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Häufig gestellte Fragen

Wozu brauche ich eine Prozesslandkarte, wenn ich schon ein Lastenheft habe?

Das Lastenheft beschreibt Anforderungen, die Landkarte beschreibt Zusammenhänge. Beides zusammen verhindert den häufigsten Fehler bei der ERP-Auswahl: Man erhebt Anforderungen abteilungsweise, und niemand prüft, ob die Übergaben zwischen den Abteilungen im neuen System überhaupt funktionieren. In der Praxis liegt genau dort der Schmerz — nicht in der einzelnen Funktion, sondern an der Naht zwischen zwei Ketten.

Wir empfehlen die Reihenfolge: erst die Landkarte auf den eigenen Betrieb übertragen, dann je Kette die Anforderungen erheben, dann das Lastenheft schreiben. So bleibt sichtbar, welche Anforderung an welcher Stelle der Kette hängt.

Sind das alle ERP-Prozesse oder gibt es noch mehr?

Es sind die sechs Ketten, die in praktisch jedem Unternehmen vorkommen und die jedes ERP-System in irgendeiner Form abbildet. Daneben gibt es branchenspezifische Ketten — Idea-to-Product in der Entwicklung, Issue-to-Resolution im Service, Acquire-to-Retire für Anlagen — sowie Sonderfälle wie Projektabwicklung oder Intercompany-Verrechnung im Konzern.

Wer projektorientiert oder in Einzelfertigung arbeitet, sollte die O2C-Kette gedanklich um Projektfertigung und Engineer-to-Order erweitern: Dort entsteht der Auftrag, bevor das Produkt überhaupt konstruiert ist, und die Kette läuft nicht linear, sondern in Schleifen.

Muss ein ERP-System alle sechs Ketten abdecken?

Nein, und in der Realität tut es das fast nie vollständig. Lohnabrechnung läuft bei den meisten Mittelständlern in einem eigenen System, das Lager oft in einem WMS, die Fertigungssteuerung in einem MES. Entscheidend ist nicht, ob alles in einem System liegt, sondern ob die Übergaben sauber definiert sind — wer führt welche Daten, wann laufen sie über, was passiert bei einem Fehler.

Diese Architektur mit spezialisierten Systemen um einen ERP-Kern nennt man Postmodern ERP. Sie ist legitim, kostet aber Integrationsaufwand — der im TCO häufig unterschätzt wird.

Wo klemmt es in der Praxis am häufigsten?

An den Nahtstellen, nicht innerhalb der Ketten. Die drei Klassiker: die Verfügbarkeitszusage im Vertrieb, die nicht auf echten Bestands- und Planungsdaten beruht; die Rechnungsprüfung, bei der Bestellung, Wareneingang und Rechnung nicht automatisch zusammenfinden; und die Rückmeldung aus der Fertigung, ohne die keine belastbare Nachkalkulation entsteht.

Alle drei sind keine Softwareprobleme im engeren Sinne, sondern Datenprobleme. Sie lassen sich in der Auswahlphase testen, indem man den Anbieter genau diese Übergänge im Testsystem vorführen lässt — statt Modul für Modul.

Wie finde ich heraus, wie meine Prozesse tatsächlich laufen?

Nicht durch Fragen, sondern durch Messen. Process Mining rekonstruiert aus den Zeitstempeln der Belege im Altsystem, welche Wege ein Auftrag oder eine Rechnung wirklich genommen hat — inklusive der Schleifen, die im Organigramm nicht vorgesehen sind.

Wer dafür kein Werkzeug hat, kommt mit einem einfachen Ersatz weit: 20 abgeschlossene Vorgänge je Kette ziehen, jeden Schritt mit Datum und Verantwortlichem protokollieren, Durchlaufzeiten vergleichen. Die Ausreißer zeigen die Stellen, an denen der Prozess in Wahrheit anders läuft als beschrieben.

Kann ich diese Landkarte für einen Workshop verwenden?

Ja, dafür ist sie gedacht. Ein bewährtes Format: Jede Kette bekommt eine Wand oder ein Whiteboard-Frame. Die Beteiligten markieren pro Schritt, in welchem System er heute läuft, wer ihn ausführt und wo Medienbrüche stecken (Excel, E-Mail, Papier, Zuruf). Nach zwei Stunden hat man eine ehrliche Ist-Aufnahme — und die Medienbrüche sind die Liste der Anforderungen, die im neuen System wirklich zählen.

Die Schrittnamen auf dieser Seite sind bewusst herstellerneutral gehalten, damit sie sich auf jedes System übertragen lassen.