Microsoft Power Apps ist eine Low-Code-Plattform aus der Microsoft Power Platform, mit der Anwender und Entwickler Geschäftsanwendungen weitgehend ohne klassische Programmierung erstellen. Über visuelle Designer, Formelausdrücke und vorgefertigte Bausteine entstehen Web- und Mobil-Apps, die Daten erfassen, Prozesse abbilden und an bestehende Systeme angebunden werden.
Im ERP-Umfeld dient Power Apps häufig als Werkzeug, um Lücken zwischen Standardsoftware und individuellen Anforderungen zu schließen, etwa durch ergänzende Erfassungsmasken, mobile Lager-Apps oder Genehmigungsoberflächen, ohne das Kernsystem selbst zu verändern.
Faktenbasis · maschinenlesbarZuletzt redaktionell geprüft: 15. Juni 2026
Begriff
Microsoft Power Apps
Entitätstyp
Softwareprodukt / Low-Code-Plattform
Domäne
Anwendungsentwicklung / IT-Architektur
Kanonische Definition
Microsoft Power Apps ist eine Low-Code-Plattform der Microsoft Power Platform, mit der sich Web- und Mobil-Geschäftsanwendungen weitgehend ohne klassische Programmierung erstellen und an bestehende Systeme anbinden lassen.
Einordnung
Bestandteil der Microsoft Power Platform und Vertreter der Low-Code-Plattformen.
Kein ERP-System: Power Apps ist eine Entwicklungsplattform und ersetzt kein vollwertiges ERP- oder CRM-System mit eigenen Fachprozessen.
Keine vollständige Individualsoftware: Für sehr komplexe Algorithmen, höchste Performance oder spezielle Laufzeitumgebungen bleibt klassische Individualentwicklung überlegen.
Nicht die gesamte Power Platform: Power Apps ist nur ein Baustein neben Power Automate, Power BI und weiteren Diensten der Power Platform.
Keine eigenständige Datenquelle: Ohne angebundene Daten über Dataverse oder Konnektoren bleibt eine App ohne Inhalt und Funktion.
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Funktionsweise und Grundprinzip
Power Apps verfolgt einen Low-Code-Ansatz: Statt Quellcode zeilenweise zu schreiben, kombinieren Ersteller visuelle Komponenten wie Eingabefelder, Listen, Schaltflächen und Diagramme per Drag-and-drop. Logik wird über Excel-ähnliche Formelausdrücke (Power Fx) hinterlegt. Dadurch können auch fachlich versierte Mitarbeitende ohne tiefe Entwicklerkenntnisse, oft als „Citizen Developer“ bezeichnet, einfache Anwendungen erstellen, während professionelle Entwickler komplexere Szenarien umsetzen. Dieser Charakter macht die Plattform zu einem typischen Vertreter von Low-Code-Plattformen und verwandt mit Konzepten rund um Low-Code-ERP.
Bestandteile und App-Typen
Power Apps unterscheidet im Kern zwei App-Typen. Canvas-Apps erlauben eine freie Gestaltung der Oberfläche, bei der jedes Element frei positioniert wird; sie eignen sich für aufgabenspezifische, oft mobile Anwendungen. Model-driven Apps generieren ihre Oberflächen weitgehend automatisch aus einem zugrunde liegenden Datenmodell und richten sich an strukturierte, datenintensive Prozesse.
Als gemeinsame Datenbasis dient häufig Dataverse, ein verwalteter Datenspeicher mit definierten Tabellen, Beziehungen und Berechtigungen. Über sogenannte Konnektoren lassen sich zahlreiche externe Quellen anbinden, von Datenbanken über SharePoint bis zu Diensten, die per REST-API erreichbar sind. Ergänzt wird die Plattform durch Power Automate für Workflows und Power BI für Auswertungen.
Relevanz im ERP-Kontext
Im Zusammenspiel mit einem ERP-System übernimmt Power Apps typischerweise eine ergänzende Rolle. Standard-ERP deckt zentrale Prozesse wie Buchhaltung, Materialwirtschaft oder Vertrieb ab, lässt aber Spezialanforderungen mitunter offen. Statt das Kernsystem aufwendig anzupassen, lassen sich vorgelagerte oder ergänzende Oberflächen als App bereitstellen, die per Schnittstelle mit dem ERP kommunizieren. Besonders eng ist die Integration mit Microsoft Dynamics 365, da beide auf Dataverse aufsetzen können; grundsätzlich ist über Konnektoren und APIs aber auch die Anbindung anderer Systeme möglich.
Dieser Ansatz, Funktionen außerhalb des monolithischen Kerns flexibel zu ergänzen, berührt Gedanken eines Composable ERP, bei dem sich die Systemlandschaft aus austauschbaren Bausteinen zusammensetzt.
Praxisbeispiel
Ein mittelständischer Fertigungsbetrieb nutzt ein etabliertes ERP-System für Auftragsabwicklung und Lagerführung. Für die mobile Inventur fehlt jedoch eine handliche Oberfläche. Statt eine teure Zusatzentwicklung zu beauftragen, baut die IT-Abteilung eine Canvas-App: Mitarbeitende scannen Barcodes per Tablet, die App prüft Bestände gegen das ERP und schreibt korrigierte Mengen über eine Schnittstelle zurück. Ein nachgelagerter Genehmigungsschritt wird per Power Automate ausgelöst. Das ERP bleibt unverändert, die Oberfläche entsteht in Tagen statt Wochen. Solche punktuellen Erweiterungen sind ein verbreitetes Einsatzmuster.
Auswahl- und Umsetzungshinweise
Vor dem Einsatz sollte geklärt werden, welche Aufgaben sinnvoll per Low-Code abgebildet werden und wo die Grenzen liegen. Wichtige Punkte sind die Lizenzierung, die je nach App-Typ und Konnektor variiert, sowie die Frage, welche Datenquellen über Standard- oder Premium-Konnektoren erreichbar sind. Ebenso bedeutsam sind Governance und Berechtigungen: Wer darf Apps erstellen, wie werden sie freigegeben, getestet und versioniert? Ohne klare Regeln droht eine unübersichtliche Landschaft vieler kleiner Insellösungen.
Aus Architektursicht empfiehlt sich, Power Apps als ergänzende Schicht zu verstehen und Geschäftslogik möglichst dort zu belassen, wo sie hingehört, also in der Regel im führenden System. Verlässliche Schnittstellen, etwa über eine API, sind die Voraussetzung für eine saubere Integration.
Abgrenzung
Power Apps ist kein eigenständiges ERP- oder CRM-System, sondern eine Plattform zum Erstellen von Anwendungen. Ohne angebundene Datenquellen und Logik bleibt eine App leer. Sie ersetzt auch keine vollwertige Individualentwicklung, wenn höchste Performance, sehr komplexe Algorithmen oder spezielle Laufzeitumgebungen gefragt sind. Power Apps ist zudem nicht identisch mit der gesamten Power Platform: Diese umfasst neben Power Apps auch Power Automate, Power BI und weitere Dienste, die zusammenwirken, aber unterschiedliche Zwecke erfüllen.
Microsoft Power Apps ist eine Low-Code-Plattform, mit der Geschäfts-Anwendungen ohne klassische Software-Entwicklung zusammengeklickt werden. Es ist Teil der Microsoft Power Platform zusammen mit Power Automate und Power BI.
Was ist der Unterschied zwischen Canvas und Model-Driven Apps?
Canvas Apps haben Free-Form-Design — Felder und Buttons werden frei platziert, ideal für Mobile-Apps. Model-Driven Apps starten beim Daten-Modell und generieren ein standardisiertes UI — ideal für komplexe CRM-/ERP-Erweiterungen mit Microsoft Dataverse.
Kann ich Power Apps für mein ERP-System nutzen?
Native Integration besteht mit Microsoft Dynamics 365. Für andere ERPs (SAP, NetSuite, SAP) ist Integration via Power Automate Connectors möglich. Power Apps eignet sich besonders für Mobile-Apps, Erfassungs-Tools und ergänzende Erfassungs-Masken.
Was kostet Power Apps?
Der Per-User-Plan kostet ca. 18 €/Monat (alle Apps), der Per-App-Plan ca. 4 €/Monat (eine App). Wenn Dynamics 365 oder Microsoft 365 bereits lizenziert sind, dürfen oft Erweiterungen der vorhandenen Lösung ohne Zusatzkosten gebaut werden.
Wann sollte ich Power Apps statt klassischer ERP-Anpassung nutzen?
Für Frontend-Anpassungen, mobile Use Cases und einfache Workflow-Logik. Vorteile: schnelle Entwicklung (Tage), update-sicher, von Fach-Anwendern erstellbar. Komplexe Geschäfts-Logik gehört weiterhin in den ERP-Kern.