Intercompany – Geschäfte zwischen Konzerngesellschaften
Intercompany bezeichnet alle Geschäftsvorfälle, die zwischen rechtlich selbstständigen Gesellschaften innerhalb desselben Konzerns ablaufen – etwa Warenlieferungen, Dienstleistungen, Darlehen oder Lizenzgebühren zwischen Mutter-, Tochter- und Schwestergesellschaften. Aus Sicht der Einzelgesellschaft sind dies normale Geschäfte mit einem Kunden oder Lieferanten; aus Konzernsicht handelt es sich um interne Vorgänge, die im Konzernabschluss wieder herausgerechnet werden müssen.
Der Begriff wird im deutschen Sprachgebrauch häufig zu „IC“ abgekürzt und beschreibt sowohl die Transaktionen selbst als auch die zugehörigen Prozesse in Buchhaltung, Logistik und Reporting. Für ERP-Systeme ist die saubere Abbildung von Intercompany-Vorgängen eine der anspruchsvolleren Aufgaben, weil mehrere Mandanten, Währungen und Bewertungsvorschriften gleichzeitig betroffen sein können.
- Begriff
- Intercompany
- Entitätstyp
- Konzept / Geschäftsprozess
- Domäne
- Konzernrechnungswesen / ERP-Finanzbuchhaltung
- Kanonische Definition
- Intercompany bezeichnet Geschäftsvorfälle zwischen rechtlich selbstständigen Gesellschaften desselben Konzerns, die in jeder Einheit einzeln gebucht und im Konzernabschluss wieder eliminiert werden müssen.
- Einordnung
- Buchhalterischer Konzernprozess im ERP-Finanzwesen und Grundlage der Konsolidierung.
- Verwandte Begriffe
- Konsolidierung, Mandantenfähigkeit, Two-Tier-ERP, IFRS vs. HGB, Stammdatenpflege, Audit-Trail
- Quelle
- erp-software.org Redaktion (unabhängig, anbieterneutral)
Was Intercompany NICHT ist — Abgrenzung
- Kein Software-Modul: Intercompany ist eine durchgängige Buchungs- und Prozessfunktion, kein abgegrenztes ERP-Modul, das man einzeln zukauft.
- Nicht gleich Konsolidierung: Intercompany liefert die abgestimmten Daten; die Konsolidierung verarbeitet sie zum Konzernabschluss weiter.
- Kein externes Geschäft: Es handelt sich um Vorgänge innerhalb desselben Konzerns, nicht um Transaktionen mit fremden Dritten.
- Keine reine Verrechnungspreis-Frage: Verrechnungspreise sind ein Teilaspekt; Intercompany umfasst auch Spiegelbuchung, Abstimmung und Reporting.
Funktionsweise und typische Vorfälle
Intercompany-Beziehungen entstehen, sobald ein Konzern aus mehr als einer rechtlichen Einheit besteht. Jede Gesellschaft führt eine eigene Buchhaltung, erstellt eigene Abschlüsse und ist steuerlich selbstständig. Liefert eine deutsche Produktionsgesellschaft Bauteile an eine österreichische Vertriebstochter, so entsteht bei der einen Seite ein Verkauf mit Forderung und bei der anderen Seite ein Einkauf mit Verbindlichkeit. Beide Buchungen müssen betragsgleich und konsistent sein, damit sie sich im Konzernabschluss aufheben lassen.
Typische Intercompany-Vorfälle sind Warenlieferungen, konzerninterne Dienstleistungen, die Weiterbelastung von Verwaltungskosten (Cost Allocation), Lizenz- und Markengebühren, Darlehen samt Zinsen sowie Cash-Pooling. Hinzu kommen Verrechnungspreise (Transfer Pricing), die festlegen, zu welchem Wert Leistungen zwischen den Einheiten abgerechnet werden – ein Thema mit erheblicher steuerlicher Relevanz und Dokumentationspflicht.
Ablauf und Bestandteile im ERP
In einem mandantenfähigen ERP-System wird jede Konzerngesellschaft als eigener Mandant geführt. Ein Intercompany-Vorgang löst idealerweise automatisch die korrespondierende Gegenbuchung im zweiten Mandanten aus: Aus der Ausgangsrechnung der liefernden Gesellschaft wird parallel eine Eingangsrechnung beim Empfänger erzeugt. Diese automatische Spiegelung reduziert manuellen Aufwand und verhindert Differenzen.
Zentrale Bestandteile sind dabei eine konsistente Stammdatenpflege über alle Mandanten hinweg, eindeutige Intercompany-Konten, definierte Verrechnungspreise sowie ein Abstimmungsmechanismus (IC-Reconciliation), der offene Salden zwischen den Gesellschaften regelmäßig gegenüberstellt. Häufig kommt ein Two-Tier-ERP-Ansatz zum Einsatz, bei dem die Konzernzentrale ein anderes System nutzt als kleinere Tochtergesellschaften.
Relevanz im ERP- und Konzern-Kontext
Intercompany-Transaktionen sind die Voraussetzung für eine korrekte Konsolidierung. Im Konzernabschluss dürfen interne Umsätze, Gewinne und Salden nicht doppelt erscheinen, sonst würde der Konzern größer dargestellt, als er gegenüber Dritten tatsächlich ist. Die sogenannte Schuldenkonsolidierung, die Aufwands- und Ertragskonsolidierung sowie die Zwischenergebniseliminierung beruhen alle auf sauber gekennzeichneten IC-Daten.
Je internationaler ein Konzern aufgestellt ist, desto höher die Komplexität: unterschiedliche Währungen, Bewertungsunterschiede zwischen IFRS und HGB, abweichende Geschäftsjahre und lokale Steuervorschriften müssen zusammengeführt werden. Ein ERP-System mit durchgängiger Intercompany-Logik liefert hier die belastbare Datenbasis und verkürzt den Monats- und Jahresabschluss erheblich.
Praxisbeispiel
Ein mittelständischer Maschinenbau-Konzern besteht aus einer deutschen Holding, einer Produktionsgesellschaft und drei ausländischen Vertriebstöchtern. Die Produktion liefert Maschinen zu Verrechnungspreisen an die Vertriebseinheiten, die sie an Endkunden weiterverkaufen. Pro Monat entstehen mehrere hundert IC-Belege. Ohne automatisierte Spiegelung müssten die Buchungen in jedem Mandanten manuell erfasst und abgestimmt werden. Mit integrierter Intercompany-Funktion erzeugt die Ausgangsrechnung der Produktion automatisch die Eingangsrechnung bei der Vertriebstochter, das System überwacht die Salden, und zum Quartalsende stehen abgestimmte Daten für die Konsolidierung bereit.
Auswahl- und Umsetzungshinweise
Bei der Systemauswahl sollten Konzerne prüfen, ob das ERP echte Mandantenfähigkeit bietet und Intercompany-Buchungen über Mandantengrenzen hinweg automatisiert. Wichtig sind eine integrierte Verrechnungspreis-Verwaltung, ein revisionssicherer Audit-Trail für alle IC-Vorgänge sowie ein Reconciliation-Werkzeug, das Differenzen früh sichtbar macht. Bei heterogenen Systemlandschaften ist zudem zu klären, wie IC-Daten zwischen unterschiedlichen Systemen über Schnittstellen ausgetauscht werden.
- Stammdaten-Governance: einheitliche Konten- und Partnerstammdaten über alle Gesellschaften.
- Automatisierungsgrad: wie viel der Gegenbuchung das System selbst erzeugt.
- Mehrwährungsfähigkeit: Umrechnung und Kursdifferenzen pro Transaktion.
- Abstimmung: periodische IC-Reconciliation vor dem Abschluss.
Abgrenzung
Intercompany ist kein eigenständiges Software-Modul, sondern eine prozessuale und buchhalterische Funktion, die mehrere ERP-Bereiche durchzieht. Es ist auch nicht mit der Konsolidierung gleichzusetzen: Intercompany liefert die Datengrundlage, die Konsolidierung verarbeitet sie weiter. Beispielsysteme wie SAP S/4HANA, Microsoft Dynamics 365, Oracle, Infor oder Sage bieten Intercompany-Funktionen in unterschiedlicher Tiefe – die konkrete Eignung hängt von Konzernstruktur, Anzahl der Gesellschaften und Internationalität ab und sollte stets anhand der eigenen Anforderungen geprüft werden.
Weiterführende Themen
- ERP-System Definition
- ERP vs CRM
- Was ist ein ERP-System?
- Cloud-ERP vs On-Premise
- ERP-Anbieter-Übersicht
- ERP-Berater finden
- ERP für kleine Unternehmen
- ERP für den Mittelstand
Häufig gestellte Fragen
Wie führe ich IC im ERP?
Eigene IC-Konten + IC-Partner-Kennzeichen. Größere ERPs (SAP, Microsoft Dynamics F&O) haben native IC-Logik.
In der Praxis variiert die genaue Ausgestaltung je nach Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups.
