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Häufig gestellte Fragen

Welche ERP-Systeme werden multi-tenant betrieben?

Zu den bekanntesten echten Multi-Tenant-Cloud-ERPs zählen Oracle NetSuite, SAP S/4HANA Cloud Public Edition, Workday, Sage Intacct und Acumatica, deren Anbieter alle Kunden auf einer gemeinsam genutzten Instanz bedienen. Auch Editionen von Microsoft Dynamics 365 und Odoo werden je nach Variante in diesem Modell betrieben, während dieselben Hersteller teils auch dedizierte Single-Tenant-Optionen anbieten. Wichtig ist die Unterscheidung nach Edition: SAP etwa trennt die multi-tenant betriebene Public Edition klar von der single-tenant betriebenen Private Edition. Für branchenspezifische Anforderungen lohnt zudem der Blick auf Spezialisten wie ams.erp (Maschinenbau) oder CSB-System (Lebensmittel), die nicht zwingend multi-tenant arbeiten.

Was ist der Unterschied zwischen Multi-Tenant- und Single-Tenant-ERP?

Bei einem Multi-Tenant-ERP teilen sich viele unabhängige Kunden eine einzige Software-Instanz und in der Regel dieselbe Infrastruktur, wobei die Daten logisch über eine Mandanten-Kennung getrennt werden. Beim Single-Tenant-Modell erhält dagegen jeder Kunde eine eigene, dedizierte Instanz mit eigener Anwendung und Datenbank. Multi-Tenancy ermöglicht zentrale, einheitliche Updates und niedrigere anteilige Betriebskosten, schränkt aber tiefe Individualisierungen ein. Single-Tenant bietet mehr Isolation, mehr Anpassungsfreiheit und Kontrolle über den Update-Zeitpunkt, erfordert dafür aber höheren Pflegeaufwand und ist meist teurer.

Wie sicher sind die Daten in einem Multi-Tenant-ERP?

Die Datentrennung erfolgt in Multi-Tenant-Systemen meist logisch: Jeder Datensatz trägt eine Mandanten-Kennung, und jede Datenbankabfrage wird strikt nach dieser ID gefiltert, ergänzt durch Verschlüsselung und rollenbasierte Zugriffskontrolle. Je nach Architektur reicht die Isolation von gemeinsamem Datenbankschema über getrennte Schemata bis zu einer eigenen Datenbank je Mandant, wobei die Isolation in dieser Reihenfolge zunimmt. Befürworter argumentieren, dass professionelle Anbieter alle Kunden gleichzeitig auf hohem Niveau absichern und so oft mehr Sicherheit bieten als einzelne On-Premises-Installationen. Kritisch bleibt jedoch, dass rein logische Trennung keine physische oder kryptografische Isolation darstellt und Konfigurationsfehler theoretisch mehrere Mandanten betreffen können.

Ist ein Multi-Tenant-ERP DSGVO-konform?

Ein Multi-Tenant-ERP kann DSGVO-konform betrieben werden, sofern der Anbieter EU-Hosting, einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) und nachweisbare technisch-organisatorische Maßnahmen zur Mandantentrennung bietet. Da sich mehrere Unternehmen eine Plattform teilen, sollten Datenstandort, Subunternehmer und Löschkonzepte vertraglich besonders klar geregelt sein. Bei US-amerikanischen Cloud-Anbietern bleibt wegen des CLOUD Act und der nach dem Schrems-II-Urteil bestehenden Rechtslage eine Restunsicherheit, die durch das EU-US Data Privacy Framework adressiert, aber nicht vollständig ausgeräumt wird; gegen den 2023 erteilten Angemessenheitsbeschluss ist eine Klage beim EuGH anhängig. Für besonders sensible Daten empfiehlt sich daher EU-Hosting oder ein Anbieter ohne US-Konzernbindung.

Kann ich ein Multi-Tenant-ERP individuell anpassen und Updates selbst steuern?

Tiefe Eingriffe in den Quellcode sind in Multi-Tenant-ERPs nicht möglich, weil Code und Laufzeit von allen Mandanten geteilt werden und eine Kernänderung sonst alle Kunden beträfe. Anpassungen erfolgen stattdessen über Konfiguration, vordefinierte Erweiterungspunkte und Schnittstellen; bei SAP S/4HANA Cloud Public Edition etwa über Key-User-Werkzeuge (In-App-Extensibility) sowie über lose gekoppelte Side-by-Side-Erweiterungen auf der Business Technology Platform statt über klassisches ABAP-Customizing. Updates spielt der Anbieter zentral und für alle Mandanten gleichzeitig ein, oft in einem festen Release-Rhythmus mit mehreren Aktualisierungen pro Jahr. Das entlastet die eigene IT, nimmt dem Unternehmen aber die Kontrolle über den genauen Update-Zeitpunkt, was in stark regulierten Umgebungen relevant sein kann.

Ist ein Multi-Tenant-ERP automatisch günstiger und leistungsfähiger?

Durch die gemeinsam genutzte Infrastruktur sinken die anteiligen Betriebskosten häufig, und Ressourcen lassen sich elastisch nach Bedarf zuteilen, weshalb Multi-Tenant-Modelle oft als kostengünstig gelten. Ein pauschaler Kostenvorteil ist damit aber nicht garantiert, da Lizenz-, Anpassungs- und Integrationskosten den Gesamtaufwand maßgeblich prägen. Bei der Leistung kann das sogenannte Noisy-Neighbour-Problem auftreten, wenn ein einzelner Mandant durch sehr ressourcenintensive Abfragen oder Lasten die geteilte Plattform überlastet und andere Mandanten verlangsamt. Seriöse Anbieter begegnen dem mit Ressourcen-Limits, Lastverteilung und teils mandantenspezifischer Datenbank-Isolation, weshalb Service-Level-Agreements zur Verfügbarkeit ein zentrales Auswahlkriterium sind.