Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen MRP und ERP?
MRP (Material Requirements Planning, Materialbedarfsplanung) ist ein spezialisiertes Rechenverfahren, das aus Produktionsprogramm, Stücklisten und Lagerbeständen ermittelt, welches Material in welcher Menge zu welchem Termin benötigt wird. ERP (Enterprise Resource Planning) ist dagegen eine unternehmensweite Systemklasse, die diese Materialplanung mit Finanzbuchhaltung, Controlling, Personalwesen, Vertrieb und Einkauf in einer gemeinsamen Datenbasis integriert. Der Kernunterschied liegt im Umfang: MRP beantwortet allein die mengen- und terminbezogene Materialfrage, während ERP den kaufmännischen und organisatorischen Gesamtzusammenhang abbildet. In heutigen Standardsystemen ist MRP daher kein eigenes Produkt, sondern ein Modul innerhalb des ERP.
Ist MRP ein Teil von ERP?
Ja, die Materialbedarfsplanung ist in der Regel ein integraler Bestandteil moderner ERP-Systeme und kein eigenständiges Konkurrenzprodukt. Etablierte Lösungen wie SAP S/4HANA, Microsoft Dynamics 365, Sage oder Infor enthalten die MRP-Logik und die erweiterte Kapazitätsplanung (MRP II) bereits als Kernfunktionen ihres Produktions- und Beschaffungsumfangs. Historisch ist ERP sogar aus genau dieser Planungslogik hervorgegangen, weshalb MRP funktional ein Teilaspekt dessen ist, was ein vollständiges ERP-System leistet. Ein separates MRP-Werkzeug wird heute meist nur dort beschafft, wo eine bestehende Systemlandschaft eine besonders leistungsfähige, spezialisierte Planung braucht.
Was war zuerst da, MRP oder ERP?
MRP war deutlich früher da als ERP. Die Materialbedarfsplanung entstand in den 1960er-Jahren in der diskreten Fertigung; als prägende Figur gilt der IBM-Ingenieur Joseph Orlicky, der die Methode 1975 in seinem Buch „Material Requirements Planning" umfassend darstellte. Anfang der 1980er-Jahre erweiterte unter anderem Oliver Wight das Verfahren zu MRP II (Manufacturing Resource Planning) um Kapazitäts-, Ressourcen- und teilweise Finanzplanung. Der Begriff Enterprise Resource Planning wurde erst um 1990 von der Gartner Group geprägt und steht für die Verallgemeinerung dieses Gedankens auf alle Unternehmensbereiche.
Was bedeutet MRP II und wie unterscheidet es sich von MRP?
MRP II steht für Manufacturing Resource Planning und ist die Weiterentwicklung des klassischen MRP aus den frühen 1980er-Jahren. Während das ursprüngliche MRP ausschließlich Material- und Mengenbedarfe aus Stücklisten und Lagerbeständen errechnet, bezieht MRP II zusätzlich die Kapazitäts- und Ressourcenplanung sowie teilweise finanzielle Größen mit ein. Damit beantwortet MRP II nicht nur die Frage, welches Material benötigt wird, sondern auch, ob Maschinen, Personal und Durchlaufzeiten den Plan überhaupt zulassen. MRP II bildet so die Brücke zwischen der reinen Materialbedarfsplanung und dem heutigen, unternehmensweiten ERP.
Braucht ein kleiner Fertiger ERP oder reicht ein MRP-Tool?
Das hängt von der Komplexität der Prozesse und der bestehenden Systemlandschaft ab. Wenn nur die Produktionsplanung digitalisiert werden soll und Buchhaltung sowie Vertrieb in separaten Systemen bereits gut funktionieren, kann ein fokussiertes MRP-Tool mit überschaubaren Anschaffungskosten genügen, etwa bei einfacher Lagerfertigung und stabiler Nachfrage. Sobald jedoch Medienbrüche und Doppelerfassung zwischen Abteilungen Zeit kosten oder abteilungsübergreifende Transparenz über Aufträge, Liquidität und Lieferfähigkeit gefragt ist, lohnt sich ein integriertes ERP, das die Materialplanung als Modul enthält. Als Faustregel gilt: Mit wachsendem Unternehmen und steigender Variantenvielfalt wächst der Mehrwert eines vollständigen ERP-Systems.
Kann ein MRP-System Buchhaltung und Vertrieb abdecken?
Nein, ein reines MRP-System deckt weder Finanzbuchhaltung noch Vertrieb oder Personalwesen ab, sondern ausschließlich die mengen- und terminbezogene Materialplanung. Es errechnet aus Primärbedarf, Stücklisten und Beständen Beschaffungs- und Fertigungsvorschläge, trifft aber keine Aussagen über Verbindlichkeiten, Auftragsrentabilität oder Liefertermine gegenüber dem Kunden. Diese kaufmännischen und organisatorischen Aufgaben übernimmt erst ein ERP-System, das die Materialplanung mit allen weiteren Unternehmensbereichen in einer einheitlichen Datenbasis verknüpft. Wer Buchhaltung und Vertrieb mit der Produktionsplanung verzahnen möchte, kommt um eine integrierte Lösung oder eine saubere Schnittstellenanbindung daher nicht herum.

