Zum Inhalt springen

Häufig gestellte Fragen

Welche AfA-Methode ist in der Anlagenbuchhaltung Standard?

In Deutschland ist die lineare Abschreibung der Regelfall: Die Anschaffungskosten werden gleichmäßig über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer laut amtlicher AfA-Tabelle verteilt. Die degressive AfA war steuerlich zeitweise ausgesetzt, ist durch das sogenannte Investitionssofortprogramm (Wachstumsbooster) jedoch für bewegliche Wirtschaftsgüter wieder zugelassen, die nach dem 30. Juni 2025 und vor dem 1. Januar 2028 angeschafft werden, mit bis zu 30 Prozent jährlich beziehungsweise höchstens dem Dreifachen des linearen Satzes. Daneben ist für bestimmte Anlagen die Leistungsabschreibung nach tatsächlicher Nutzung möglich. Welche Methode im konkreten ERP-Setup hinterlegt wird, hängt von Branche, Anlageklasse und der gewünschten parallelen Handels- und Steuerbewertung ab.

Brauche ich eine IFRS-fähige Anlagenbuchhaltung?

Eine IFRS-Bewertung ist verpflichtend für kapitalmarktorientierte Mutterunternehmen, die einen Konzernabschluss aufstellen, während rein national bilanzierende Mittelständler in der Regel nach HGB ausreichend bedient sind. Tochtergesellschaften internationaler Konzerne benötigen häufig parallele Wertansätze, weil das IFRS-Reporting für den Konzern und der HGB-Einzelabschluss gleichzeitig erfüllt werden müssen. IFRS verlangt zudem für wesentliche Anlagen eine komponentenweise Abschreibung und lässt für einzelne Anlageklassen das Neubewertungsmodell zu, was HGB so nicht kennt. Ob ein ERP IFRS abdecken muss, sollte daher vor der Systemauswahl anhand der Berichtspflichten und der Konzernstruktur geklärt werden.

Wie behandelt die Anlagenbuchhaltung geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG)?

Geringwertige Wirtschaftsgüter werden nicht über die Nutzungsdauer abgeschrieben, sondern nach vereinfachten Regeln behandelt, deren Wertgrenzen seit 2018 unverändert gelten. Anschaffungskosten bis 250 Euro netto können sofort als Aufwand gebucht werden; bei 250,01 bis 800 Euro besteht ein Wahlrecht zwischen Sofortabschreibung nach Paragraf 6 Absatz 2 EStG und der Aufnahme in einen Sammelposten. Der Sammelposten (Poolabschreibung) nach Paragraf 6 Absatz 2a EStG steht für Güter von 250,01 bis 1.000 Euro offen und wird einheitlich über fünf Jahre aufgelöst. In der Anlagenbuchhaltung eines ERP werden GWG meist über eigene Anlageklassen oder eine GWG-Automatik gesteuert, damit die gewählte Methode konsistent gebucht und dokumentiert wird.

Welche Nutzungsdauer gilt für Computer und Software in der Anlagenbuchhaltung?

Für Computerhardware einschließlich Peripherie sowie für Betriebs- und Anwendersoftware hat das Bundesfinanzministerium mit Schreiben vom 26. Februar 2021 eine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von einem Jahr zugelassen, anwendbar für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2020 enden. Damit sinkt die frühere dreijährige Nutzungsdauer faktisch auf eine Sofortabschreibung im Anschaffungsjahr, ohne dass die Güter zu GWG werden. Es handelt sich um ein steuerliches Wahlrecht, nicht um eine zwingende Vorgabe, sodass handelsrechtlich auch eine längere Nutzungsdauer angesetzt werden kann. In der Anlagenbuchhaltung lässt sich dieser Fall über parallele Bewertungsbereiche abbilden, falls Handels- und Steuerbilanz auseinanderfallen.

Was ist ein Anlagenspiegel und wer muss ihn erstellen?

Der Anlagenspiegel, auch Anlagengitter genannt, stellt die Entwicklung jeder Position des Anlagevermögens über das Geschäftsjahr dar, also Anschaffungskosten, Zugänge, Abgänge, Umbuchungen, Zuschreibungen und kumulierte Abschreibungen. Nach Paragraf 284 Absatz 3 HGB sind mittelgroße und große Kapitalgesellschaften sowie ihnen gleichgestellte Personenhandelsgesellschaften zur Aufstellung im Anhang verpflichtet, wobei zwingend die direkte Bruttomethode mit fortgeschriebenen historischen Anschaffungs- und Herstellungskosten anzuwenden ist. Kleine Kapitalgesellschaften sind nach Paragraf 288 Absatz 1 HGB von dieser Pflicht befreit. Eine gepflegte Anlagenbuchhaltung im ERP erzeugt den Anlagenspiegel automatisch aus den Stammsätzen und den protokollierten Bewegungen, was die Erstellung des Jahresabschlusses erleichtert.