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Häufig gestellte Fragen

Wann ist Brownfield die richtige Wahl und wann Greenfield?

Brownfield empfiehlt sich, wenn die bestehenden Prozesse weiterhin tragfähig sind, Datenkontinuität und historische Bewegungsdaten wichtig sind und nur ein kurzes Projektfenster zur Verfügung steht. Greenfield ist dagegen sinnvoll, wenn Abläufe grundlegend überarbeitet werden sollen, das gewachsene Customizing zur Last geworden ist oder ein bewusster Neuanfang mit Standardprozessen gewünscht wird. In der Praxis entscheiden sich beim Umstieg auf SAP S/4HANA Branchenbeobachtungen zufolge mehr Unternehmen für Brownfield oder hybride Wege als für einen kompletten Greenfield-Neuaufbau. Die konkrete Ausprägung hängt von ERP-System, Branche und Customizing-Tiefe ab und sollte mit dem jeweiligen Anbieter abgestimmt werden.

Welche Risiken birgt eine Brownfield-Migration?

Das größte Risiko besteht darin, dass technische Schulden und veraltete Prozesse unreflektiert in das neue System übernommen werden, weil die rein technische Konvertierung Abläufe nicht von selbst verschlankt. Kundeneigener Code blockiert mitunter Standardfunktionen und erschwert künftige Releases, und nicht dokumentierte Eigenentwicklungen können bei der Übernahme zu Fehlern führen. Auch eine unsaubere Datenbasis wird mitkonvertiert, weshalb eine vorgelagerte Datenbereinigung als zentraler Erfolgsfaktor gilt. Viele Projekte flankieren die Migration daher mit einem selektiven Bereinigungsprogramm, um Altlasten gezielt zu reduzieren.

Wie lange dauert ein Brownfield-Projekt?

Eine Brownfield-Konvertierung dauert je nach Systemgröße und Customizing-Tiefe typischerweise rund 6 bis 12 Monate und ist damit in der Regel deutlich kürzer als ein Greenfield-Neuaufbau, der sich häufig über 18 bis 36 Monate erstreckt. Der Zeitvorteil entsteht, weil Prozessdesign und Datenmodell nicht von Grund auf neu konzipiert werden müssen. Erfahrungsgemäß überschreiten ERP-Projekte ihren ursprünglichen Zeitplan dennoch häufig, weshalb realistische Puffer eingeplant werden sollten. Als wichtiger Hebel für Termintreue gilt ein dedizierter interner Projektleiter mit Entscheidungsbefugnis und hoher Verfügbarkeit.

Was passiert bei einer Brownfield-Migration mit dem eigenen Code und Customizing?

Customizing und kundeneigene Erweiterungen werden bei Brownfield grundsätzlich übernommen, müssen aber an die Datenstrukturen und Funktionslogik der neuen Plattform angepasst werden. Bei einer SAP-S/4HANA-Conversion geschieht das etwa über eine Custom-Code-Analyse und die Anpassung von ABAP-Modifikationen mit den dafür vorgesehenen Werkzeugen sowie über die Prüfung sogenannter Simplification Items, die geänderte oder entfallene Funktionen kennzeichnen. Erfahrungswerte aus SAP-Umfeldern zeigen, dass nur ein Teil des ursprünglichen Eigen-Codes tatsächlich produktiv weitergenutzt wird, während ungenutzte Anpassungen im Zuge der Analyse aussortiert werden. Eine ehrliche Bestandsaufnahme, welche Eigenentwicklungen geschäftskritisch sind und welche sich durch Standardfunktionen ersetzen lassen, ist daher essenziell.

Ist eine selektive Migration oder ein Bluefield-Ansatz eine sinnvolle Alternative?

Ja, zwischen reinem Brownfield und Greenfield gibt es Mischformen, die häufig als selektive Datenmigration oder Bluefield bezeichnet werden. Dabei wird ein neues System aufgesetzt, in das ausgewählte Datenbestände und Prozesse gezielt übernommen werden, während andere Bereiche bewusst neu aufgebaut und bereinigt werden. Dieser hybride Weg kombiniert die Datenkontinuität von Brownfield mit der Prozessmodernisierung von Greenfield und wird zunehmend genutzt, ist aber methodisch anspruchsvoller. Die konkrete Ausgestaltung variiert je nach Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des jeweiligen ERP-Setups und sollte projektindividuell bewertet werden.

Welche Rolle spielt das Wartungsende von SAP ECC für Brownfield-Migrationen?

Für SAP-Bestandskunden ist der Migrationsdruck konkret terminiert, da die reguläre Mainstream-Wartung für SAP ECC 6.0 (EHP 6 bis 8) nach derzeitigem Stand Ende 2027 ausläuft und eine kostenpflichtige erweiterte Wartung bis Ende 2030 angeboten wird. Weil Brownfield den schnellsten Weg auf die Nachfolgeplattform S/4HANA darstellt, wählen viele Unternehmen diesen Ansatz vor allem zur fristgerechten technischen Compliance. Wer dagegen die Geschäftsprozesse grundlegend transformieren will, nimmt eher einen Greenfield- oder selektiven Weg in Kauf, der mehr Vorlaufzeit benötigt. Da sich Wartungsfristen und Konditionen ändern können und je nach Release abweichen, sollten der aktuelle Stand und die individuellen Vertragsbedingungen stets direkt beim Hersteller verifiziert werden.