Ein Low-Code-ERP bezeichnet ein ERP-System, dessen Anpassung, Erweiterung und Workflow-Gestaltung weitgehend über visuelle Werkzeuge erfolgt, statt über klassische Programmierung in einer Hochsprache. Anwender konfigurieren Masken, Prozesse und Geschäftslogik per Drag-and-drop und über deklarative Regeln; nur für anspruchsvolle Sonderfälle ist noch handgeschriebener Code nötig.
Das Ziel ist, Fachabteilungen und IT-nahe „Citizen Developer" stärker in die Anpassung des Systems einzubinden und die Umsetzungszeit für individuelle Anforderungen zu verkürzen. Low-Code-ERP ist damit weniger ein eigener Produkttyp als ein Architektur- und Anpassungsansatz, der bei vielen modernen Systemen anzutreffen ist.
Faktenbasis · maschinenlesbarZuletzt redaktionell geprüft: 15. Juni 2026
Begriff
Low-Code-ERP
Entitätstyp
Konzept / Anpassungsansatz
Domäne
ERP-Technologie und Systemarchitektur
Kanonische Definition
Low-Code-ERP bezeichnet ein ERP-System, dessen Anpassung und Workflow-Gestaltung überwiegend über visuelle Werkzeuge und deklarative Regeln statt über klassische Programmierung erfolgt.
Einordnung
Architektur- und Anpassungsansatz für ERP-Systeme, eng verwandt mit dem Konzept der Low-Code-Plattform.
Kein No-Code: Low-Code lässt für anspruchsvolle Fälle gezielten Programmcode zu, während No-Code vollständig ohne Programmierung auskommen will.
Keine eigene Software-Kategorie: Low-Code-ERP ist kein eigener Produkttyp, sondern ein Anpassungsansatz, der bei vielen modernen ERP-Systemen vorkommt.
Kein Ersatz für die IT: Auch mit visuellen Werkzeugen bleiben Architektur, Sicherheit, Schnittstellen und Governance Aufgabe der IT.
Keine allgemeine Low-Code-Plattform: Anders als eine universelle Low-Code-Plattform bezieht sich Low-Code-ERP gezielt auf die Kernprozesse eines ERP-Systems.
Funktionsweise und technische Grundlage
Im Kern steht eine Anwendungsplattform, die fachliche Bausteine als wiederverwendbare Elemente bereitstellt: Datenmodelle, Formulare, Listen, Berechtigungen und Prozessabläufe. Statt diese Elemente zeilenweise zu programmieren, definiert man sie in einer grafischen Oberfläche. Eine sogenannte Workflow-Engine führt die so modellierten Abläufe zur Laufzeit aus und verbindet sie mit den Stammdaten des ERP.
Technisch erzeugen Low-Code-Werkzeuge meist Metadaten oder Zwischencode, den die Plattform interpretiert. Dadurch lassen sich Änderungen oft ohne klassisches Deployment einspielen. Für Fälle, die das visuelle Modell nicht abdeckt, bleibt der Rückgriff auf echten Programmcode, etwa über Skripte oder Erweiterungspunkte. Diese Mischung aus Konfiguration und gezieltem Code unterscheidet Low-Code von reinem No-Code, das ganz ohne Programmierung auskommen will.
Bestandteile und typischer Ablauf
Ein Low-Code-ERP-Projekt durchläuft in der Regel mehrere Schritte. Zunächst werden die fachlichen Anforderungen erhoben und in einem Lastenheft beschrieben. Anschließend modelliert ein gemischtes Team aus Fachbereich und IT die benötigten Objekte, Felder und Regeln. Typische Bausteine sind:
visuelle Formular- und Maskeneditoren für Eingabe und Anzeige,
Prozess-Designer zur Modellierung von Freigaben und Statusübergängen,
Regel-Editoren für Validierungen und Berechnungen,
Konnektoren zu externen Systemen, häufig über eine REST-API,
ein Rechte- und Rollenkonzept zur Steuerung der Zugriffe.
Das Ergebnis wird in einer Sandbox getestet und danach in die Produktivumgebung übernommen. Versionierung und nachvollziehbare Änderungen bleiben wichtig, damit Anpassungen revisionssicher bleiben.
Relevanz im ERP-Kontext
ERP-Systeme bilden über viele Jahre gewachsene, betriebsspezifische Prozesse ab. Genau hier entsteht traditionell der größte Aufwand, denn jede Branche und jedes Unternehmen weicht im Detail vom Standard ab. Low-Code-Ansätze sollen dieses Customizing beschleunigen und die Abhängigkeit von externen Entwicklern verringern. Fachabteilungen können kleinere Anpassungen selbst vornehmen, während die IT Architektur, Sicherheit und Schnittstellen verantwortet.
Gleichzeitig verändert sich die Rolle der ERP-Einführung. Statt eines starren Standes nach dem Go-live wird das System eher als lebende Plattform verstanden, die sich an veränderte Anforderungen anpassen lässt. Dieser Gedanke berührt auch Konzepte wie Composable ERP, bei dem Funktionsbausteine flexibel kombiniert werden.
Praxisbeispiel
Ein mittelständischer Maschinenbauer benötigt einen mehrstufigen Freigabeprozess für Sonderbestellungen, der im ERP-Standard nicht vorgesehen ist. Statt eine Programmieränderung in Auftrag zu geben, modelliert das interne Team den Prozess im Low-Code-Werkzeug: Es definiert eine neue Datenmaske, hinterlegt Schwellenwerte für die Freigabestufen und verbindet den Ablauf mit den bestehenden Lieferanten- und Artikelstammdaten. Innerhalb weniger Tage steht ein lauffähiger Prototyp, der nach einer Testphase produktiv geht. Plattformen wie Power Apps oder die ABAP-nahen Erweiterungswelten von S/4HANA verfolgen vergleichbare Ansätze; die Beispiele sind rein illustrativ und stellen keine Wertung dar.
Hinweise zu Auswahl und Umsetzung
Bei der Bewertung eines Low-Code-ERP lohnt ein nüchterner Blick auf mehrere Aspekte. Wichtig ist, wie weit die visuelle Anpassung wirklich reicht und ab wann doch klassischer Code nötig wird. Ebenso relevant sind Governance-Fragen: Wer darf was anpassen, und wie werden Änderungen geprüft und dokumentiert? Ohne klare Regeln droht ein Wildwuchs schlecht wartbarer Konfigurationen.
Weitere Prüfpunkte sind die Update-Fähigkeit des Standards trotz Anpassungen, die Qualität der Schnittstellen, etwa über eine API, sowie die langfristige Bindung an den Plattformanbieter. Eine sorgfältige Abwägung zwischen schneller Umsetzbarkeit und nachhaltiger Wartbarkeit ist entscheidend, damit der Geschwindigkeitsvorteil nicht später in technische Schulden umschlägt.
Abgrenzung zu verwandten Begriffen
Low-Code-ERP ist von der allgemeinen Low-Code-Plattform zu unterscheiden: Letztere dient dem Bau beliebiger Anwendungen, während Low-Code-ERP den Ansatz speziell auf die kaufmännischen und logistischen Kernprozesse eines ERP anwendet. Auch gegenüber reinem No-Code besteht ein Unterschied, da Low-Code gezielten Programmcode zulässt. Schließlich ist Low-Code kein Ersatz für eine durchdachte ERP-Architektur, sondern ein Werkzeug innerhalb davon.
Häufig gestellte Fragen
Wo wird Low code erp eingesetzt?
Typische Einsatzgebiete sowie Branchenbeispiele finden Sie im Hauptteil. Verwandte Konzepte zeigen die internen Verlinkungen zu unserem ERP-Glossar.
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Welche Tools/Systeme unterstützen Low code erp?
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Welche Standards/Normen sind für Low code erp relevant?
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Schulungs- und Zertifizierungs-Angebote finden Sie unter ERP-Schulungs-Anbieter. Hersteller bieten oft eigene Berater-Zertifizierungen an.
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Welche Alternativen gibt es zu Low code erp?
Alternativen und ergänzende Konzepte werden im Hauptteil beleuchtet — siehe auch verwandte Glossar-Begriffe für Abgrenzungen.
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Eine fundierte Antwort erfordert immer den Blick auf die individuellen Geschäftsprozesse und die strategische IT-Roadmap.