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Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen ERP und MES?

Ein ERP (Enterprise Resource Planning) ist das betriebswirtschaftliche Leitsystem und plant Aufträge, Material, Kapazitäten und Finanzen mit einem Horizont von Tagen bis Wochen. Ein MES (Manufacturing Execution System) setzt eine Ebene tiefer an und steuert, überwacht und dokumentiert die Fertigung nahezu in Echtzeit auf dem Shopfloor, also auf Minuten- und Sekundenebene. Dazu gehören Feinplanung, Betriebs- und Maschinendatenerfassung, Qualitätssicherung sowie die Rückmeldung tatsächlicher Mengen und Zeiten. Beide Systeme sind keine Konkurrenten, sondern arbeiten auf unterschiedlichen Zeit- und Detailebenen arbeitsteilig zusammen.

Arbeiten ERP und MES zusammen?

Ja, ERP und MES sind über eine bidirektionale Schnittstelle verbunden und ergänzen sich. Das ERP übergibt freigegebene Produktions- beziehungsweise Fertigungsaufträge mit Mengen und Terminen nach unten an das MES, das diese in konkrete Arbeitsanweisungen für die Werkstatt übersetzt. Das MES meldet im Gegenzug Ist-Daten wie Gutmengen, Ausschuss, Stillstände und aufgewendete Zeiten an das ERP zurück, das damit Bestände bucht und die Nachkalkulation aktualisiert. Im Schichtenmodell ISA-95 sitzt das MES auf Ebene 3 und das ERP auf Ebene 4, und genau diese Ebene-3/4-Schnittstelle ist ein zentraler Regelungsgegenstand der Norm.

Kann ein ERP ein MES ersetzen?

Bei einfacher Fertigung mit überschaubarer Fertigungstiefe genügt häufig das Produktions- oder BDE-Modul des ERP, sodass kein separates MES nötig ist. Sobald jedoch Echtzeit-Anforderungen, eine direkte Maschinenanbindung oder eine lückenlose Prozessdokumentation hinzukommen, stößt ein ERP an seine Grenzen, weil es nicht für Sekundentakte und kontinuierliche Maschinensignale ausgelegt ist. Manche modernen ERP-Suiten integrieren zwar MES-nahe Funktionen, was die Grenze in der Praxis verschwimmen lässt, ersetzen aber selten die volle Echtzeit-Tiefe eines spezialisierten MES. Konzeptionell bleiben betriebswirtschaftliche Planung und fertigungsnahe Ausführung unterschiedliche Aufgabenfelder.

Wann lohnt sich ein MES?

Ein MES lohnt sich vor allem bei komplexer Fertigung mit vielen Arbeitsgängen und Maschinen, bei der eine reine ERP-Rückmeldung zu grob bleibt. Sinnvoll ist es außerdem, wenn Echtzeit-Transparenz über Kennzahlen wie die Gesamtanlageneffektivität (OEE), Ausschuss und Stillstände benötigt wird oder eine lückenlose Rückverfolgbarkeit gefordert ist. Besonders in regulierten Branchen mit Dokumentationspflicht und in Industrie-4.0-Projekten mit vernetzten Maschinen ist ein MES oft unverzichtbar. Kleinere Fertiger ohne diese Anforderungen kommen dagegen häufig mit den BDE-Funktionen ihres ERP aus.

Was bedeutet ISA-95 und wie ordnet es ERP und MES ein?

ISA-95 ist ein internationaler Standard für die Integration von Unternehmens- und Steuerungssystemen, der ein Schichtenmodell der Fertigungs-IT definiert. In diesem Modell liegen auf Ebene 1 die Sensoren und Aktoren und auf Ebene 2 die Steuerungssysteme wie SPS und SCADA, während auf Ebene 3 das MES und auf Ebene 4 das ERP angesiedelt ist. Der Standard legt fest, welche Aufgabe auf welcher Ebene liegt und wie die Schichten zusammenspielen, wobei er sich primär mit der Schnittstelle zwischen den Ebenen 3 und 4 befasst. Damit liefert ISA-95 die gemeinsame Grundlage, um die Aufgabenteilung zwischen ERP und MES sauber abzugrenzen.

Welche Funktionen muss ein MES nach VDI 5600 abdecken?

Die VDI-Richtlinie 5600 ist die im deutschsprachigen Raum maßgebliche Orientierung für Fertigungsmanagementsysteme und wurde mit Blatt 1 erstmals 2007 veröffentlicht. Sie beschreibt acht Aufgabenbereiche eines MES: Feinplanung und Feinsteuerung, Betriebs- und Maschinendatenerfassung, Leistungsanalyse, Qualitätsmanagement, Betriebsmittelmanagement, Materialmanagement, Personalmanagement und Informationsmanagement. Während VDI 5600 vor allem beschreibt, was ein MES funktional leisten soll, definiert ISA-95 ergänzend die Schnittstellen zwischen MES, ERP und Shopfloor. Beide Werke werden in der Praxis oft gemeinsam als Bewertungs- und Auswahlraster für MES-Software herangezogen.

Wo liegt der Unterschied zwischen MES und MOM?

Manufacturing Operations Management (MOM) ist ein konzeptioneller Rahmen aus dem ISA-95-Modell und beschreibt das gesamte Management der Fertigungsoperationen, klassisch in den vier Domänen Produktion, Qualität, Instandhaltung und Bestand. Ein MES ist demgegenüber konkrete Software, die vor allem die Produktionsausführung in Echtzeit umsetzt, also Auftragssteuerung, Datenerfassung, OEE-Berechnung und Rückverfolgbarkeit. MOM ist damit der weiter gefasste Begriff, der neben dem MES auch Qualitäts-, Instandhaltungs- und Bestandsfunktionen einschließt. In der Praxis werden die Begriffe häufig synonym verwendet, weil viele heutige MES-Lösungen längst über die reine Produktionsausführung hinausgewachsen sind.