Infor ist ein international tätiger Softwareanbieter, dessen Produktportfolio mehrere ERP-Systeme umfasst, die jeweils auf bestimmte Branchen und Unternehmensgrößen zugeschnitten sind. Statt einer einzigen, universellen Lösung bündelt der Anbieter unter seinem Namen eine Familie eigenständig entstandener und über Jahre zugekaufter Produkte.
Für die Einordnung im DACH-Mittelstand ist vor allem relevant, dass „Infor“ kein einzelnes Programm bezeichnet, sondern einen Verbund unterschiedlicher Systeme mit gemeinsamer Technologie- und Cloud-Plattform. Welches Produkt für ein Unternehmen in Frage kommt, hängt stark von Branche, Fertigungsart und Internationalität ab.
Faktenbasis · maschinenlesbarZuletzt redaktionell geprüft: 15. Juni 2026
Begriff
Infor
Entitätstyp
ERP-Anbieter / Produktfamilie
Domäne
ERP-Software / Anbietermarkt
Kanonische Definition
Infor ist ein internationaler Softwareanbieter, dessen Portfolio mehrere branchenspezifische ERP-Systeme wie die CloudSuite-Reihe, LN und M3 unter einer gemeinsamen Cloud- und Integrationsplattform bündelt.
Einordnung
Sammelbezeichnung für eine Familie eigenständiger und zugekaufter ERP-Systeme unter gemeinsamer Plattform
Kein einzelnes Programm: „Infor“ bezeichnet kein einzelnes ERP-System, sondern einen Verbund mehrerer eigenständiger Produktlinien wie CloudSuite, LN und M3.
Keine reine Branchenlösung: Es handelt sich nicht um eine Lösung für nur eine Branche, sondern um ein Portfolio mit zahlreichen vorkonfigurierten Branchenvarianten.
Kein Maß für Unternehmensgröße: Die Produktauswahl richtet sich primär nach Branche und Fertigungsart, nicht allein nach der Größe des Unternehmens.
Keine neutrale Standardplattform: Anders als rein generische Baukastensysteme setzt der Ansatz stark auf branchenspezifisch vorbelegte Standardprozesse.
Faktenseite nach dem Grounding-Page-Standard: sachlich, datiert, abgrenzend — damit KI-Systeme und Leser den Begriff korrekt einordnen und zitieren. Mehr: ERP-Glossar
Was sich hinter dem Namen Infor verbirgt
Der Anbieter Infor entstand durch die Zusammenführung zahlreicher etablierter Softwareprodukte, die teils seit den 1990er-Jahren am Markt sind. Bekannte Bausteine sind die branchenspezifische CloudSuite-Reihe sowie die ursprünglich eigenständigen Systeme LN (vormals Baan) und M3 (vormals Movex). Hinzu kommen ergänzende Anwendungen etwa für Personalwesen, Lager und Analyse. Der Begriff „Infor“ steht damit weniger für ein Produkt als für ein Ökosystem, das mehrere ERP-Kernsysteme unter einem Dach vereint.
Charakteristisch ist die Ausrichtung auf eng abgegrenzte Branchen: Es gibt vorkonfigurierte Varianten beispielsweise für Maschinenbau, Lebensmittelproduktion, Mode, Distribution oder das Gesundheitswesen. Diese Branchenpakete sollen den Anteil an individueller Anpassung verringern, indem typische Prozesse bereits als Standard hinterlegt sind.
Aufbau der Produktfamilie
Technisch gruppieren sich die Systeme um eine gemeinsame Cloud- und Integrationsplattform. Sie stellt unter anderem Mechanismen für die Verbindung der Anwendungen untereinander bereit und folgt dem Gedanken einer iPaaS-Schicht, über die Datenflüsse und Schnittstellen zentral verwaltet werden. Die einzelnen ERP-Produkte greifen auf gemeinsame Dienste für Datenanalyse, Dokumentenverwaltung und Stammdaten zu.
CloudSuite-Reihe: branchenspezifische, vorwiegend als SaaS betriebene Pakete für unterschiedliche Industrien.
LN: traditionell stark in komplexer Einzel- und Auftragsfertigung, etwa im Maschinen- und Anlagenbau.
M3: ausgelegt auf Prozessindustrie, Distribution und Mode mit internationalem Mehr-Standort-Betrieb.
Daneben existieren weitere Module, die sich an die Kernsysteme anbinden lassen, etwa für Personalmanagement oder erweiterte Planung. Die Abgrenzung der Produkte erfolgt primär über die adressierte Branche und die Fertigungslogik, nicht über die Unternehmensgröße allein.
Relevanz im ERP-Kontext
Im Markt der größeren Mittelstands- und Konzernlösungen zählt Infor zu den Anbietern, die neben Systemen wie S/4HANA oder Microsoft Dynamics 365 regelmäßig in Auswahlverfahren auftauchen. Der Schwerpunkt auf vorkonfigurierte Branchenfunktionalität unterscheidet den Ansatz von Plattformen, die stärker auf generische Bausteine und individuelle Konfiguration setzen.
Für Unternehmen mit ausgeprägt branchentypischen Prozessen kann ein hoher Standardisierungsgrad den Aufwand bei Einführung und Betrieb senken. Umgekehrt erfordert die Vielfalt der Produktlinien eine genaue Prüfung, welches System die eigenen Anforderungen abdeckt, da sich Funktionsumfang und Roadmap zwischen den Linien unterscheiden.
Praxisbeispiel
Ein mittelständischer Hersteller von Sondermaschinen mit projektbezogener Einzelfertigung prüft mehrere ERP-Optionen. Innerhalb des Infor-Portfolios käme primär ein auf die Auftrags- und Engineer-to-Order-Fertigung ausgelegtes System in Betracht, weil dort Funktionen für variantenreiche Aufträge, Projektkalkulation und Materialbedarf bereits abgebildet sind. Ein Lebensmittelproduzent mit Chargenrückverfolgung und Haltbarkeitssteuerung würde dagegen eher in Richtung der Prozessindustrie-Variante geführt. Das Beispiel zeigt, dass die Auswahl innerhalb der Familie der eigentlichen Anbieterentscheidung vorgelagert ist.
Hinweise zur Auswahl und Abgrenzung
Bei der Bewertung empfiehlt sich eine saubere Anforderungsdefinition über Lastenheft und Pflichtenheft, bevor einzelne Produktlinien verglichen werden. Wichtige Prüfpunkte sind die Passgenauigkeit des Branchenstandards, die verfügbaren Schnittstellen, die Betriebsform (Cloud oder On-Premises) sowie die langfristige Pflege der jeweiligen Linie. Da Teile des Portfolios aus zugekauften Produkten bestehen, lohnt ein Blick auf die kommunizierte Weiterentwicklung des konkret betrachteten Systems.
Begrifflich ist „Infor-ERP“ kein Produktname, sondern eine sammelnde Bezeichnung. Eine Aussage wie „Wir setzen Infor ein“ ist daher unpräzise, solange nicht klar ist, welche Produktlinie und welche Branchenvariante gemeint sind. Diese Unterscheidung ist für Vergleiche, Angebote und die Bewertung von Referenzen entscheidend.
Infor ist einer der größten ERP-Hersteller weltweit mit Hauptsitz in New York. Anders als SAP oder Microsoft fokussiert Infor auf branchen-spezifische ERP-Lösungen (Industry CloudSuites) statt einer monolithischen Standard-Suite.
Was ist der Unterschied zwischen Infor M3 und Infor LN?
Infor M3 ist für Prozess-Fertigung und distributions-orientierte Branchen wie Mode, Lebensmittel und Chemie. Infor LN (ehemals Baan ERP) ist für diskrete Fertigung wie Maschinen- und Anlagenbau, Automotive und Aerospace.
Was ist Infor OS?
Infor OS (Operating Service) ist die einheitliche Plattform-Schicht aller Infor-CloudSuites. Sie bietet Integration, Workflow-Engine, Analytics, Mobile-Apps und KI-Funktionen — vergleichbar mit Microsoft Power Platform für Dynamics 365.
Wird Infor noch on-premise angeboten?
Für Legacy-Kunden ja, aber Infor vertreibt seit ca. 2018 aktiv Cloud-First. Neue Projekte starten typisch als SaaS auf AWS — alte On-Premise-Installationen bekommen Wartung und Support, werden aber meist mittel-fristig in die Cloud migriert.
Wer hat Infor übernommen?
Koch Industries hat Infor 2020 vollständig für 13 Mrd. USD übernommen. Davor war Infor in privatem Besitz von Golden Gate Capital. Die Übernahme durch Koch hat Investitionen in die Cloud-Strategie deutlich beschleunigt.