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Häufig gestellte Fragen

Reicht ein Standard-ERP für den Getränkegroßhandel?

In aller Regel nicht ohne Anpassung, weil Pfand-, Leergut- und Tour-Logik im Standard generischer ERP-Systeme nicht sauber abgebildet sind. Getränke-Distributoren benötigen eine parallele Pfandbuchung pro Position, getrennte Mehrweg- und Einweg-Pfandkonten sowie eine Bestandsführung, die Leergut nach Hof, Tour und Kunde unterscheidet. Diese Tiefe liefert in der Praxis ein Branchen-ERP oder eine spezialisierte Erweiterung eines Generalisten. Die genaue Ausgestaltung hängt von Sortiment, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten Setups ab.

Welche ERP-Anbieter sind im Getränkesektor etabliert?

Im DACH-Getränkegroßhandel sind spezialisierte Branchenlösungen wie GESOFT Handel, ORGA-SOFT INTEGRA, CSB-System, GRS-Systeme und DELOMA verbreitet, die Pfand, Leergut und Tourenplanung im Standard mitbringen. Daneben kommen Generalisten wie Sage, Microsoft Dynamics 365 Business Central und SAP Business One zum Einsatz, dann allerdings mit einer Getränke-Branchenerweiterung. Welche Lösung passt, entscheidet sich an Faktoren wie Streckengeschäft, Brauerei-Anbindung und mobiler Auslieferung. Eine Anbieterauswahl sollte deshalb immer an den eigenen Prozessen und nicht an Marktnamen ausgerichtet werden.

Wie bildet ein ERP Pfand und Leergut korrekt ab?

Ein geeignetes Getränke-ERP trennt die buchhalterische Pfand-Sicht von der mengenmäßigen Leergut-Sicht und führt für jeden Gebindetyp eigene Konten und Konditionen. Umsatzsteuerlich teilt das Pfand in Deutschland das Schicksal der gelieferten Ware und wird mit demselben Steuersatz wie das Getränk behandelt; das gilt nach der BFH-Rechtsprechung (V R 37/19) und dem BMF-Schreiben vom 18.04.2022 auch für das Einwegpfand, das organisatorisch über das DPG-Clearing-System abgewickelt wird. Das Einwegpfand beträgt bundesweit einheitlich 25 Cent, das Mehrwegpfand ist nicht gesetzlich festgelegt und liegt je nach Gebinde meist zwischen rund 8 und 15 Cent pro Flasche sowie bei etwa 1,50 Euro pro Kasten. Für eine korrekte Buchung sind getrennte Pfand- und Leergutkonten (etwa Konto 8540 in SKR 03 bzw. 4520 in SKR 04) sowie ein nachvollziehbarer Pfand-Zahlungslauf je Kunde wichtig.

Welche Rolle spielt das Verpackungsgesetz (VerpackG) für die ERP-Auswahl?

Das VerpackG verlangt unter anderem eine Mehrweg-Angebotspflicht im Handel und benennt eine angestrebte, jedoch nicht sanktionsbewehrte Mehrwegquote von 70 Prozent; für Einweg-PET-Getränkeflaschen gilt zudem eine Rezyklat-Mindestquote von 25 Prozent. Ein ERP unterstützt diese Anforderungen, indem es Mehrweg- und Einweg-Mengen sauber trennt und für die Berichterstattung auswertbar hält. Praktisch hilfreich sind GS1-konforme EAN-Pflege für Mehrweg-Pools sowie Auswertungen zu Mengen-Schwellen und Quoten. Da sich die regulatorischen Details fortlaufend ändern können, sollte die Lösung flexibel konfigurierbar sein und die zuständige Stelle oder Steuerberatung in die konkrete Auslegung eingebunden werden.

Muss das ERP E-Rechnung und EDI für die Getränkebranche beherrschen?

Ja, beide Themen sind für Getränkegroßhändler zunehmend Pflicht beziehungsweise Standard. Seit dem 1. Januar 2025 müssen inländische B2B-Unternehmen E-Rechnungen empfangen und verarbeiten können; die verpflichtende Ausstellung greift gestaffelt nach Vorjahresumsatz ab 2027 (oberhalb von 800.000 Euro) und für alle Unternehmen ab 2028, wobei Formate wie XRechnung und ZUGFeRD den europäischen Standard EN 16931 erfüllen. Für den laufenden Geschäftsverkehr mit Brauereien und großen Lieferanten ist außerdem EDI auf Basis von EDIFACT beziehungsweise dem Handels-Subset EANCOM verbreitet, etwa für ORDERS- und INVOIC-Nachrichten. Ein passendes ERP sollte diese Formate direkt oder über einen EDI-Konverter unterstützen.

Wie lange dauert die ERP-Einführung im Getränkegroßhandel?

Realistisch sind 9 bis 15 Monate Projektlaufzeit, wobei allein die Datenbereinigung erfahrungsgemäß 2 bis 4 Monate beanspruchen kann. Stammdaten aus Altsystemen sind häufig inkonsistent, etwa bei kundenspezifischen Pfand-Konditionen, nicht synchronen Mehrweg-Beständen oder Dubletten in Lieferadressen. Erfahrungswerte zeigen, dass ein erheblicher Teil der Projekte den ursprünglichen Zeitplan überschreitet, wenn Verantwortlichkeiten und Datenqualität nicht früh geklärt sind. Wichtigster Hebel für Termintreue ist ein dedizierter interner Projektleiter mit Entscheidungsbefugnis und hoher Verfügbarkeit.