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Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert eine typische ERP-Migration?

Im Mittelstand sind je nach Komplexität und Anpassungstiefe rund 9 bis 18 Monate üblich, während Konzerne mit vielen Standorten und Wellen häufig 18 bis 36 Monate oder länger benötigen. Cloud-Standardlösungen mit geringem Customizing können dagegen bereits in etwa 4 bis 6 Monaten produktiv gehen. Ein großer Teil der Projektzeit entfällt erfahrungsgemäß auf Konzeption, Customizing und Datenaufbereitung, während Tests, Schulungen und der eigentliche Roll-out den Rest beanspruchen. Realistische Zeitpuffer sind ratsam, da Verzögerungen von mehreren Monaten gegenüber dem ursprünglichen Plan in der Praxis häufig vorkommen.

Big Bang oder Phasenmigration – welche Strategie ist besser?

Bei der Big-Bang-Migration wird zu einem Stichtag vollständig auf das neue System umgeschaltet; das ist schneller und vermeidet Doppelpflege, erfordert aber ein gründlich geprobtes Cutover-Wochenende und birgt ein höheres Risiko, falls etwas schiefgeht. Die Phasenmigration überführt Module oder Standorte nacheinander, senkt dadurch das Einzelrisiko, verlängert jedoch den Übergangszustand mit parallelem Betrieb beider Systeme. Welcher Weg passt, hängt von Unternehmensgröße, Standortzahl und Risikotoleranz ab – bei vielen Standorten dominiert in der Praxis der phasenweise Ansatz. Unabhängig von der Strategie sind ein dokumentierter Rückfallplan und mehrere Testmigrationen erfolgskritisch.

Was passiert mit historischen Daten aus dem Altsystem?

In der Praxis gibt es drei Wege: die vollständige Migration aller Altdaten ins neue System (oft teuer und selten nötig), die selektive Übernahme einzelner Salden und Belege als gängiger Standard oder die dauerhafte Archivierung der historischen Daten außerhalb des neuen ERP. Steuerlich relevante Unterlagen unterliegen in Deutschland gesetzlichen Aufbewahrungsfristen – Jahresabschlüsse und Inventare zehn Jahre, Buchungsbelege seit 2025 acht Jahre –, die unabhängig vom Systemwechsel weiterlaufen. Nach einem Systemwechsel genügt es laut GoBD in der Regel, die maschinell auswertbaren Steuerdaten ab dem sechsten Jahr nach der Umstellung nur noch auf einem Datenträger vorzuhalten, statt das gesamte Altsystem über die volle Frist zu betreiben – vorausgesetzt, alle aufbewahrungspflichtigen Daten wurden quantitativ und qualitativ vollständig übernommen. Empfehlenswert ist daher, den Migrationsumfang bewusst zu begrenzen und nicht benötigte Altdaten revisionssicher zu archivieren statt zu übernehmen.

Was kostet eine ERP-Migration und welcher Anteil entfällt auf die Daten?

Die Gesamtkosten hängen stark von Unternehmensgröße, Lizenzmodell und Anpassungstiefe ab; als grobe Orientierung kursieren für mittelständische Projekte Spannen im sechsstelligen Bereich, wobei viele Häuser die Größenordnung an einem niedrigen einstelligen Prozentsatz des Jahresumsatzes ausrichten. Die reine Datenmigration wird dabei häufig unterschätzt und kann je nach Datenmenge und Altsystem-Landschaft einen erheblichen Teil des Projektbudgets ausmachen. Hinzu kommen Lizenzen, Implementierungsdienstleistung, Schnittstellen, Tests sowie Schulung und Change-Management, das oft mit einem zweistelligen Prozentanteil eingeplant wird. Eine frühe Datenbereinigung senkt die spätere Migrationsarbeit spürbar, weshalb sich der Aufwand für Datenqualität in der Regel auszahlt.

Warum scheitern ERP-Migrationen so häufig und wie lässt sich das vermeiden?

Branchenstudien wie die jährlichen Auswertungen von Panorama Consulting berichten regelmäßig, dass ein großer Teil der ERP-Projekte die gesetzten Ziele verfehlt und es überdurchschnittlich oft zu Budget- und Terminüberschreitungen kommt. Als Hauptursachen gelten weniger technische Probleme als organisatorische Faktoren: mangelhafte Datenqualität, unkontrollierter Umfangszuwachs (Scope Creep), schwache Teststrategien, unterbesetzte Projektteams und fehlendes Change-Management. Gegensteuern lässt sich durch frühe und mehrfache Testmigrationen, eine konsequente Bereinigung der Stammdaten vor dem Umstieg sowie einen klar begrenzten Projektumfang. Ebenso wichtig sind die rechtzeitige Schulung der Anwender und die aktive Begleitung des organisatorischen Wandels, da die Nutzerakzeptanz oft stärker über den Erfolg entscheidet als die rein technische Übernahme.

Bis wann müssen SAP-ECC-Anwender auf SAP S/4HANA migrieren?

SAP hat die Mainstream-Wartung für SAP ERP 6.0 mit den Enhancement Packages 6 bis 8 bis zum 31. Dezember 2027 terminiert; danach gibt es im Standard keine regulären Sicherheits- und Funktionsupdates mehr. Ältere Enhancement-Stände (EHP 0 bis 5) liefen bereits Ende 2025 ohne Verlängerungsoption aus, während für die EHP 6 bis 8 gegen einen Aufpreis eine verlängerte Wartung bis Ende 2030 möglich ist. Da eine vollständige Umstellung von ECC auf SAP S/4HANA häufig 18 bis 36 Monate beansprucht, wird ein früher Projektstart empfohlen, zumal ein erheblicher Teil der Bestandskunden den Schritt zum genannten Stichtag noch nicht abgeschlossen hatte. Bei der Vorgehensweise stehen je nach Ausgangslage ein Greenfield-Neuaufbau, eine Brownfield-Systemkonversion oder ein selektiver Ansatz zur Wahl.