Häufig gestellte Fragen
Was ist der Meldebestand?
Der Meldebestand, auch Bestellpunkt oder Reorder Point genannt, ist die definierte Lagerbestandsmenge eines Artikels, bei deren Erreichen oder Unterschreiten automatisch eine Nachbestellung ausgelöst wird. Er stellt sicher, dass während der Wiederbeschaffungszeit genügend Material vorhanden bleibt, um die laufende Nachfrage zu decken, ohne dass das Lager leerläuft. Damit ist der Meldebestand die zentrale Signalgrenze der verbrauchsgesteuerten Disposition und verbindet Lieferzeit, durchschnittlichen Verbrauch und einen Sicherheitspuffer zu einem konkreten Schwellenwert.
Wie berechnet man den Meldebestand?
Die klassische Formel lautet: Meldebestand = (durchschnittlicher Tagesverbrauch x Wiederbeschaffungszeit in Tagen) + Sicherheitsbestand. Der erste Summand deckt den erwarteten Verbrauch während der Lieferzeit ab, der Sicherheitsbestand fängt Schwankungen bei Nachfrage und Lieferzeit auf. Bei einem Verbrauch von 40 Stück pro Tag, einer Wiederbeschaffungszeit von 10 Tagen und einem Sicherheitsbestand von 150 Stück ergibt sich folglich ein Meldebestand von 40 x 10 + 150 = 550 Stück. Wichtig ist dabei, dass die Wiederbeschaffungszeit nicht nur die reine Lieferzeit des Lieferanten umfasst, sondern auch interne Zeiten für Bestellabwicklung, Wareneingang und Prüfung.
Was ist der Unterschied zwischen Meldebestand, Sicherheitsbestand und Mindestbestand?
Der Meldebestand ist der Auslösepunkt einer Bestellung und liegt am höchsten, da er den Verbrauch während der Wiederbeschaffungszeit plus den Puffer enthält. Der Sicherheitsbestand ist nur ein Bestandteil davon und fängt als Reserve Nachfrage-Spitzen und Lieferverzug ab. Der Mindestbestand bezeichnet die eiserne Reserve, die möglichst nicht angetastet werden soll, und wird in der Praxis häufig gleichgesetzt mit dem Sicherheitsbestand. Wer Meldebestand und Mindestbestand in der Stammdatenpflege vermischt, riskiert eine systematisch falsche Bestellauslösung und damit entweder Fehlmengen oder unnötig gebundenes Kapital.
Wie wird der Sicherheitsbestand für den Meldebestand bestimmt?
Der Sicherheitsbestand kann pauschal als Anteil des Verbrauchs während der Lieferzeit angesetzt werden, eine verbreitete Faustformel ist etwa ein Drittel von Tagesverbrauch x Wiederbeschaffungszeit. Genauer ist eine statistische Ableitung über den gewünschten Servicegrad und die Streuung von Bedarf und Lieferzeit, im einfachsten Fall mit konstanter Lieferzeit über Sicherheitsbestand = Z x Standardabweichung des Bedarfs x Wurzel aus der Wiederbeschaffungszeit. Der Z-Faktor steigt mit dem angestrebten Lieferbereitschaftsgrad und liegt bei rund 1,65 für 95 Prozent und 2,33 für 99 Prozent Servicegrad. Ein höherer Servicegrad senkt das Risiko von Fehlmengen, erhöht aber die Kapitalbindung im Lager, weshalb der Wert je nach Artikelbedeutung abgewogen werden sollte.
Wird der Meldebestand im ERP-System automatisch überwacht?
Ja, im ERP-System wird der Meldebestand je Artikel als Stammdatenfeld in der Materialwirtschaft hinterlegt. Die Disposition gleicht den verfügbaren Bestand kontinuierlich gegen diesen Schwellenwert ab und erzeugt beim Unterschreiten automatisch einen Bestellvorschlag oder bei Eigenfertigung einen Fertigungsauftrag. Seriöse Systeme prüfen dabei gegen den dispositiv verfügbaren Bestand, der bereits offene Bestellungen und reservierte Mengen einrechnet, um Doppelbestellungen zu vermeiden. ERP-Lösungen verschiedener Hersteller wie SAP, Microsoft Dynamics, Sage oder Infor bilden dieses Bestellpunktverfahren mit unterschiedlichen Bezeichnungen, aber vergleichbarer Logik ab.
Sollte der Meldebestand fix oder dynamisch sein?
Bei stabilem, gleichmäßigem Verbrauch reicht ein fester Meldebestand aus, der nur periodisch überprüft wird. Bei stark schwankender oder saisonaler Nachfrage ist ein dynamischer, regelmäßig nachgerechneter Wert genauer, der den gleitenden Durchschnittsverbrauch laufend aktualisiert und so sowohl Fehlmengen als auch Überbestände vermeidet. Eine ABC-Analyse hilft, den Pflegeaufwand zu priorisieren: A-Artikel mit hohem Wertanteil rechtfertigen eine genaue, oft dynamische Parametrierung, während C-Artikel meist mit pauschalen Festwerten ausreichend gesteuert sind. Entscheidend bleibt in beiden Fällen, dass die hinterlegten Verbrauchs- und Lieferzeitwerte aktuell gehalten werden.
Worin unterscheidet sich das Meldebestandsverfahren vom Bestellrhythmusverfahren?
Beim Meldebestands- oder Bestellpunktverfahren wird genau dann bestellt, wenn der verfügbare Bestand den festgelegten Meldebestand erreicht, sodass die Bestelltermine vom tatsächlichen Verbrauch abhängen und variabel sind. Das Bestellrhythmusverfahren prüft den Bestand dagegen in festen Zeitabständen und füllt jeweils auf einen Sollbestand auf, unabhängig vom aktuellen Verbrauchstempo. Das Bestellpunktverfahren eignet sich daher gut für volatilen Verbrauch, während das Bestellrhythmusverfahren bei stabilem Bedarf und gebündelter Bestellabwicklung Vorteile bietet. Zudem grenzt sich das verbrauchsgesteuerte Meldebestandsverfahren von der bedarfsgesteuerten Planung über MRP ab, die den Bedarf aus Aufträgen und Stücklisten vorausplant.
