Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet FEFO?
FEFO steht für "First Expired First Out" und bezeichnet eine Lagerentnahme- und Kommissionierstrategie, bei der die Charge mit dem frühesten Verfalls- oder Mindesthaltbarkeitsdatum zuerst ausgelagert wird. Maßgeblich ist also das Ablaufdatum der Ware und nicht der Zeitpunkt der Einlagerung. Damit verlässt stets die Charge das Lager, die am ehesten unbrauchbar wird, was Abschriften durch Verderb reduziert. FEFO gilt als Standardstrategie für verderbliche oder zeitkritische Güter wie Lebensmittel, Arzneimittel, Chemikalien und Kosmetik.
Was ist der Unterschied zwischen FEFO und FIFO?
FIFO ("First In First Out") entnimmt die Ware nach der Reihenfolge des Wareneingangs, sodass die am längsten eingelagerte Charge zuerst ausgeliefert wird. FEFO hingegen richtet sich nach dem Verfalls- oder Mindesthaltbarkeitsdatum, unabhängig davon, wann die Ware angekommen ist. Eine später eingelagerte Charge mit kürzerer Restlaufzeit wird unter FEFO daher vor einer früher eingelagerten, aber länger haltbaren Charge entnommen. FEFO lässt sich als Erweiterung von FIFO verstehen; beide liefern nur dann dasselbe Ergebnis, wenn Eingangsreihenfolge und Haltbarkeit exakt parallel verlaufen.
In welchen Branchen ist FEFO vorgeschrieben oder üblich?
FEFO ist vor allem in der Lebensmittel-, Pharma-, Chemie- und Kosmetikbranche etabliert, also überall dort, wo Bestände verderben oder ihre Wirksamkeit verlieren. In der pharmazeutischen Distribution verlangen die EU-Leitlinien für die Gute Vertriebspraxis (GDP, Leitlinien vom 5. November 2013, Kapitel 6.3) ausdrücklich eine Bestandsrotation nach dem FEFO-Prinzip, damit Produkte mit dem frühesten Verfallsdatum zuerst das Lager verlassen. Im Lebensmittelbereich ist FEFO dagegen nicht gesetzlich vorgeschrieben, sondern eine bewährte Praxis, die Betriebe nutzen, um die Haltbarkeitsvorgaben einzuhalten und der Rückverfolgbarkeitspflicht nach Artikel 18 der EU-Basisverordnung (EG) Nr. 178/2002 nachzukommen. In beiden Feldern setzt FEFO eine lückenlose Chargenrückverfolgung voraus.
Worin unterscheiden sich Mindesthaltbarkeitsdatum und Verfallsdatum bei FEFO?
Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) gibt an, bis wann ein Lebensmittel bei sachgerechter Lagerung seine spezifischen Eigenschaften behält; danach ist die Ware häufig noch verzehrbar, aber nicht mehr garantiert in voller Qualität. Bei Arzneimitteln ist das auf der Packung gekennzeichnete Verfallsdatum dagegen verbindlich: Fertigarzneimittel mit überschrittenem Verfallsdatum dürfen nach §8 Absatz 3 Arzneimittelgesetz (AMG) nicht mehr in den Verkehr gebracht werden, wobei §10 Absatz 7 AMG lediglich die Pflicht zur Kennzeichnung dieses Datums regelt. Für die FEFO-Logik ist diese Unterscheidung weniger wichtig, da das System beide Datumstypen als chargenspezifisches Sortierkriterium behandelt. Entscheidend ist, dass das jeweils maßgebliche Datum korrekt erfasst und konsequent gepflegt wird.
Wie setzt ein ERP- oder Lagerverwaltungssystem FEFO um?
Beim Wareneingang wird das Verfalls- oder Mindesthaltbarkeitsdatum erfasst und der jeweiligen Charge zugeordnet, sodass der Bestand chargengenau geführt wird. Bei einem Auftrag oder einer internen Entnahme ermittelt das System automatisch die Charge mit dem frühesten Ablaufdatum und schlägt sie für die Kommissionierung vor; in einem WMS wird diese Vorgabe per Scanner-Führung erzwungen. Viele Systeme prüfen zusätzlich eine kundenspezifische Mindestrestlaufzeit und sperren Chargen, deren Restlaufzeit zu kurz ist. Voraussetzung ist eine saubere Chargenführung und Stammdatenpflege, da FEFO ohne korrekte Haltbarkeitsdaten keine verlässlichen Vorschläge liefern kann.
Was passiert, wenn kein FEFO eingesetzt wird?
Ohne FEFO steigt das Risiko, dass Ware mit kurzer Restlaufzeit im Lager liegen bleibt und abläuft, während länger haltbare Chargen zuerst entnommen werden. Die Folge sind vermeidbare Abschreibungen durch Verderb, Reklamationen wegen zu geringer Resthaltbarkeit und im schlimmsten Fall der Verkauf abgelaufener Produkte. In regulierten Branchen wie Pharma und Lebensmittel drohen zudem Compliance-Verstöße gegen GDP-Vorgaben oder lebensmittelrechtliche Anforderungen. Gerade bei kurzen Haltbarkeitsfristen lässt sich der Verderb-Anteil durch eine systemgestützte FEFO-Logik deutlich senken.
