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Häufig gestellte Fragen

Was ist Individualsoftware?

Individualsoftware ist eine Anwendung, die exklusiv für die Anforderungen eines einzelnen Auftraggebers entwickelt wird, statt als fertiges Produkt von der Stange gekauft zu werden. Sie bildet Geschäftsprozesse, Datenmodelle und Oberflächen genau so ab, wie der Auftraggeber sie benötigt, und ist damit ein Unikat. Im Gegensatz zur Standardsoftware, die einen breiten Markt mit weitgehend identischen Funktionen bedient, lässt sich Individualsoftware in der Regel nicht ohne Weiteres auf andere Unternehmen übertragen. Synonym verwendete Bezeichnungen sind maßgeschneiderte Software, Eigenentwicklung oder im englischen Sprachraum Custom beziehungsweise Bespoke Software.

Was ist der Unterschied zwischen Individual- und Standardsoftware?

Standardsoftware ist ein fertiges Produkt für viele Kunden, das gegen Lizenz- oder Mietgebühr genutzt wird und einen festen, vom Hersteller gepflegten Funktionsumfang mitbringt. Individualsoftware wird dagegen einmalig für genau einen Auftraggeber entwickelt und richtet sich vollständig nach dessen Prozessen. Standardsoftware punktet mit geringeren Anfangskosten, schneller Verfügbarkeit und herstellerseitigen Updates, deckt aber typischerweise nur den Großteil der Anforderungen ab; die verbleibenden, oft differenzierenden Spezialprozesse passen nicht immer ins Schema. Individualsoftware bietet hier maximale Passgenauigkeit, erfordert dafür aber höhere Anfangsinvestitionen und eigene Verantwortung für Pflege und Weiterentwicklung.

Was kostet Individualsoftware?

Eine pauschale Angabe ist ohne konkrete Anforderungen nicht seriös möglich, da Funktionsumfang, Schnittstellen und Qualitätsanspruch die Kosten bestimmen. Marktüblich liegen die Stundensätze qualifizierter Entwicklungsdienstleister im deutschsprachigen Raum bei etwa 100 bis 180 Euro, sodass überschaubare Mittelstandsprojekte häufig im fünfstelligen Bereich starten, während umfangreiche, stark integrierte ERP-nahe Lösungen leicht sechs- bis siebenstellig werden. Hinzu kommen laufende Kosten für Betrieb, Wartung und Weiterentwicklung, für die je nach Quelle grob 15 bis 25 Prozent der Entwicklungskosten pro Jahr eingeplant werden. Entscheidend ist daher eine Betrachtung der Gesamtkosten über den Lebenszyklus und nicht nur des Erstellungspreises.

Wann lohnt sich Individualsoftware im ERP-Umfeld?

Als kompletter Ersatz eines ERP-Systems lohnt sich eine vollständige Eigenentwicklung nur selten, weil etablierte Standardsysteme Einkauf, Lager, Finanzen und ähnliche Querschnittsfunktionen bewährt und gepflegt abdecken. Sinnvoll ist Individualsoftware vor allem dort, wo ein Prozess einen echten Wettbewerbsvorteil darstellt oder so speziell ist, dass keine Standardlösung passt. In der Praxis bewährt sich meist ein Mittelweg: ein Standard-ERP als stabile Basis plus gezielte Individual-Erweiterungen über das herstellerseitige Customizing, Low-Code-Plattformen oder eigene, per Schnittstelle angebundene Module. So bleiben Standardfunktionen update-fähig, während nur die wirklich differenzierenden Bereiche individuell ausgeprägt werden.

Wem gehört der Quellcode und wie ist die rechtliche Lage bei Individualsoftware?

Die Erstellung von Individualsoftware wird in Deutschland rechtlich überwiegend als Werkvertrag nach den Paragrafen 631 ff. BGB eingeordnet, bei dem ein konkretes, abnahmefähiges Werk geschuldet ist. Das Urheberrecht selbst verbleibt beim Entwickler und ist nicht übertragbar; der Auftraggeber erhält über den Vertrag lediglich Nutzungsrechte, deren Umfang ausdrücklich geregelt werden sollte. Ohne klare Vereinbarung ist insbesondere die Herausgabe des Quellcodes nicht automatisch geschuldet, weshalb Punkte wie Exklusivität, Änderungs- und Übertragungsrechte sowie die Quellcode-Übergabe vertraglich fixiert werden sollten. Für Mängel gilt nach Paragraf 634a BGB grundsätzlich eine Gewährleistungsfrist von zwei Jahren ab Abnahme des Werks.

Welche Risiken bringt Individualsoftware bei Wartung und Updates mit sich?

Da niemand sonst dieselbe Lösung einsetzt, liegt die Verantwortung für Fehlerbehebung, Sicherheits-Updates und Weiterentwicklung dauerhaft beim Unternehmen oder seinem Dienstleister, statt beim Hersteller einer Standardlösung. Stark individualisierte Anpassungen können zudem die Release-Fähigkeit gefährden: Tiefe Eingriffe erschweren spätere Versionswechsel und müssen bei einem ERP-Umstieg unter Umständen aufwendig nachgebaut werden. Es besteht außerdem das Risiko einer Abhängigkeit von einzelnen Personen oder Dienstleistern, wenn deren Know-how nicht dokumentiert ist. Diese Risiken lassen sich durch saubere Dokumentation, geregelte Zuständigkeiten und eine möglichst schnittstellenbasierte Trennung von Standard und Eigenentwicklung deutlich reduzieren.