Häufig gestellte Fragen
Was ist Infor?
Infor ist ein international tätiger Softwareanbieter mit Hauptsitz in New York, dessen Portfolio mehrere eigenständig entstandene und über Jahre zugekaufte ERP-Systeme unter einer gemeinsamen Cloud- und Integrationsplattform bündelt. Anders als ein einzelnes monolithisches Standardprodukt setzt der Anbieter auf branchenspezifische Lösungen, die zentralen Industrien wie Fertigung, Lebensmittel, Mode, Distribution und Gesundheitswesen vorkonfigurierte Prozesse mitbringen. Nach Herstellerangaben zählt Infor weltweit mehrere zehntausend Kunden in über 100 Ländern und gehört damit zu den größeren ERP-Anbietern neben SAP, Oracle und Microsoft. Der Begriff steht somit weniger für ein konkretes Programm als für ein ganzes Ökosystem unterschiedlicher Produktlinien.
Was ist der Unterschied zwischen Infor M3 und Infor LN?
Infor LN geht auf das ursprünglich niederländische System Baan zurück und ist auf komplexe diskrete Fertigung ausgelegt, etwa im Maschinen- und Anlagenbau, in der Luft- und Raumfahrt sowie in der Automobilzulieferindustrie mit ausgeprägter Auftrags- und Engineer-to-Order-Logik. Infor M3 entstammt dem System Movex des schwedischen Anbieters Intentia und kam über die Lawson-Übernahme zu Infor; es adressiert vorrangig die Prozessindustrie sowie distributions- und modeorientierte Branchen wie Lebensmittel, Chemie und Fashion. Charakteristisch für M3 sind rezeptur- und chargenbasierte Funktionen, Haltbarkeits- und Allergensteuerung sowie internationaler Mehr-Standort-Betrieb. Welche Linie passt, hängt damit primär von Fertigungsart und Branche ab und nicht allein von der Unternehmensgröße.
Was ist Infor OS?
Infor OS (Operating Service) ist die einheitliche Plattform-Schicht, die die verschiedenen CloudSuites und Drittsysteme zu einer gemeinsamen digitalen Grundlage verbindet. Sie stellt unter anderem die Integrationskomponente ION im Sinne einer iPaaS-Schicht, eine Workflow- und Automatisierungs-Engine, Analytics, Dokumentenmanagement sowie KI-Dienste bereit. Funktional ist Infor OS damit am ehesten mit der Microsoft Power Platform für Dynamics 365 vergleichbar, da es applikationsübergreifende Dienste zentral verfügbar macht. Betrieben wird die Cloud-Plattform als Multi-Tenant-SaaS auf Amazon Web Services, auf dessen Infrastruktur Infor seine CloudSuites von Grund auf aufgebaut hat.
Wird Infor noch on-premise angeboten?
Bestehende On-Premise-Installationen erhalten weiterhin Wartung und Support, neue CloudSuite-Projekte vertreibt Infor jedoch klar Cloud-First als Multi-Tenant-SaaS auf AWS. Diese Cloud-Ausrichtung hat der Anbieter seit Ende der 2010er-Jahre konsequent verschärft, sodass die Roadmap und neue Funktionen vorrangig auf die Cloud-Varianten zielen und einzelne Neuerungen nur dort verfügbar sind. Für Unternehmen mit Altsystemen bedeutet das in der Praxis meist eine mittelfristige Migrationsperspektive in Richtung Cloud. Wer eine reine On-Premises-Strategie verfolgt, sollte die langfristige Pflege der konkret betrachteten Produktlinie vorab genau prüfen.
Wer hat Infor übernommen?
Koch Industries hat Infor im April 2020 vollständig übernommen, indem der Mischkonzern den verbliebenen Anteil von der Beteiligungsgesellschaft Golden Gate Capital erwarb; die offiziellen Konditionen wurden nicht veröffentlicht, in Medienberichten wurde der Deal jedoch auf rund 11 Milliarden US-Dollar Eigenkapitalwert bzw. annähernd 13 Milliarden US-Dollar einschließlich Vorzugsanteilen taxiert. Koch hatte über seine Tochter Koch Equity Development seit 2017 mehrfach in Infor investiert und vor der vollständigen Übernahme bereits einen erheblichen Anteil gehalten. Mit der Übernahme wurde Infor zur Tochtergesellschaft von Koch Industries. Die Transaktion gilt als wichtiger Treiber, um die Cloud-Strategie und Investitionen in die CloudSuite-Produkte zu beschleunigen.
Für welche Branchen und Unternehmen eignet sich Infor?
Infor richtet sich vor allem an mittelständische und größere Unternehmen mit ausgeprägt branchentypischen Prozessen, da die CloudSuites vorkonfigurierte Funktionen für Industrien wie Fertigung, Lebensmittel, Chemie, Mode, Distribution, Großhandel und Gesundheitswesen mitbringen. Der Ansatz soll den Anteil individueller Anpassung verringern, indem typische Abläufe bereits als Standard hinterlegt sind. Für Unternehmen, deren Prozesse stark vom hinterlegten Branchenstandard abweichen, kann dagegen ein höherer Konfigurations- oder Erweiterungsaufwand entstehen. Eine saubere Anforderungsdefinition über Lastenheft und Pflichtenheft hilft, vor dem Vergleich der Produktlinien die passende Variante einzugrenzen.
Ist Infor-ERP ein einzelnes Produkt?
Nein, „Infor-ERP“ ist kein Produktname, sondern eine sammelnde Bezeichnung für einen Verbund mehrerer eigenständiger ERP-Linien wie der CloudSuite-Reihe, LN und M3 sowie ergänzender Module etwa für Personalwesen, Lager und Analyse. Eine Aussage wie „Wir setzen Infor ein“ ist daher unpräzise, solange nicht klar ist, welche Produktlinie und welche Branchenvariante gemeint sind. Funktionsumfang, Betriebsform und Weiterentwicklungs-Roadmap können sich zwischen den Linien deutlich unterscheiden. Für Angebotsvergleiche und die Bewertung von Referenzen ist die genaue Benennung des konkreten Systems daher entscheidend.
