Häufig gestellte Fragen
Gibt es eine Norm oder einen Standard für Konfigurations-Management?
Die zentrale internationale Referenz ist die ISO 10007 (in Deutschland als DIN ISO 10007 übernommen, in der aktuellen Fassung ISO 10007:2017 beziehungsweise der deutschen Ausgabe DIN ISO 10007:2020-10), die als Leitfaden für Konfigurationsmanagement innerhalb des Qualitätsmanagements gilt. Sie gliedert das Konfigurations-Management in vier Teilprozesse: Konfigurationsidentifizierung, Konfigurationsüberwachung beziehungsweise Änderungssteuerung, Buchführung über den Konfigurationsstatus sowie Konfigurationsaudit. Im IT-nahen Umfeld greift zusätzlich das Rahmenwerk ITIL, das eine Configuration Management Database (CMDB) zur Verwaltung von Konfigurationseinheiten und ihren Abhängigkeiten vorsieht. Welche dieser Vorgaben verbindlich relevant ist, hängt von Branche, Regulierung und der konkreten Systemlandschaft ab.
Was ist der Unterschied zwischen Konfigurations-Management und einem Backup?
Ein Backup ist eine Sicherungskopie, die bereits verlorene oder beschädigte Daten nachträglich wiederherstellt, also rückwärtsgerichtet wirkt. Konfigurations-Management setzt dagegen vorausschauend an und verhindert ungewollte oder unbemerkte Zustandsänderungen durch geregelte Antrags-, Freigabe- und Transportprozesse von vornherein. Während ein Backup lediglich den Datenstand zu einem Zeitpunkt einfriert, dokumentiert das Konfigurations-Management lückenlos, wer wann welche Einstellung aus welchem Grund verändert hat. Beide ergänzen sich, ersetzen sich aber nicht: Das Backup bleibt das Sicherheitsnetz, das Konfigurations-Management der ordnende Rahmen für kontrollierte Änderungen.
Was unterscheidet As-designed von As-built und As-maintained?
Diese drei Begriffe beschreiben unterschiedliche Konfigurationsstände eines Produkts über seinen Lebenszyklus hinweg. As-designed bezeichnet die ursprüngliche Engineering-Vorgabe, also die Konfiguration so, wie sie konstruiert und freigegeben wurde. As-built beschreibt die tatsächlich gefertigte und ausgelieferte Konfiguration, die etwa wegen Materialsubstitution oder Lieferengpässen von der Vorgabe abweichen kann. As-maintained gibt schließlich den aktuellen Stand inklusive aller späteren Service-Updates, Retrofits und Reparaturen wieder und ist besonders für die langfristige Wartung sicherheitskritischer Anlagen entscheidend.
Welche Branchen brauchen striktes Konfigurations-Management?
Besonders strenge Anforderungen bestehen in der Luft- und Raumfahrt, der Verteidigung, der Medizintechnik, der Energieerzeugung mit Kraftwerken sowie im Bahnsektor. In all diesen Bereichen verlangen Zulassungsbehörden, Sicherheitsaudits und langfristige Wartungspflichten einen jederzeit exakt nachvollziehbaren Konfigurationsstand jeder Komponente. Die genaue Umsetzung variiert dabei je nach ERP-System und Branche, weshalb die konkrete Ausprägung mit dem jeweiligen Anbieter abgestimmt werden sollte. Praxis-Relevanz und Implementierungsaufwand hängen stark von der bestehenden Systemlandschaft und den abzubildenden Geschäftsprozessen ab.
Wann brauche ich Engineering Change Management (ECM)?
Engineering Change Management wird relevant, sobald ein Unternehmen eigene Produkte mit mehrstufigen Stücklisten entwickelt und technische Änderungen kontrolliert über deren Lebenszyklus steuern muss, was im Maschinenbau, in der Automotive-Branche und in der Elektronik nahezu durchgängig der Fall ist. Ein systematischer Ablauf gliedert sich typischerweise in Änderungsantrag (Engineering Change Request, ECR), freigegebenen Änderungsauftrag (Engineering Change Order, ECO) und abschließende Änderungsmitteilung (Engineering Change Notice, ECN). In der Praxis variiert die genaue Ausgestaltung je nach Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups. Eine fundierte Einschätzung erfordert daher immer den Blick auf die individuellen Geschäftsprozesse und die IT-Roadmap des Unternehmens.
Sollte Engineering Change Management im ERP oder im PLM-System laufen?
Klassisch ist das Engineering Change Management im PLM- beziehungsweise PDM-System angesiedelt, das die Engineering-Sicht mit CAD-Daten, Konstruktionsstücklisten und technischen Dokumenten verwaltet, während das ERP-System die Übergabe erst nach erfolgter Freigabe übernimmt. Über bidirektionale Schnittstellen werden Produkt- und Artikelinformationen zwischen beiden Welten synchronisiert, sodass Änderungen koordiniert in Beschaffung, Fertigung und Disposition wirksam werden. Manche Hersteller integrieren das Änderungswesen jedoch vollständig in das ERP-System, sodass keine separate PLM-Lösung nötig ist. Welcher Weg sinnvoll ist, hängt von der Entwicklungstiefe, der Änderungsfrequenz und der vorhandenen Systemlandschaft ab und sollte individuell bewertet werden.
