FinancialForce / Certinia – Salesforce-natives Cloud-ERP für Service-Unternehmen
FinancialForce, seit Mai 2023 unter dem Markennamen Certinia firmierend, ist ein Cloud-ERP, das vollständig auf der Salesforce-Plattform aufsetzt. Damit unterscheidet sich Certinia grundlegend von klassischen ERP-Systemen: Kundendaten, Vertriebsdaten, Servicefälle und ERP-Kerndaten wie Aufträge, Projekte und Finanzen liegen in einem einheitlichen Datenmodell. Adressiert werden insbesondere serviceorientierte Unternehmen wie Beratungen, Softwareanbieter, Agenturen, professionelle Dienstleister und größere SaaS-Unternehmen, die ihre gesamte Wertschöpfung – von der Akquise bis zur Rechnung und zum Customer Success – durchgängig auf der Salesforce-Plattform abbilden möchten.
Hersteller und Hintergrund
FinancialForce.com Inc. wurde 2009 gegründet, ursprünglich als Joint Venture zwischen UNIT4 und Salesforce. Hauptsitz war San Jose, Kalifornien. Am 3. Mai 2023 erfolgte die Umbenennung in Certinia, um die Erweiterung des Portfolios über reine Finanzfunktionen hinaus auf eine umfassende „Services-as-a-Business“-Plattform zu spiegeln. Certinia bündelt heute Lösungen für Financial Management, Professional Services Automation (PSA), Customer Success Management, Subscription- und Usage-Billing sowie Procurement. Die Plattform ist ausschließlich Cloud-basiert und nahtlos in Salesforce eingebettet.
Funktionsumfang von FinancialForce/Certinia
Im Mittelpunkt steht eine komplette Cloud-ERP-Suite: Hauptbuchhaltung, Debitoren- und Kreditorenbuchhaltung, Anlagenbuchhaltung, Cash- und Bankenmanagement, Konsolidierung sowie Berichtswesen. Ergänzt wird das Ganze um eine starke Professional-Services-Automation: Projektplanung, Ressourcenmanagement, Zeit- und Spesenerfassung, Projektabrechnung sowie Margenanalyse. Die Subscription- und Usage-Billing-Funktionen sind speziell für moderne Geschäftsmodelle ausgelegt – etwa für SaaS, Cloud-Services oder hybride Lizenz-/Service-Modelle. Über das gemeinsame Salesforce-Datenmodell entstehen dabei integrierte Abläufe von der Pipeline-Forecast bis zum revenue-recognition-konformen Buchungsprozess.
Architektur und Cloud-Modell
Certinia ist 100 % auf der Salesforce-Plattform gebaut. Daraus ergeben sich mehrere Eigenschaften: Es existiert ein einheitliches Datenmodell für CRM, Service und ERP, eine konsistente Sicherheits- und Berechtigungsstruktur (Salesforce-Profile, Rollen, Sharing Rules) sowie eine durchgängige Benutzererfahrung für alle, die Salesforce bereits kennen. Es gibt keine Middleware zwischen CRM und ERP – die Plattform übernimmt diese Aufgabe selbst. Salesforce-eigene KI-Funktionen wie Einstein lassen sich direkt auf ERP-Daten anwenden, was Certinia zu einer der konsequentesten cloud-nativen ERP-Lösungen am Markt macht. Über die AppExchange können tausende Salesforce-native Add-ons hinzugebucht werden.
Branchen und typische Einsatzgebiete
Zielgruppe sind serviceorientierte Unternehmen aus den Bereichen IT-Beratung, Software, Telekommunikation, Medien, professionelle Dienstleistungen, Engineering-Services und Systemintegration. Auch ERP für Dienstleister ist eine typische Kategorie, in die Certinia passt. Klassische Industrie-Branchen mit ausgeprägter Produktion oder komplexer Supply Chain – etwa Maschinenbau oder Lebensmittelindustrie – sind eher untypisch für Certinia, weil dort tiefere Branchenfunktionalität anderer ERP-Plattformen gefragt ist. In Service-zentrierten Konzernen kann Certinia hingegen das gesamte Front- bis Backoffice abdecken.
Vergleich und Marktposition
Certinia steht im Wettbewerb mit Cloud-ERP-Anbietern wie Oracle NetSuite, Sage Intacct, Workday Financial Management, Microsoft Dynamics 365 Finance & Operations sowie mit spezialisierten PSA-Lösungen wie Kantata, Planview AdaptiveWork oder Mavenlink. Die zentrale Differenzierung liegt im 100%igen Salesforce-Native-Charakter: Wer Salesforce als unternehmensweite Plattform versteht und alle Geschäftsprozesse darauf abbilden möchte, findet in Certinia das passende ERP-Backend. In klassischen ERP-Vergleichen wird Certinia daher häufig nicht in einem Atemzug mit produzierenden Mittelstands-ERPs genannt, sondern als spezialisierte cloud-native Plattform für Service-Geschäftsmodelle positioniert.
Implementierung und Partnerlandschaft
Certinia wird typischerweise gemeinsam mit Salesforce-Partnern implementiert. Es gibt ein Partnernetzwerk aus globalen Systemintegratoren, mittelgroßen Salesforce-Spezialisten sowie branchenspezialisierten Beratern. Implementierungen sind erfahrungsgemäß enger an Salesforce-Methodik gekoppelt: Anforderungen werden in User Stories beschrieben, Konfigurationen erfolgen weitgehend deklarativ, Customizing über Salesforce-eigene Werkzeuge wie Flow, Apex und Lightning Web Components. Externe Auswahlbegleitungen helfen, das richtige Partnermodell und das passende Lizenzpaket zu wählen.
Sicherheit, Datenschutz und Compliance
Da Certinia auf Salesforce aufsetzt, profitieren Anwender von der Zertifizierungslandschaft der Salesforce-Plattform inklusive ISO 27001/27018, SOC 1/2/3 sowie regionalen Standards. Für europäische Anwender ist insbesondere die Auswahl der Datenresidenz wichtig; Salesforce bietet hierfür Optionen wie EU-Rechenzentren oder die Hyperforce-Architektur an. Hinsichtlich DSGVO und GoBD sollten deutsche Anwender vorab klären, welche zusätzlichen lokalen Anforderungen – z. B. an Buchungslogiken, Audit-Trails und Steuerthemen – durch Certinia oder ergänzende Add-ons abgedeckt werden.
Schnittstellen, Integration und Reporting
Da Certinia und Salesforce dasselbe Datenmodell teilen, entfallen klassische Integrationsaufgaben zwischen CRM und ERP fast vollständig. Für externe Systeme (z. B. Banken, Steuer- und Reporting-Tools, Personalsysteme oder klassische Buchhaltungs-Zusatzlösungen) stehen Standard-APIs, Middleware wie MuleSoft sowie zahlreiche AppExchange-Konnektoren zur Verfügung. Reporting und Analytics werden über Salesforce-Reports, Dashboards und Tableau abgebildet. In Konzernstrukturen lässt sich Certinia mit weiteren ERP- oder Finanzsystemen koppeln, etwa über eine DATEV-Schnittstelle oder spezifische Konsolidierungslösungen.
Innovation, Roadmap und Fazit
Certinia investiert stark in KI-getriebene Automatisierung – etwa in Forecasting, Margenanalyse, Risikoerkennung und Customer Success Management. Mit der Anbindung an Salesforce Einstein und Data Cloud entstehen neue Möglichkeiten, ERP-, CRM- und Servicedaten gemeinsam auszuwerten. Für serviceorientierte Unternehmen, die die Salesforce-Plattform als strategisches Rückgrat ihrer Digitalisierung einsetzen, ist Certinia eine der profiliertesten ERP-Optionen am Markt. Wer dagegen einen klassischen Industrie-ERP für Fertigung, Lager und Supply Chain sucht, findet in Enterprise-ERPs wie SAP S/4HANA, Microsoft Dynamics 365 oder Oracle Fusion Cloud passendere Alternativen. Für Service-Unternehmen ist Certinia hingegen eine logische Wahl: ERP, CRM und Customer Success in einem einzigen, cloud-nativen System auf der Salesforce-Plattform.
Preise und Kostenrahmen für FinancialForce (heute Certinia)
Realistische Kostenbandbreiten in der Kategorie Cloud Native für ein typisches Mittelstands-Setup mit 50 Anwendern. Konkrete Preise sind beim Anbieter direkt zu erfragen.
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Häufig gestellte Fragen
Welche Module bietet FinancialForce / Certinia?
Typischerweise umfasst FinancialForce / Certinia Module für Finanzbuchhaltung, Auftragswesen, Lager, Einkauf und Stammdaten. Branchenspezifische Erweiterungen (PPS, CRM, DMS) sind oft optional — den genauen Funktionsumfang zeigt das Anbieterprofil oben.
Die genaue Ausgestaltung hängt von Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups ab.
Welche Hardware-Anforderungen hat FinancialForce / Certinia?
Bei Cloud-Bereitstellung reichen moderne Browser. Für On-Premise-Installationen variieren Server-Anforderungen je nach Anwenderzahl und Belegvolumen — der Hersteller stellt detaillierte System-Anforderungen bereit, oft mit empfohlenen Konfigurationen für 25, 50, 100 oder 250 Anwender.
Die genaue Ausgestaltung hängt von Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups ab.
Wie funktioniert die Datenmigration von einem alten ERP zu FinancialForce / Certinia?
Datenmigration läuft typisch in 3 Phasen: Mapping (alt vs neu Datenmodell), Bereinigung (Duplikate, Stammdaten-Qualität), Test-Migration mit Validierung. Spezialisierte Migrations-Dienstleister: ERP-Integrations-Anbieter.
Die genaue Ausgestaltung hängt von Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups ab.
Wie teuer ist die jährliche Wartung bei FinancialForce / Certinia?
On-Premise-Wartung liegt typisch bei 18–22% der Lizenzkosten p.a. (umfasst Updates, Hotfixes, Telefon-Support). Cloud-ERPs haben Wartung im Subscription-Preis enthalten — kein separater Wartungsvertrag.
Welche bekannten Referenzkunden hat FinancialForce / Certinia?
Referenzkunden listet der Hersteller meist auf der eigenen Webseite — bei spezialisierten Branchen-ERPs sind 10–50 Vorzeige-Kunden gut bekannt. Branchen-spezifische Referenzen sollten vor der Auswahl konkret angefragt werden.
Die genaue Ausgestaltung hängt von Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups ab.