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Häufig gestellte Fragen

Wie wähle ich aus einem ERP-Vergleich das richtige System aus?

Grenzen Sie den Markt zunächst über Unternehmensgröße, Branche und Bereitstellungsmodell auf eine Shortlist von typischerweise drei bis fünf Anbietern ein und vergleichen Sie diese strukturiert anhand eines gewichteten Anforderungskatalogs mit Muss-, Soll- und Kann-Kriterien. Sinnvoll ist es, das Anforderungsdokument an echten, unternehmenskritischen Prozessen auszurichten, statt Tausende Detailanforderungen abzuhaken. Für die zwei bis drei Finalisten folgen dann Demos mit eigenen Daten, Referenzbesuche bei vergleichbaren Unternehmen und ein Proof-of-Concept auf den wichtigsten Prozessen. So fällt die Entscheidung auf Basis nachvollziehbarer Kriterien statt auf Basis von Marketingversprechen.

Wie viele ERP-Systeme sollte man miteinander vergleichen?

Eine erste Marktsichtung kann in einem stark fragmentierten Markt durchaus Dutzende Systeme streifen, doch eine schriftlich dokumentierte Longlist umfasst in der Praxis meist nur etwa acht bis fünfzehn ernsthaft passende Kandidaten. Über eine Anforderungsabfrage (RFI) reduziert man diese Longlist dann auf eine Shortlist von drei bis fünf Anbietern. Diese Zahl bietet genug Vielfalt für einen belastbaren Vergleich, ohne Auswahlteams zu überfordern. Im letzten Schritt werden meist nur zwei bis drei Finalisten mit Live-Demos und einem Proof-of-Concept tief geprüft.

Welche Kriterien sind in einem ERP-Vergleich am wichtigsten?

Ein belastbarer ERP-Vergleich bewertet mehr als nur den Funktionsumfang und kombiniert mehrere Dimensionen: Funktionstiefe im Standard, Branchen-Eignung, Cloud- oder On-Premise-Strategie, das Preismodell mit realistischen Gesamtkosten über fünf Jahre (Total Cost of Ownership) sowie die Verfügbarkeit zertifizierter Implementierungspartner im DACH-Raum. Hinzu kommen ehrlich benannte Stärken und Schwächen sowie Innovations- und Zukunftssicherheit, etwa Roadmap und KI-Integration. Die einzelnen Kriterien sollten je nach Unternehmensprioritäten gewichtet werden, da kein System in allen Dimensionen führend ist. Erst die Gesamtbetrachtung in einer Bewertungsmatrix macht Anbieter direkt vergleichbar.

Was ist beim Vergleich von Cloud-ERP und On-Premise-ERP zu beachten?

Cloud-ERP wird über das Internet aus einem externen Rechenzentrum bereitgestellt und über Browser oder mobile Geräte genutzt, während On-Premise-ERP lokal auf eigener Infrastruktur betrieben wird. Die Kostenstrukturen unterscheiden sich grundlegend: Cloud-Modelle verursachen niedrige Anfangskosten, aber laufende Abonnementgebühren, On-Premise erfordert hohe Anfangsinvestitionen bei tendenziell stabileren Folgekosten. Im ersten Jahr wirkt On-Premise mit abgeschriebener Hardware oft günstiger, während Cloud-ERP über mehrjährige Laufzeiten in vielen Szenarien gleichzieht oder vorne liegt und sich der Kostenvorteil erst bei sehr langer Nutzung kürzlich erneuerter eigener Infrastruktur umkehren kann. Die Wahl sollte daher nicht allein an den Kosten hängen, sondern auch IT-Ressourcen, Skalierungsbedarf, Anpassungstiefe und Compliance-Anforderungen einbeziehen.

Wer sind die führenden ERP-Anbieter, die man im Vergleich berücksichtigen sollte?

Im deutschsprachigen Enterprise-Segment ist SAP traditionell der dominierende Anbieter, während weltweit Oracle, SAP und Microsoft die größten ERP-Anbieter stellen – Oracle hat SAP 2024 erstmals als umsatzstärksten ERP-Anbieter überholt, Microsoft folgt auf Rang drei. Im Mittelstand ist das Feld deutlich breiter: Neben Microsoft Dynamics 365 Business Central, SAP Business One und Oracle NetSuite spielen Anbieter wie Sage, proAlpha, abas, Infor sowie Cloud-orientierte KMU-Lösungen wie weclapp und Xentral eine wichtige Rolle. Weil der Markt fragmentiert ist und kein Anbieter alle Branchen optimal abdeckt, sollte die Auswahl immer an der eigenen Größenklasse und Branche ausgerichtet werden. Ein reiner Marktanteils- oder Umsatzvergleich ersetzt deshalb keine an den eigenen Prozessen orientierte Bewertung.

Wie lange dauert eine ERP-Auswahl und -Einführung?

Auswahl und Einführung gemeinsam betrachtet dauern im Mittelstand erfahrungsgemäß etwa neun bis zwölf Monate von der ersten Marktsichtung bis zum Go-Live, mit deutlichen Schwankungen je nach Komplexität. Die reine Einführungsphase liegt häufig zwischen drei und neun Monaten, kann bei hohem Individualisierungsbedarf oder Mehr-Standort-Projekten aber auch zwölf Monate oder länger erreichen. Standardisierte Cloud-Implementierungen verkürzen die Projektlaufzeit gegenüber klassischen On-Premise-Einführungen spürbar. Entscheidend für realistische Zeitpläne sind Unternehmensgröße, Prozesskomplexität, Datenqualität und der Umfang notwendiger Anpassungen, weshalb diese Punkte schon im Vergleich abgefragt werden sollten.