Häufig gestellte Fragen
Was ist ABAP?
ABAP (Advanced Business Application Programming) ist die von SAP entwickelte, proprietäre Programmiersprache, in der ein Großteil der SAP-Anwendungen sowie nahezu jede Individualentwicklung in SAP-Systemen geschrieben ist. Sie entstand Anfang der 1980er-Jahre zunächst als Berichtssprache für das Mainframe-System SAP R/2 und stand ursprünglich für das deutsche "Allgemeiner Berichts-Aufbereitungs-Prozessor", bevor sie in "Advanced Business Application Programming" umbenannt wurde. ABAP gilt als Sprache der vierten Generation (4GL) und ist eng mit dem Datenmodell und der Laufzeitumgebung der SAP-Plattform verzahnt. Außerhalb von SAP-Systemen spielt sie praktisch keine Rolle.
Wofür wird ABAP verwendet?
ABAP dient dazu, betriebswirtschaftliche Logik in SAP-Systemen über den ausgelieferten Standard hinaus zu entwickeln und anzupassen. Typische Einsatzfelder sind Reports und Auswertungen, kundenspezifische Erweiterungen über vorgesehene Erweiterungspunkte wie User-Exits oder BAdIs, Schnittstellen etwa per RFC oder OData sowie Formulare wie Rechnungen und Lieferscheine. Überall dort, wo ein Unternehmen besondere Berechnungen, branchenspezifische Abläufe oder Anbindungen an Drittsysteme benötigt, kommt ABAP als Entwicklersprache zum Einsatz. In ERP-Lösungen anderer Anbieter wird ABAP dagegen nicht verwendet.
Ist ABAP in S/4HANA noch relevant?
Ja, ABAP ist in S/4HANA weiterhin die zentrale Entwicklungssprache und wurde dafür deutlich modernisiert. Neben objektorientiertem ABAP ("ABAP Objects") sind heute das ABAP RESTful Application Programming Model (RAP) und Core Data Services (CDS) maßgeblich, die für die In-Memory-Datenbank SAP HANA und Fiori-Oberflächen optimiert sind. SAP hat mit einer Innovations- und Wartungszusage einen Support für S/4HANA bis 2040 in Aussicht gestellt, sodass ABAP-Know-how auf absehbare Zeit gefragt bleibt. Gleichzeitig verschiebt sich der Stil von tiefen Modifikationen hin zu sauber gekapselten, upgrade-sicheren Erweiterungen.
Was ist der Unterschied zwischen Customizing und ABAP-Entwicklung?
Customizing bezeichnet die Anpassung des SAP-Standards durch Konfiguration und Parametrisierung, also ohne eine einzige Zeile Programmcode. ABAP-Entwicklung erzeugt dagegen echten Individualcode, der zusätzliche Funktionen liefert, die der Standard nicht abdeckt. Customizing ist in der Regel schneller, günstiger und upgrade-sicherer, während Eigenentwicklung in ABAP mehr Möglichkeiten bietet, aber auch Wartungsaufwand und Risiken bei späteren Aktualisierungen mit sich bringt. Eine verbreitete Empfehlung lautet daher, zuerst die Customizing-Optionen auszuschöpfen und nur dort zu programmieren, wo es fachlich unvermeidbar ist.
Brauche ich ABAP-Kenntnisse, wenn ich SAP einführe?
Im Projektteam sollte ABAP-Kompetenz verfügbar sein, entweder intern oder über einen Implementierungspartner, da Reports, Schnittstellen und Erweiterungen in dieser Sprache umgesetzt werden. Als Fachanwender oder Entscheider müssen Sie selbst nicht programmieren können; entscheidend ist, den Umfang der tatsächlich benötigten Eigenentwicklung früh zu klären. SAP empfiehlt mit dem Clean-Core-Prinzip, Erweiterungen über freigegebene Schnittstellen sauber vom Standard zu trennen, um Wartung und spätere Migrationen zu erleichtern. Bei größeren Anpassungen ist es ratsam, die Anforderungen vorab in einem Lastenheft zu dokumentieren.
Was ist der Unterschied zwischen ABAP Cloud und klassischem ABAP?
Klassisches ABAP erlaubte tiefe Eingriffe bis in den SAP-Standardcode hinein und wird traditionell in der SAP-GUI über die ABAP Workbench entwickelt. ABAP Cloud ist das modernere Entwicklungsmodell, das ausschließlich freigegebene, mit einem Stabilitätsversprechen versehene Schnittstellen ("released APIs") und definierte Erweiterungspunkte nutzt und damit das Clean-Core-Prinzip erzwingt. Entwickelt wird ABAP Cloud nur noch in den ABAP Development Tools (ADT) auf Basis von Eclipse, nicht mehr in der klassischen Oberfläche. Ziel ist es, Erweiterungen upgrade-sicher und cloud-fähig zu halten, sodass künftige Aktualisierungen ohne Konflikte mit dem Standard möglich bleiben.
Wie unterscheidet sich ABAP von Sprachen wie Java oder Python?
ABAP ist eine domänenspezifische Sprache für betriebswirtschaftliche Anwendungen und läuft nur innerhalb der eigenen Laufzeitumgebung der SAP-Plattform, dem Application Server. Anders als die universell einsetzbaren Sprachen Java oder Python ist ABAP außerhalb von SAP-Systemen kaum verwendbar und eng an deren Datenmodell gebunden, etwa über das integrierte Open SQL für datenbankunabhängige Zugriffe. Dafür bringt ABAP viele betriebswirtschaftliche Konzepte und die Anbindung an das SAP-Data-Dictionary bereits mit. Es handelt sich um eine vollwertige Programmiersprache und unterscheidet sich damit auch von rein visuellen Low-Code-Ansätzen.
Lohnt sich ABAP angesichts des SAP-ECC-Supportendes 2027 noch?
Ja, denn das näher rückende Wartungsende verstärkt die Nachfrage nach ABAP-Kompetenz eher, als dass es sie verringert. Die Mainstream-Wartung für SAP ERP 6.0 (ECC) mit den Enhancement Packages 6 bis 8 endet zum 31. Dezember 2027, eine optionale erweiterte Wartung ist gegen Aufpreis bis Ende 2030 verfügbar, und viele Bestandskunden müssen ihren über Jahre gewachsenen ABAP-Eigencode für die Umstellung auf S/4HANA analysieren und anpassen. Da nach Schätzungen ein Großteil der ECC-Kunden den Umstieg noch vor sich hat, ist während der Migrationsphase mit hohem Bedarf an ABAP-Fachwissen zu rechnen. Für S/4HANA selbst gilt die ABAP-Entwicklung ohnehin als langfristig tragend, weshalb das Know-how nicht an Bedeutung verliert.
