Eine BOM (Bill of Materials), auf Deutsch Stückliste, ist die strukturierte Auflistung aller Komponenten, Baugruppen, Rohstoffe und Hilfsmittel, die zur Fertigung eines Produkts benötigt werden. Sie beschreibt, aus welchen Teilen ein Erzeugnis besteht und in welcher Menge sie jeweils eingehen.
In ERP-Systemen bildet die Stückliste das Bindeglied zwischen Konstruktion, Materialwirtschaft und Produktionsplanung. Sie ist die Grundlage für Bedarfsermittlung, Kalkulation und Fertigungssteuerung und damit eine der zentralen Stammdaten-Strukturen im verarbeitenden Gewerbe.
Faktenbasis · maschinenlesbarZuletzt redaktionell geprüft: 15. Juni 2026
Begriff
BOM
Entitätstyp
Stammdaten-Struktur / Konzept der Produktionsplanung
Domäne
Produktion / Materialwirtschaft im ERP
Kanonische Definition
Eine Bill of Materials (BOM) bzw. Stückliste ist die strukturierte Auflistung aller Komponenten, Baugruppen und Rohstoffe samt Mengen, die zur Fertigung eines Produkts benötigt werden.
Einordnung
Die BOM ist eine fertigungsnahe Stammdaten-Struktur und bildet die Datenbasis für die Materialbedarfsplanung (MRP) sowie die Vorkalkulation im ERP.
Kein Arbeitsplan: Die Stückliste sagt, woraus ein Produkt besteht, nicht wie es gefertigt wird. Die Abfolge der Arbeitsschritte beschreibt der separate Arbeitsplan.
Kein MRP-Lauf: Die BOM ist die Datengrundlage, nicht die Planung selbst. Erst die Materialbedarfsplanung löst die Stückliste auf und erzeugt Bestell- und Fertigungsvorschläge.
Keine Lagerbestandsliste: Eine Stückliste beschreibt den Soll-Aufbau eines Erzeugnisses, nicht den aktuell verfügbaren Bestand an Teilen im Lager.
Kein Konstruktionszeichnungs-Ersatz: Die BOM listet Komponenten und Mengen, ersetzt aber keine CAD-Zeichnung oder technische Spezifikation des Bauteils.
Funktionsweise und Grundprinzip
Eine Stückliste ordnet einem übergeordneten Erzeugnis (dem „Kopfartikel") eine Reihe von Positionen zu. Jede Position verweist auf einen Artikel aus den Stammdaten und nennt die benötigte Menge, eine Mengeneinheit und häufig zusätzliche Angaben wie Ausschussfaktor, Gültigkeitszeitraum oder Verbauort. Aus diesen Beziehungen entsteht eine hierarchische Struktur: Ein fertiges Produkt setzt sich aus Baugruppen zusammen, diese wiederum aus Einzelteilen und Rohstoffen.
Man unterscheidet je nach Darstellung mehrere Stücklistenformen. Die einstufige Stückliste zeigt nur die direkt untergeordnete Ebene, die mehrstufige bildet die gesamte Erzeugnisstruktur bis zum Rohstoff ab. Die Baukastenstückliste beschreibt jede Baugruppe für sich und wird über Verweise verknüpft, was Mehrfachverwendungen effizient abbildet. Daneben existieren Mengenübersichtsstücklisten, die alle Bestandteile aufsummiert ohne Hierarchie darstellen.
Bestandteile und Datenfelder
Eine vollständige BOM enthält pro Position typischerweise Artikelnummer, Bezeichnung, Menge je Erzeugniseinheit, Mengeneinheit sowie einen Positionstyp (etwa Lagerteil, Phantombaugruppe oder Dokumentposition). Weitere Felder steuern die Disposition: Beschaffungsart (Eigenfertigung oder Fremdbezug), Alternativ- und Ersatzteile, Gültigkeitsdaten für Konstruktionsstände sowie Bezüge zu Arbeitsplänen.
In der Industrie werden oft mehrere Sichten auf dasselbe Produkt geführt. Die Konstruktionsstückliste (EBOM, Engineering BOM) entsteht im CAD- oder PLM-System und beschreibt das Produkt aus Entwicklungssicht. Die Fertigungsstückliste (MBOM, Manufacturing BOM) ist für die Produktion aufbereitet und berücksichtigt Montagereihenfolge, Verpackung und Hilfsstoffe. Die saubere Überführung von EBOM zu MBOM ist eine häufige Integrationsaufgabe zwischen PLM und ERP.
Relevanz im ERP-Kontext
Im ERP ist die Stückliste die Datenbasis für mehrere Kernprozesse. Die Materialbedarfsplanung (MRP) löst die Stückliste „auf", multipliziert die Komponentenmengen mit der geplanten Erzeugnismenge und ermittelt daraus Sekundärbedarfe für Einkauf und Eigenfertigung. Ohne korrekte BOM liefert die Disposition falsche Bestell- und Fertigungsvorschläge.
Auch die Vorkalkulation stützt sich auf die Stückliste: Über die hinterlegten Materialpreise und die mit dem Arbeitsplan verbundenen Fertigungskosten lassen sich Herstellkosten und Deckungsbeiträge kalkulieren. Bei der Rückmeldung eines Fertigungsauftrags bucht das System die laut Stückliste eingesetzten Mengen vom Lager ab und verbucht das Fertigerzeugnis als Zugang. So verbindet die BOM Planung, Bestandsführung und Kostenrechnung in einem konsistenten Datenfluss.
Praxisbeispiel
Ein Maschinenbauer fertigt eine Förderbandanlage. Die mehrstufige Stückliste umfasst auf oberster Ebene die Baugruppen Antriebseinheit, Bandgerüst und Steuerschrank. Die Antriebseinheit besteht ihrerseits aus Motor, Getriebe, Kupplung und Befestigungsmaterial. Plant die Arbeitsvorbereitung 20 Anlagen, ermittelt das ERP über die Stücklistenauflösung automatisch den Bedarf an 20 Motoren, 20 Getrieben und der entsprechenden Anzahl Schrauben.
Wird der Motor durch ein Nachfolgemodell ersetzt, sorgt ein gepflegtes Gültigkeitsdatum dafür, dass laufende Aufträge noch die alte Variante verwenden, während neue Aufträge den neuen Motor ziehen. Bei konfigurierbaren Produkten kommt eine Variantenstückliste zum Einsatz, die je nach Kundenkonfiguration die passenden Komponenten auswählt – ein typisches Szenario der Variantenfertigung.
Hinweise zu Pflege und Umsetzung
Die Qualität der Stücklisten entscheidet maßgeblich über die Verlässlichkeit der Produktionsplanung. Entscheidend sind eine konsequente Stammdatenpflege, klare Verantwortlichkeiten für Änderungen und ein nachvollziehbarer Änderungsdienst. In regulierten oder konstruktionsgetriebenen Umgebungen empfiehlt sich ein formales Engineering-Change-Management, das Stücklistenänderungen versioniert, prüft und freigibt.
Bei der Systemauswahl sollte geprüft werden, welche Stücklistenarten (mehrstufig, Varianten, Phantombaugruppen), welche Versionsführung und welche Schnittstellen zu CAD und PLM unterstützt werden. Verbreitete ERP-Lösungen wie SAP, Microsoft Dynamics 365, Sage oder Infor bilden Stücklistenfunktionen ab, unterscheiden sich jedoch in Tiefe und Bedienlogik – die Eignung hängt vom konkreten Fertigungstyp ab und sollte anbieterneutral anhand der eigenen Anforderungen bewertet werden.
BOM — Überblick und Praxis · Quelle: erp-software.org Redaktion
Stücklisten sind ein zentraler Stammdatentyp im ERP-System. Sie verknüpfen das Endprodukt mit seinen Komponenten und bilden so die Grundlage für Materialbedarfsplanung, Kalkulation, Fertigungsaufträge und Beschaffung.
Praktisch unterscheidet man Konstruktionsstücklisten (E-BOM), Fertigungsstücklisten (M-BOM) und Service-/Ersatzteilstücklisten (S-BOM). Daneben existieren Varianten- und mehrstufige Strukturstücklisten für komplexe Erzeugnisse.
Praxis-Beispiel: Stückliste in der Variantenfertigung
Ein Maschinenbauer produziert Förderbänder in 12 verschiedenen Längen, mit jeweils 3 Antriebsoptionen und 2 Steuerungs-Varianten — insgesamt 72 mögliche Konfigurationen. Statt 72 separate Stücklisten zu pflegen, nutzt das ERP eine parametrisierbare Stückliste: die Grundstruktur enthält Platzhalter, die je nach Konfiguration befüllt werden. Wenn ein Auftrag mit "Förderband 6m, Servo-Antrieb, IO-Link-Steuerung" angelegt wird, generiert das System automatisch die auftragsspezifische Stückliste mit den richtigen Komponenten. Solche Konfiguratoren sind in ProAlpha, abas-ERP oder SAP Business One mit Variant Configurator Standard.
Häufige Fragen zur Stückliste
Was ist der Unterschied zwischen Konstruktions- und Fertigungs-Stückliste? Die Konstruktions-Stückliste (E-BOM, Engineering BOM) entsteht im CAD/PDM-System und dokumentiert die Produktstruktur aus Konstruktions-Sicht. Die Fertigungs-Stückliste (M-BOM, Manufacturing BOM) ist im ERP und enthält fertigungs-relevante Informationen wie Reihenfolge, Arbeitsplätze und Halbfabrikate. Ein gutes Master-Data-Management hält beide synchron. Was ist eine mehrstufige Stückliste? Eine Hierarchie mit Zwischenebenen (Baugruppen) — typisch 3-7 Ebenen tief im Maschinenbau, bis zu 12+ in der Aerospace-Branche. Wie geht ein ERP mit Stücklisten-Änderungen um? Über Engineering Change Management (ECM) mit Versionierung, Gültigkeits-Datumsbereichen und Auswirkungs-Analyse auf bestehende Aufträge.
Eine umfassende Definition mit Praxis-Beispielen finden Sie im Hauptteil dieser Seite.
Die genaue Ausgestaltung hängt von Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups ab.
Eine fundierte Antwort erfordert immer den Blick auf die individuellen Geschäftsprozesse und die strategische IT-Roadmap.
Was kostet die Einführung von Bom?
Die Kosten variieren je nach Implementierungstiefe, Anbieter und Customizing-Grad stark. Generische Kostenrahmen für ERP-Themen finden Sie unter ERP-Kosten-Übersicht.
Lizenz-Kosten machen typisch 25-35 % der Gesamtprojekt-Kosten aus; der Rest verteilt sich auf Implementierung, Schulung und Datenmigration.
Was ist beim Einstieg in Bom zu beachten?
Best Practices, typische Stolperfallen und ein praxis-orientierter Einstiegs-Leitfaden werden im Hauptteil dieser Seite ausführlich erläutert.
Die genaue Ausgestaltung hängt von Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups ab.
Eine fundierte Antwort erfordert immer den Blick auf die individuellen Geschäftsprozesse und die strategische IT-Roadmap.
Wie messt man Erfolg bei Bom?
Typische KPIs umfassen Effizienz-Gewinne, Fehlerreduktion und ROI. Konkrete Mess-Frameworks und Beispiele finden Sie im Hauptteil.
Die genaue Ausgestaltung hängt von Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups ab.
Welche typischen Risiken gibt es bei Bom?
Klassische Risiken sind unklare Anforderungen, unterschätzter Aufwand und Change-Management. Eine unabhängige Begleitung reduziert das deutlich.
Die genaue Ausgestaltung hängt von Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups ab.