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Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Lastenheft und Pflichtenheft?

Das Lastenheft beschreibt aus Sicht des Auftraggebers, was das künftige ERP-System leisten soll, und wird vor der Anbieterauswahl erstellt. Das Pflichtenheft beantwortet anschließend aus Anbietersicht die Frage, wie diese Anforderungen konkret umgesetzt werden. Die Reihenfolge ist damit fest: zuerst das Lastenheft, dann die Auswahl, dann das Pflichtenheft. Das Lastenheft allein ist rechtlich nicht bindend, während ein Pflichtenheft verbindlich wird, sobald es Bestandteil des Vertrags ist.

Wer schreibt das Lastenheft – IT oder Fachbereich?

In der Praxis arbeiten beide zusammen: Die fachlichen Anforderungen kommen aus den Fachbereichen, die technischen und integrativen Aspekte aus der IT. Ein Projektleiter konsolidiert beide Perspektiven, häufig ergänzt durch externe Beratung. Ein reines IT- oder reines Fachbereichs-Lastenheft führt regelmäßig zu Lücken, etwa bei Schnittstellen oder bei nicht abgebildeten Sonderprozessen. Die frühe Einbindung der Anwender erhöht zudem die spätere Akzeptanz des Systems.

Wie lang sollte ein ERP-Lastenheft sein?

Im Mittelstand sind 50 bis 150 Seiten plus Anforderungskatalog typisch, während größere Konzerne oft auf mehrere hundert Seiten kommen. Wichtiger als der reine Umfang ist allerdings die inhaltliche Schärfe: lieber ein präzises Dokument mit klar priorisierten Anforderungen als ein aufgeblähter Katalog ohne Gewichtung. Wer jede Bildschirmmaske vorschreibt, schränkt sinnvolle Standardprozesse der Anbieter unnötig ein und treibt die Kosten. Eine realistische Balance zwischen Vollständigkeit und Offenheit – so detailliert wie nötig, so offen wie möglich – ist entscheidend.

Wie sollten Anforderungen im Lastenheft priorisiert werden?

Üblich ist eine Einstufung als Muss-, Soll- und Kann-Kriterien, alternativ die MoSCoW-Methode mit den Stufen Must, Should, Could und Won't have. Diese Gewichtung erleichtert den objektiven Anbietervergleich und verhindert, dass nebensächliche Wünsche die Entscheidung dominieren. Entscheidend ist, dass Muss-Kriterien wirklich unverzichtbar sind – ist nahezu alles als Muss markiert, findet faktisch keine Priorisierung mehr statt. Gesetzlich verpflichtende Anforderungen, etwa zur unveränderbaren, revisionssicheren Archivierung gemäß den GoBD, gehören grundsätzlich zu den nicht verhandelbaren Muss-Kriterien.

Wie lange dauert es, ein ERP-Lastenheft zu erstellen?

Die reine Erstellung dauert je nach Komplexität meist mehrere Wochen, da Interviews mit den Fachabteilungen, eine Ist-Analyse, die Soll-Definition und die interne Abstimmung Zeit beanspruchen. Rechnet man die vorgelagerte Planungs- und Abstimmungsphase hinzu, sollten mittelständische Unternehmen realistisch mehrere Monate einplanen, bei komplexen Strukturen entsprechend mehr. Wird die Erstellung extern begleitet, fallen zusätzliche Beraterkosten an, die je nach Umfang im niedrigen bis mittleren fünfstelligen Bereich liegen können. Der Aufwand zahlt sich im weiteren Projektverlauf jedoch in der Regel aus, weil er teure Fehlentscheidungen und nachträgliches Customizing vermeidet.

Brauche ich ein Lastenheft, wenn ich Cloud-Standardsoftware will?

Auch bei standardnahen SaaS-Lösungen lohnt sich ein Lastenheft, dann jedoch mit Fokus auf Geschäftsanforderungen, Schnittstellen und nicht-funktionale Themen statt auf detailliert ausformulierte Funktionsfelder. Es hilft, den passenden Standard auszuwählen, anstatt teure Anpassungen zu fordern, die den Cloud-Vorteil aufheben. Die Lizenzgebühren machen ohnehin nur einen Teil der Gesamtkosten aus – der größere Anteil entsteht für Implementierung, Customizing, Schulung und Datenmigration. Genau diese Posten lassen sich mit einem klaren Anforderungsdokument deutlich besser steuern.

Ist eine Lastenheft-Vorlage sinnvoll oder sollte man frei formulieren?

Eine Vorlage – häufig als Excel- oder Word-Datei mit vorstrukturiertem Anforderungskatalog – spart Zeit und stellt sicher, dass keine wichtigen Themenbereiche übersehen werden. Sie ersetzt allerdings nicht die unternehmensspezifische Arbeit: Standardlisten müssen an die eigenen Prozesse, Mengengerüste und Sonderfälle angepasst werden, sonst entsteht ein generisches Dokument ohne Aussagekraft. Bewährt hat sich eine Tabelle, die nach Fachbereichen gegliedert ist und je Anforderung eine Priorität sowie ein Antwortfeld für die Anbieter enthält. So bleibt die Struktur vergleichbar, während die Inhalte individuell bleiben.