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Häufig gestellte Fragen

Was unterscheidet ein ERP für Kontraktlogistik von einem normalen WMS?

Ein ERP für Kontraktlogistik bildet nicht nur die physischen Lagerprozesse ab, sondern verzahnt sie mit kaufmännischen Funktionen wie mandantenscharfer Abrechnung, Vertrags- und SLA-Verwaltung sowie Finanzbuchhaltung über mehrere parallele Auftraggeber hinweg. Ein reines Warehouse-Management-System (WMS) deckt dagegen vor allem Wareneingang, Einlagerung, Kommissionierung, Verpackung und Versand ab und überlässt Fakturierung und übergreifendes Reporting oft angrenzenden Systemen. Im 3PL-Geschäft ist die saubere Trennung der Kundenbestände (Multi-Owner- bzw. Multi-Mandanten-Logik) auf Datenebene bei beiden Systemtypen Pflicht, doch das ERP fügt die durchgängige Datenbasis von der Pick-Buchung bis zur Rechnung hinzu. In der Praxis kombinieren viele Dienstleister daher ein spezialisiertes WMS mit einem ERP, die über Schnittstellen gekoppelt sind.

Wann lohnt sich ein dediziertes 3PL-WMS gegenüber einem WMS mit Mandanten-Modul?

Ein dediziert auf Third-Party-Logistics ausgelegtes WMS rechnet sich vor allem, wenn mehrere Kunden parallel in einem Lager bedient werden und jeder eigene SLAs, Buchungsregeln, Etiketten und EDI-Profile mitbringt. Bei nur wenigen Auftraggebern oder geringer Differenzierung reicht häufig ein Standard-WMS mit Mandanten-Modul aus, das die Bestände logisch und auf Datenebene trennt. Entscheidend ist weniger eine feste Kundenzahl als die Komplexität: stark abweichende Tarifmodelle, ausgeprägte Value-Added-Services und mandantenindividuelle Abrechnung sprechen für eine spezialisierte Plattform mit integrierter Billing-Engine. Die konkrete Abwägung hängt von Branche, Lagerstruktur und dem gewünschten Automatisierungsgrad der Fakturierung ab.

Wie rechnen 3PL-Dienstleister ihre Leistungen ab und welche Vergütungsmodelle gibt es?

In der Kontraktlogistik sind transaktions- bzw. aktivitätsbasierte Tarife verbreitet, bei denen einzelne Leistungen wie Pick- und Pack-Vorgänge, Lagertage je Palette oder Stellplatz, Wareneingänge und Retouren separat berechnet werden. Daneben sind Open-Book- bzw. Cost-Plus-Modelle gängig, bei denen der Dienstleister seine tatsächlichen Kosten transparent offenlegt und ein vereinbarter Aufschlag hinzukommt, sowie Pauschal- oder Mindestumsatzvereinbarungen für planbare Grundlasten. Häufig werden diese Ansätze als Hybrid kombiniert, etwa eine monatliche Grundgebühr plus transaktionale Komponenten und Zuschläge für Mehrwertdienste wie Co-Packing oder Etikettierung. Eine integrierte Billing-Engine im ERP/WMS ist hierfür zentral, weil sie jede gebuchte Aktivität automatisch dem korrekten Mandanten und Tarif zuordnet.

Welche EDI- und GS1-Standards muss ein ERP für Kontraktlogistik beherrschen?

Im 3PL-Umfeld ist der elektronische Datenaustausch (EDI) faktisch Pflicht, weil große Auftraggeber und Handelsketten ihn voraussetzen; verbreitet sind die GS1-Standards EANCOM (auf EDIFACT-Basis) und GS1 XML. Eine zentrale Rolle spielt die Lieferavis-Nachricht DESADV, mit der der Inhalt einer Sendung vor der physischen Anlieferung avisiert wird, sowie die NVE beziehungsweise der SSCC (Serial Shipping Container Code) zur eindeutigen Identifikation jeder Versandeinheit. Über den gescannten SSCC kann der Empfänger eine Palette automatisiert vereinnahmen, ohne Einzelpositionen manuell zu erfassen. Da jeder Kunde eigene Formate und Mappings mitbringt, muss das System mehrere parallele EDI-Profile verwalten und zunehmend auch REST-API-Anbindungen als Alternative zum klassischen Batch-EDI bereitstellen.

Welche KPIs und SLAs sind in der Kontraktlogistik typisch und wie wichtig ist Customer-Self-Service?

Kontraktlogistik-Verträge definieren die Leistung über messbare Kennzahlen, allen voran On-Time-In-Full (OTIF), das pünktliche und vollständige Lieferungen kombiniert, sowie Pick-Genauigkeit, Bestandsgenauigkeit, Retouren-Quote, Lagerumschlag und Cut-off-Einhaltung. Diese KPIs werden in Service Level Agreements festgehalten und bilden häufig die Grundlage für Bonus-Malus-Regelungen zwischen Dienstleister und Auftraggeber. Moderne 3PL-Kunden erwarten heute Echtzeit-Transparenz über ein Self-Service-Portal mit Bestandsübersicht, KPI-Dashboards und Buchungsmöglichkeiten, statt auf manuell erstellte Reports warten zu müssen. Ein gutes ERP/WMS liefert diese Auswertungen automatisiert pro Mandant und macht das KPI-Reporting damit zugleich zum Vertriebsargument.

Wie lange dauert das Onboarding eines neuen Kunden in einem 3PL-System?

Die Anbindung eines neuen Auftraggebers an ein bestehendes 3PL-System dauert je nach Komplexität typischerweise mehrere Wochen; für klassische, individuell entwickelte Integrationen werden branchenüblich oft acht bis zwölf Wochen genannt. Aufwand entsteht vor allem durch die Einrichtung der Stammdaten, das Mapping der kundenspezifischen EDI-Formate, das Aufsetzen der Tarif- und SLA-Logik sowie Test-EDI vor dem Go-Live. Dienstleister mit vorhandener EDI-Infrastruktur, vorkonfigurierten Mappings und API-basierter Anbindung verkürzen diese Zeit deutlich; verschiedene Branchenberichte beziffern die mögliche Reduktion der Onboarding-Dauer auf rund 40 bis 60 Prozent. Die tatsächliche Laufzeit hängt von der Zahl der Schnittstellen, dem Customizing-Grad und der Datenqualität des Neukunden ab.