ERP für Kontraktlogistik – Software für 3PL-Dienstleister

Die Kontraktlogistik – im Englischen auch 3PL (Third-Party-Logistics) genannt – ist ein eigenständiges Geschäftsmodell, in dem Logistikdienstleister im Auftrag mehrerer Kunden Lager- und Distributionsleistungen erbringen. Ein ERP für Kontraktlogistik muss daher ein Multi-Customer-Modell beherrschen, mit getrennten Beständen, KPIs und Abrechnungslogiken pro Mandant.

Multi-Customer-Anforderungen

Im 3PL-Modell hat jeder Kunde eigene Anforderungen: SLA-Logik, KPIs, Buchungsregeln, Etiketten, EDI-Formate. Das ERP muss diese Vielfalt sauber kapseln, ohne dass Daten zwischen Kunden vermischt werden. Pflichtfunktionen:

  • Mandanten-/Customer-Trennung bis ins WMS hinein
  • Mandanten-spezifische Etiketten und Belege
  • Mehrere parallele EDI-Stacks (jeder Kunde mit eigenem Format)
  • SLA-Reporting pro Kunde
  • Abrechnung nach pick & pack, Lagertage, Arbeitsstunden
  • Customer-Self-Service-Portal mit Bestands- und KPI-Sicht

Anbieter im Kontraktlogistik-Segment

  • SAP EWM mit Multi-Owner-Logik
  • Manhattan Active WM
  • PSI WMS
  • WAMAS (SSI Schäfer)
  • LFS (Ehrhardt + Partner)
  • active logistics ALICE
  • cargosoft

KPI-Reporting für Kunden

Im 3PL ist KPI-Reporting der Vertriebshebel. Typische KPIs:

  • Pick-Rate und Pick-Genauigkeit
  • On-Time-In-Full (OTIF)
  • Lagerumschlag pro SKU
  • Retouren-Quote
  • Lagerauslastung in Prozent
  • SLA-Erfüllung in Echtzeit

Ein gutes ERP/WMS liefert diese KPIs als Self-Service-Dashboard im Customer-Portal – ohne dass IT für jede Auswertung manuell ran muss.

Trends in der Kontraktlogistik

  • Hyperautomation mit Robotern, AGVs und automatisierten Lagern
  • API-First: Customer-Integration via REST statt EDI-Batch
  • Sustainability als Auswahlkriterium: CO₂-Reporting pro Kunde
  • Fulfillment für E-Commerce als wachsendes Segment

Häufige Fragen

Wann lohnt sich ein dediziertes 3PL-WMS?

Ab 5–8 parallelen Kunden in einem Lager oder bei stark differenzierten SLAs. Darunter reicht meist ein WMS mit Mandanten-Modul.

Wie wichtig ist Customer-Self-Service?

Sehr wichtig – moderne 3PL-Kunden erwarten Echtzeit-Bestand, KPI-Dashboards und Self-Service-Buchungen.

Was kostet ein 3PL-WMS?

Mittelstand: 200.000–800.000 EUR Implementierung, plus pro-Mandanten-Lizenz. Cloud-WMS ab 80 EUR pro User pro Monat.

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