Datenmigration – ERP-Daten ins neue System
Die Datenmigration ist die mit Abstand häufigste Ursache für gescheiterte ERP-Projekte. Stammdaten, offene Posten, historische Belege und Konfigurationen müssen sauber ins neue System übertragen werden — und exakt mit dem Altbestand abgleichbar bleiben.
Migrationsphasen
- Quell-Analyse und Profiling
- Datenbereinigung im Altsystem
- Mapping zu neuem Datenmodell
- ETL-Strecke entwickeln
- Test-Migrationen (mind. 4-6)
- Cutover-Migration produktiv
- Reconciliation und Dokumentation
Tools
- SAP S/4HANA Migration Cockpit
- SAP LSMW / SAP DMS
- Microsoft Configuration Migration Tool
- Talend Data Integration, Informatica
- Im Mittelstand oft Excel + ERP-Importer
Häufige Probleme
- Datenqualität schlechter als erwartet
- Fehlende Pflichtfelder im Quellsystem
- Mehrfach-Belegungen (z.B. Lieferant 3× erfasst)
- Charakter-Encoding (UTF-8 vs. Windows-1252)
- Lange Test-Migrationszeiten bei großen Datenmengen
Praxis-Beispiel
Ein Logistik-Unternehmen mit 1.100 Mitarbeitern migrierte 2024 von SAP R/3 nach S/4HANA. Migrations-Umfang: 14 Mio. Stammdatensätze, 870 Mio. Bewegungsdaten der letzten 7 Jahre. Zwei Test-Migrationen liefen je 38 Stunden, identifizierten 14.300 Datenqualitäts-Probleme (meist Dubletten, ungültige Steuer-Codes, fehlerhafte Kostenstellen). Cleanup dauerte 4 Monate. Die produktive Migration lief am Wochenende (54 h) erfolgreich – Go-Live am Montag 04:30 Uhr.
Typische Fallstricke
- Bewegungsdaten-Migration unterschätzt – Performance-Tests bei realer Datenmenge zwingend
- Charset-Probleme (z.B. Umlaute aus Mainframe-Quellsystemen) können erst nach Wochen auffallen
- Reconciliation-Reports (Soll vs. Ist nach Migration) müssen automatisiert sein, nicht manuell
Praxis-Beispiel
Bei einem ERP-Wechsel migriert ein Mittelständler 80.000 Kunden, 250.000 Artikel und 2 Mio. Bewegungs-Datensätze aus dem alten System ins neue. Der ETL-Prozess (Extract-Transform-Load) bereinigt dabei: Duplikate werden zusammengeführt, Pflichtfelder ergänzt, Adress-Formate normalisiert. Drei Test-Migrationen vor dem Cutover validieren die Logik. Aufwand typisch 30-80 Personentage über 3-6 Monate. Häufigster Migrations-Fehler: unterschätzte Datenqualität — wer in der Analyse 5 % Probleme findet, hat in der Migration 25 % Aufwand.
Welche Daten sollten historisch migriert werden? Stammdaten vollständig, Bewegungsdaten 1-2 Jahre operativ, Buchhaltung zum Stichtag (Eröffnungsbilanz). Steuerlich relevante Historie 10 Jahre — meist als Read-Only im Altsystem. Wer führt die Datenmigration durch? Triple-Konstellation: ERP-Anbieter kennt das Ziel-System, interne IT die Datenrealität, Fachbereich-Key-User validiert. Reine Anbieter-Migration scheitert oft an Datenrealität.
Verwandte Begriffe: Datenmigration-Ratgeber, ETL, MDM
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Häufig gestellte Fragen
Wieviel Daten migrieren?
Stammdaten + offene Posten zwingend. Historische Belege optional — oft 5-10 Jahre rückwirkend, aber nicht unbedingt produktiv-online (kalt-archiviert reicht oft).
In der Praxis variiert die genaue Ausgestaltung je nach Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups.
