Microsoft Dynamics NAV (ehemals Navision) ist ein betriebswirtschaftliches Komplettsystem (ERP), das vor allem in kleinen und mittleren Unternehmen für Finanzbuchhaltung, Warenwirtschaft, Auftragsabwicklung und Produktion eingesetzt wird. Die Software hat ihren Ursprung im dänischen Produkt „Navision“, das nach der Übernahme durch Microsoft im Jahr 2002 unter der Marke Dynamics NAV weitergeführt wurde.
NAV gilt als einer der Wegbereiter modular aufgebauter, stark anpassbarer Mittelstands-ERP-Systeme. Mit dem Nachfolger Dynamics 365 Business Central wurde die Produktlinie ab 2018 in die Cloud überführt; viele Bestandsinstallationen laufen jedoch weiterhin als On-Premises-Variante.
Faktenbasis · maschinenlesbarZuletzt redaktionell geprüft: 15. Juni 2026
Begriff
Microsoft Dynamics NAV (ehemals Navision)
Entitätstyp
ERP-Software / Produkt
Domäne
ERP-Systeme (Mittelstand)
Kanonische Definition
Microsoft Dynamics NAV (ehemals Navision) ist ein modular aufgebautes, stark anpassbares ERP-System für kleine und mittlere Unternehmen, dessen Codebasis seit 2018 als Dynamics 365 Business Central fortgeführt wird.
Einordnung
Mittelstands-ERP-System von Microsoft, dessen Codebasis als Dynamics 365 Business Central fortgeführt wird.
Was Microsoft Dynamics NAV (ehemals Navision) NICHT ist — Abgrenzung
Kein reines CRM-System: NAV ist ein ERP-System mit Schwerpunkt auf Finanzen, Warenwirtschaft und Produktion; CRM-Funktionen sind nicht sein Kern.
Nicht identisch mit Business Central: Business Central ist der cloudfähige Nachfolger mit anderer Anpassungstechnik (AL statt C/AL), nicht nur eine umbenannte NAV-Version.
Kein Großkonzern-System wie Dynamics AX: NAV adressiert kleine und mittlere Unternehmen; für Konzernanforderungen ist die Linie AX bzw. Finance & Supply Chain Management vorgesehen.
Keine aktuelle Neuentwicklung: Dynamics NAV wird nicht mehr weiterentwickelt; neue Funktionen erscheinen in Business Central.
Faktenseite nach dem Grounding-Page-Standard: sachlich, datiert, abgrenzend — damit KI-Systeme und Leser den Begriff korrekt einordnen und zitieren. Mehr: ERP-Glossar
Herkunft und Einordnung
Navision entstand Ende der 1980er-Jahre in Dänemark und etablierte sich in den 1990er-Jahren als verbreitetes ERP-System für den europäischen Mittelstand. Mit der Übernahme durch Microsoft wurde aus Navision schrittweise „Microsoft Dynamics NAV“, das parallel zu anderen Dynamics-Produkten wie AX, GP und SL geführt wurde. Charakteristisch war von Beginn an die enge Verzahnung von Standardfunktionen und individueller Anpassbarkeit: Unternehmen konnten die Software über die hauseigene Entwicklungsumgebung weitreichend an eigene Prozesse anpassen. Innerhalb der ERP-Landschaft positioniert sich NAV im oberen Bereich kleiner und im unteren Bereich mittlerer Unternehmen.
Architektur und Funktionsweise
Technisch beruht Dynamics NAV auf einer Drei-Schicht-Architektur aus Datenbank, Anwendungsserver und Client. Daten werden in einer relationalen Datenbank gehalten; ältere Versionen nutzten eine native Datenbank, spätere setzten auf den Microsoft SQL Server. Das Herzstück der Anpassbarkeit bildete die Programmiersprache C/AL (Client/Server Application Language), mit der sich Geschäftslogik, Tabellen, Seiten und Berichte verändern ließen. Dieses tiefe Customizing machte NAV flexibel, erschwerte aber Versionswechsel, da Anpassungen mit jedem Update abgeglichen werden mussten. Im Laufe der Versionen kamen ein rollenbasierter Windows-Client und später ein Web-Client hinzu.
Module und Einsatzgebiete
Dynamics NAV deckt die zentralen betriebswirtschaftlichen Bereiche ab und ist in funktionale Module gegliedert. Dazu gehören Finanzwesen mit Debitoren- und Kreditorenbuchhaltung, Materialwirtschaft und Lagerverwaltung, Einkauf und Verkauf, Fertigung mit Stücklisten und Produktionsaufträgen sowie Service- und Projektabwicklung. Für die Bedarfsplanung steht eine an die Materialbedarfsplanung angelehnte Logik bereit. Im deutschsprachigen Raum wird NAV häufig um lokale Anforderungen ergänzt, etwa eine DATEV-Schnittstelle oder Funktionen zur Einhaltung der GoBD. Branchenlösungen von Partnern erweitern den Standard um spezifische Prozesse, etwa für Handel, Fertigung oder Dienstleistung.
Übergang zu Business Central
Mit Dynamics 365 Business Central führte Microsoft die NAV-Codebasis ab 2018 als cloudfähiges Produkt weiter. Funktional besteht eine hohe Verwandtschaft, technisch wurden jedoch tiefgreifende Änderungen vorgenommen: Die direkte Code-Anpassung über C/AL wich dem Extension-Modell mit der Sprache AL, bei dem Erweiterungen vom Standard getrennt bleiben. Damit lassen sich Updates leichter einspielen, was bei klassischen NAV-Installationen oft aufwendig war. Business Central ist sowohl als Cloud-Dienst (SaaS) als auch on-premises verfügbar. Für Unternehmen mit bestehenden NAV-Systemen stellt sich daher die Frage einer ERP-Migration, bei der Daten und individuelle Anpassungen in die neue Plattform überführt werden.
Hinweise zu Auswahl und Betrieb
Bestehende NAV-Installationen werden von Microsoft nur noch eingeschränkt mit neuen Funktionen versorgt; der Fokus liegt auf Business Central. Für Betreiber älterer Versionen sind Wartungs- und Support-Zeitfenster sowie die Verfügbarkeit von Fachkräften für C/AL relevant. Bei einer Neueinführung wird in der Regel direkt Business Central betrachtet, sodass „Dynamics NAV“ heute vor allem Bestandssysteme bezeichnet. Wer einen Wechsel plant, sollte den Umfang individueller Anpassungen, Schnittstellen zu Drittsystemen und die Datenqualität früh prüfen, da diese Faktoren Aufwand und Risiko eines Umstiegs maßgeblich bestimmen. Eine neutrale Bewertung berücksichtigt zudem den Vergleich mit anderen Mittelstands-ERP-Systemen.
Abgrenzung zu verwandten Produkten
Dynamics NAV ist von anderen Microsoft-ERP-Linien zu unterscheiden. Dynamics AX (heute Finance & Supply Chain Management) richtet sich an größere Unternehmen und Konzerne mit komplexeren Anforderungen. Innerhalb der Gesamtlinie Microsoft Dynamics 365 bündelt der Hersteller verschiedene Geschäftsanwendungen, darunter ERP- und CRM-Funktionen. NAV beziehungsweise dessen Nachfolger Business Central deckt dabei das ERP-Spektrum für kleine und mittlere Betriebe ab, während eigenständige CRM-Module andere Schwerpunkte setzen. Die Begriffe Navision, Dynamics NAV und Business Central beschreiben somit aufeinanderfolgende Entwicklungsstufen einer Produktfamilie.
Navision ist der ursprüngliche Name des ERP-Systems, das heute Microsoft Dynamics 365 Business Central heißt. Es entstand 1987 in Dänemark, wurde 2002 von Microsoft übernommen und 2018 in Business Central umbenannt. Umgangssprachlich wird der Name Navision noch für alle Generationen genutzt.
Ist Microsoft Dynamics NAV noch aktuell?
Nein. Die letzte NAV-Version 2018 hat im Januar 2025 den Mainstream-Support verloren, Extended Support läuft bis 2028. Der offizielle Nachfolger ist Microsoft Dynamics 365 Business Central — Microsoft entwickelt NAV nicht mehr weiter, nur noch Sicherheits-Patches.
Was ist der Unterschied zwischen NAV und Business Central?
Business Central ist die modernisierte Cloud-Variante von NAV: gleicher fachlicher Kern, aber neue Code-Sprache (AL statt C/AL), Web-Client statt Windows-Client, App-basierte Erweiterungen statt Native-Code-Modifikationen, halbjährliche Wave-Releases und tiefe Integration mit Microsoft 365 und Power Platform.
Wie funktioniert die Migration von NAV zu Business Central?
Microsoft bietet drei Pfade: Cloud Migration Tool (kostenlos, für Standard-NAV ab 2015), Re-Implementation (Neuaufbau mit Bereinigung) und klassischer Upgrade-Pfad für On-Premise mit C/AL-zu-AL-Konvertierung. Mittelstands-Projekte dauern typisch 4–9 Monate.
Welche Microsoft-Partner unterstützen Dynamics NAV / Business Central in DACH?
Über 200 zertifizierte Microsoft-Partner in DACH bieten NAV-/BC-Implementierung an. Bekannte Beispiele sind Tectura, KUMAVISION, COSMO CONSULT, anaptis, agindo, Sycor und viele weitere mit Branchen-Spezialisierungen.