Häufig gestellte Fragen
Was ist eine Low-Code-Plattform und wie unterscheidet sie sich von No-Code?
Eine Low-Code-Plattform ist eine Entwicklungsumgebung, in der Anwendungen, Formulare und Workflows überwiegend visuell per Drag-and-drop und Konfiguration entstehen, statt vollständig von Hand programmiert zu werden. Der Unterschied zu No-Code liegt darin, dass Low-Code bewusst eine Tür zum echten Programmcode offen hält, etwa über eigene Skripte, Formeln oder Aufrufe externer Dienste, während No-Code weitgehend auf Code verzichtet und sich an reine Fachanwender richtet. Marktanalysten wie Gartner ordnen Low-Code-Application-Platforms (LCAP) der beschleunigten Entwicklung durch professionelle Entwickler zu und betonen, dass sich damit auch komplexe Anwendungen bauen lassen – ein zentraler Vorteil gegenüber No-Code. Für ERP-Erweiterungen ist Low-Code daher meist die robustere Wahl, weil komplexe Integrationen selten ohne ergänzenden Code auskommen.
Brauche ich für eine Low-Code-Plattform überhaupt noch Entwickler?
Low-Code senkt die Einstiegshürde so weit, dass fachlich versierte Anwender – sogenannte Citizen Developer – einfache Apps und Workflows selbst bauen können, ohne klassische Entwicklerausbildung. Gartner definiert einen Citizen Developer als Anwender, der mit von der IT freigegebenen Werkzeugen Anwendungen für andere erstellt, und prognostiziert, dass bis 2026 rund drei Viertel der neuen Anwendungen mit Low-Code-Technologien entstehen. Für anspruchsvolle Logik, performancekritische Komponenten, Sicherheitsanforderungen und tiefe ERP-Integrationen bleibt professionelles Entwickler-Know-how jedoch in aller Regel notwendig. In der Praxis arbeiten Fachabteilung und IT deshalb häufig im Tandem, statt dass Entwickler vollständig ersetzt werden.
Wie wird eine Low-Code-Anwendung an ein bestehendes ERP-System angebunden?
Die Anbindung erfolgt typischerweise über vorgefertigte Konnektoren oder offene Schnittstellen, sodass die Low-Code-Anwendung Daten aus dem ERP lesen und zurückschreiben kann. Verbreitet sind dafür REST- oder GraphQL-Schnittstellen; verfügt ein älteres System nicht über moderne Protokolle, lässt es sich oft mit einer eigenen REST-API umhüllen, die die Plattform dann anspricht. Wichtig ist, dass die Erweiterung neben dem ERP läuft und nicht in dessen Kern eingreift, weil so die Update- und Releasefähigkeit des Standardsystems erhalten bleibt. Bei der Plattformauswahl lohnt deshalb ein genauer Blick darauf, welche Konnektoren zum konkret eingesetzten ERP bereits existieren.
Welche Low-Code-Plattformen sind am Markt verbreitet?
Zu den international am häufigsten genannten Anbietern zählen Microsoft Power Apps, Mendix, OutSystems, Appian, ServiceNow und Salesforce, die Gartner in seinem Magic Quadrant für Enterprise Low-Code Application Platforms (zuletzt 2025) als Leader einordnet. Microsoft Power Apps ist dabei besonders für Unternehmen attraktiv, die ohnehin im Microsoft-365- und Azure-Umfeld arbeiten, während OutSystems und Mendix für umfangreiche, langlebige Anwendungsportfolios positioniert sind. Im Umfeld deutscher Mittelständler treten daneben ERP-nahe und branchenspezifische Low-Code-Werkzeuge auf, etwa als integrierte Erweiterungsschicht einzelner ERP-Produkte. Diese Aufzählung ist illustrativ und stellt keine Bewertung oder Rangfolge dar; die passende Wahl hängt von ERP-Landschaft, Anforderungen und vorhandenem Know-how ab.
Welche Risiken und Grenzen hat der Einsatz von Low-Code-Plattformen?
Ein zentrales Risiko ist die Abhängigkeit vom Anbieter, weil die erstellten Anwendungen an dessen Laufzeitumgebung und proprietäre Bausteine gebunden sind und ein späterer Plattformwechsel meist aufwendig ausfällt. Hinzu kommt die Gefahr von unkontrolliertem Wildwuchs und Schatten-IT, wenn viele Fachanwender ohne klare Governance eigene Apps bauen; Branchenexperten empfehlen deshalb verbindliche Regeln, oft in Form eines Center of Excellence, das Freigaben, Datenschutz und Schnittstellenzugriffe steuert. Auch Lizenz- und Betriebskosten skalieren häufig mit Nutzerzahl oder Datenvolumen und können bei breitem Einsatz erheblich werden. Eine ehrliche Abschätzung, welche Vorhaben sich für Low-Code eignen und ab welcher Komplexität klassische Individualentwicklung sinnvoller ist, gehört daher in jede Auswahlentscheidung.
Ersetzt eine Low-Code-Plattform das ERP-Customizing?
Nein, in der Regel ergänzen sich beide Ansätze, statt sich gegenseitig zu ersetzen. Standardnahe Anpassungen am Kernprozess gehören weiterhin in das klassische ERP-Customizing oder die Parametrierung des Systems, während Low-Code-Plattformen die Lücke zwischen Standardfunktion und teurer Individualentwicklung schließen – etwa für ergänzende Apps, mobile Erfassungen oder abteilungsspezifische Workflows neben dem ERP. Der Vorteil dieser Trennung liegt darin, dass Erweiterungen nicht in den Quellcode des Kernsystems eingreifen und dessen Aktualisierungsfähigkeit dadurch geschützt bleibt. Die konkrete Aufteilung variiert allerdings je nach Branche, Unternehmensgröße und Customizing-Tiefe des jeweiligen ERP-Setups.
