Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet LIFO?
LIFO steht für „Last In First Out“ und bedeutet sinngemäß „zuletzt hinein, zuerst hinaus“: Es wird unterstellt, dass die zuletzt eingelagerten oder beschafften Einheiten zuerst verbraucht oder veräußert werden. Dadurch verbleibt der Restbestand wertmäßig mit den ältesten Anschaffungs- oder Herstellungskosten in der Bilanz. LIFO ist das Gegenstück zu FIFO (älteste Ware zuerst) und kommt vor allem in der bilanziellen Vorratsbewertung zum Einsatz, weniger als physische Entnahmeregel. In ERP-Systemen ist es als wertmäßiges Bewertungsverfahren hinterlegt und von der körperlichen Lagerbewegung zu unterscheiden.
Ist LIFO in Deutschland erlaubt?
Handelsrechtlich ist LIFO nach § 256 Satz 1 HGB als Verbrauchsfolgeverfahren für gleichartige Vorräte zulässig, sofern die unterstellte Verbrauchsfolge nicht im Widerspruch zum tatsächlichen Betriebsablauf steht. Steuerrechtlich ist LIFO sogar das einzige zugelassene Verbrauchsfolgeverfahren (§ 6 Abs. 1 Nr. 2a EStG), während die FIFO-Verbrauchsfiktion steuerlich grundsätzlich nicht anerkannt wird. Nach IFRS (IAS 2) ist LIFO dagegen seit der Überarbeitung 2003 mit Wirkung für Geschäftsjahre ab 2005 nicht mehr erlaubt. Unternehmen mit internationaler Rechnungslegung müssen daher zwischen Handels-, Steuer- und IFRS-Bilanz unterscheiden.
Warum nutzen Unternehmen LIFO zur Bewertung?
In Phasen steigender Einstandspreise unterstellt LIFO den Verbrauch der teuersten, weil zuletzt beschafften Bestände, sodass der Materialaufwand höher und der ausgewiesene Gewinn niedriger ausfällt. Das mindert die Steuerlast und gilt als bilanzpolitischer Vorteil bei Inflation, weil so inflationsbedingte Scheingewinne gedämpft werden. Zugleich bildet das Verfahren im Aufwand eher die aktuellen Wiederbeschaffungskosten ab. Der Effekt kehrt sich allerdings um, wenn die Einkaufspreise sinken.
Was ist der Unterschied zwischen LIFO und FIFO?
FIFO („First In First Out“) bewertet bzw. entnimmt die älteste Ware zuerst, während LIFO die zuletzt zugegangene Ware zuerst verbraucht. Bei steigenden Preisen weist FIFO einen höheren Bestandswert und Gewinn aus, LIFO dagegen einen niedrigeren Gewinn und Bilanzansatz. Physisch ist FIFO der praktische Standard, besonders bei verderblichen Gütern; LIFO ist körperlich selten und in erster Linie ein bilanzielles Bewertungsverfahren nach HGB und EStG. Daneben gibt es FEFO, das die Entnahme nach Verfallsdatum statt nach Zugangszeitpunkt steuert.
Warum ist LIFO nach IFRS nicht erlaubt?
Mit der Überarbeitung von IAS 2 im Jahr 2003 hat der IASB das LIFO-Verfahren verboten; die Regelung gilt für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2005 beginnen. Begründet wurde dies vor allem damit, dass LIFO den tatsächlichen Güterfluss nicht verlässlich abbildet, da in den meisten Branchen ältere Bestände zuerst verkauft werden. Zudem führt LIFO zu veralteten Bilanzwerten, weil der Restbestand mit historisch niedrigen Kosten bewertet bleibt, was dem an aktuellen Werten orientierten IFRS-Verständnis widerspricht. Nach IFRS sind daher nur FIFO und die gewogene Durchschnittsmethode zulässig.
Welche Voraussetzungen gelten für LIFO im Steuerrecht?
Steuerlich ist LIFO nur zulässig, wenn der Gewinn nach § 5 EStG ermittelt wird und die Anwendung den handelsrechtlichen Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung entspricht (§ 6 Abs. 1 Nr. 2a EStG). Außerdem darf die unterstellte Verbrauchsfolge nicht im Widerspruch zum tatsächlichen Betriebsablauf stehen, weshalb das Verfahren bei Gütern mit einer Haltbarkeit von unter einem Jahr regelmäßig ausscheidet. Lassen sich die Einzel-Anschaffungskosten technisch ohne Weiteres bestimmen, etwa über moderne IT-Systeme und Kennzeichnung, ist LIFO ebenfalls unzulässig. Anwendbar ist es nur auf gleichartige Wirtschaftsgüter des Vorratsvermögens.
Was bedeuten LIFO-Schichten und stille Reserven?
Beim LIFO-Verfahren werden Wertschichten („Layer“) gebildet: Übersteigt der Bestand am Periodenende den Vorperiodenwert, entsteht eine neue Schicht zu aktuellen Preisen, während bei sinkendem Bestand zuerst die jüngsten Schichten aufgelöst werden. Über die Jahre können so alte, niedrig bewertete Schichten unten im Bestand verbleiben und stille Reserven aufbauen, weil ihr Buchwert deutlich unter den aktuellen Wiederbeschaffungskosten liegt. Ein starker Bestandsabbau kann diese alten Schichten freilegen und die stillen Reserven schlagartig als zusätzlichen Gewinn aufdecken. ERP-Systeme verwalten diese Schichten je nach Konfiguration im permanenten oder periodischen LIFO.
Kann man im ERP LIFO und FIFO kombinieren?
Ja, denn ERP-Systeme trennen das physische Entnahme-Prinzip von der bilanziellen Bewertung. Das Lager kann zum Beispiel nach FIFO oder FEFO ausliefern, während die Finanzbuchhaltung die Vorräte nach LIFO bewertet. Die Bewertungsmethode wird dabei üblicherweise pro Material, Bewertungsklasse oder Bewertungskreis im Materialstamm konfiguriert und wirkt auf Bestandskonten, Bilanz und Gewinn-und-Verlust-Rechnung. Eine saubere Stammdatenpflege ist Voraussetzung dafür, dass die hinterlegte Methode über alle Buchungen und Auswertungen hinweg konsistent angewendet wird.
