Vertriebs-, Produktions- und Beschaffungs-Planung), Materialplanung, Feinplanung und Auftragsfreigabe. Im Unterschied zu MRP arbeitet APS mit endlicher Kapazität und kann Engpässe optimieren.
Bekannte APS-Anbieter
Im DACH-Markt bekannt sind SAP IBP, OMP Plus, Kinaxis Maestro, o9 Solutions, FELTEN PILOT, Felss APS, Asprova und preactor. Viele Maschinenbau-ERPs wie proALPHA bringen APS-Module nativ mit.
Abgrenzung zu ERP, MRP und MES
ERP übernimmt Stamm- und Belegdaten, MRP klassische Mengenplanung, MES die Werkstattsteuerung. APS sitzt zwischen ERP und MES und optimiert die Reihenfolge unter Berücksichtigung von Maschinenkapazitäten, Schichtmodellen und Materialverfügbarkeit.
Praxis-Beispiel
Ein Spritzguss-Hersteller mit 12 Maschinen plant die Auftragsreihenfolge mit einem APS-System (Advanced Planning & Scheduling): das Tool berücksichtigt Werkzeug-Verfügbarkeit, Rüstzeit-Optimierung, Material-Verfügbarkeit und Liefertermine simultan. Klassisches MRP plant nur Material — APS plant zusätzlich Maschinen-Kapazitäten und Sequenzen. Bekannte APS-Tools: Asprova, Ortems, FELIOS, Wassermann SAP-IBP. Investition typisch 80.000-400.000 €, ROI durch 15-30 % Auslastungs-Verbesserung.
Wo liegt der Unterschied zwischen APS und PPS? PPS plant grob nach Wochen oder Schichten. APS optimiert minutengenau und berücksichtigt Engpässe (Maschinen, Personal, Material) gleichzeitig — basierend auf mathematischer Optimierung. Brauche ich APS bei einfachen Fertigungs-Strukturen? Bei wenigen Maschinen und langen Auftragslaufzeiten reicht meist PPS. APS lohnt sich ab ~10 Maschinen, kurzen Aufträgen und hohem Rüst-Aufwand.
Bei komplexen Engineer-to-Order- oder Variantenfertigern mit mehreren Engpässen ja. Bei einfacher Serienfertigung reicht oft die ERP-eigene Disposition.
In der Praxis variiert die genaue Ausgestaltung je nach Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups.
Was kostet ein APS?
Mittelstand: 80.000–300.000 EUR Lizenz, 60.000–200.000 EUR Implementierung. Cloud-Subscriptions ab 50 EUR pro User pro Monat.
Lizenzgebühren machen typisch nur 25-35 % der Gesamtprojektkosten aus, die restlichen 65-75 % entstehen für Implementation, Customizing, Schulung und Datenmigration.