Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet Plan-to-Produce genau?
Plan-to-Produce bezeichnet den durchgängigen End-to-End-Geschäftsprozess von der Absatz- und Produktionsplanung über die Materialbedarfsplanung und den Fertigungsauftrag bis zur fertiggestellten, einlagerungs- oder lieferbereiten Ware. Er ist kein einzelnes Software-Modul, sondern eine Prozessklammer, die mehrere Funktionsbereiche eines ERP-Systems zu einer zusammenhängenden Kette bündelt. Damit deckt Plan-to-Produce den Fertigungskern ab, während vor- und nachgelagerte Abläufe wie Beschaffung oder Auftragsabwicklung in eigenen End-to-End-Prozessen liegen. Die Prozesssicht hilft Unternehmen vor allem dabei, Brüche zwischen Abteilungen und an Systemübergängen sichtbar zu machen.
Ist Plan-to-Produce nur für die Industrie relevant?
Plan-to-Produce ist vor allem für produzierende Unternehmen relevant, da der Prozess den Weg von der Planung bis zur tatsächlichen Fertigung beschreibt. Reine Handels- oder Dienstleistungsunternehmen ohne eigene Produktion arbeiten stattdessen meist mit Prozessen wie Demand-to-Supply, die Bedarf und Beschaffung ohne Fertigungsschritt abbilden. Der Prozess deckt dabei unterschiedliche Fertigungsformen ab, von diskreter Fertigung über Prozess- und Chargenfertigung bis hin zur Werkstatt- und Variantenfertigung. Die konkrete Ausgestaltung variiert daher stark nach Branche, Fertigungstyp und Customizing-Tiefe des jeweiligen ERP-Setups.
Welche Schritte umfasst der Plan-to-Produce-Prozess?
Der Prozess gliedert sich typischerweise in Absatz- und Produktionsplanung, Materialbedarfsplanung, Kapazitäts- und Feinplanung, Anlage und Freigabe des Fertigungsauftrags sowie Werkstattsteuerung und Rückmeldung. Aus Forecast und Aufträgen entsteht zunächst ein Produktionsprogramm, häufig im Rahmen eines S&OP-Prozesses, aus dem über MRP der Materialbedarf abgeleitet wird. Anschließend werden Arbeitsgänge gegen Maschinen- und Personalkapazitäten terminiert, Fertigungsaufträge freigegeben und der Fortschritt in der Produktion zurückgemeldet. Am Ende steht produzierte Ware, die eingelagert oder direkt einem Kundenauftrag zugeordnet wird, womit die Brücke zu nachgelagerten Prozessen wie Order-to-Cash geschlagen ist.
Wie unterscheidet sich Plan-to-Produce von MRP, APS und MES?
Plan-to-Produce ist die übergreifende Prozesssicht, während MRP, APS und MES einzelne Verfahren oder Systemkategorien innerhalb dieser Kette bezeichnen. MRP berechnet den Materialbedarf, geht dabei aber klassischerweise von unbegrenzten Kapazitäten aus, weshalb für die realistische Reihenfolgeplanung gegen begrenzte Ressourcen häufig ein APS-System ergänzt wird. Ein MES setzt am operativen Ende an und steuert die Fertigung in Echtzeit, deckt jedoch die vorgelagerte Absatz- und Produktionsplanung nicht ab. Der traditionelle Begriff PPS überschneidet sich inhaltlich stark mit Plan-to-Produce, betont aber die Systemkategorie, während Plan-to-Produce die durchgängige Prozesssicht in den Vordergrund stellt.
Wie hängt Plan-to-Produce mit dem Fertigungstyp wie Make-to-Stock oder Make-to-Order zusammen?
Der Fertigungstyp bestimmt maßgeblich, wann und auf welcher Grundlage die Planung im Plan-to-Produce-Prozess ausgelöst wird. Bei Make-to-Stock entsteht der Produktionsauftrag auf Basis von Absatzprognosen und Lagerbestandszielen, bevor konkrete Kundenaufträge vorliegen, was eine gleichmäßige Auslastung ermöglicht, aber Bestandsrisiken birgt. Bei Make-to-Order oder Engineer-to-Order wird die Fertigung dagegen erst durch konkrete Kundenaufträge angestoßen, sodass die Planung enger an einzelne Aufträge und an die Verfügbarkeitszusage gekoppelt ist. Ein ERP-System muss daher den jeweiligen Fertigungstyp sauber abbilden und eine durchgängige Verbindung zwischen Vertriebs- und Produktionsebene herstellen.
Wie greift Plan-to-Produce in andere End-to-End-Prozesse ein?
Plan-to-Produce steht gleichrangig neben den anderen klassischen End-to-End-Prozessen Order-to-Cash und Procure-to-Pay und ist mit beiden eng verzahnt. Der aus der Produktionsplanung abgeleitete Materialbedarf erzeugt Bestellvorschläge für Zukaufteile, die im Procure-to-Pay-Prozess zu Bestellungen und Wareneingängen werden. Die fertiggestellte Ware fließt umgekehrt in den Order-to-Cash-Prozess, sobald sie einem Kundenauftrag zugeordnet, geliefert und fakturiert wird. Der eigentliche Mehrwert der Prozesssicht liegt in der Datendurchgängigkeit: Stammdaten wie Stücklisten und Arbeitspläne, Plandaten aus dem Forecast und Bewegungsdaten aus der Rückmeldung sollen ohne Medienbruch ineinandergreifen, damit Verfügbarkeitszusagen über alle Prozesse hinweg belastbar bleiben.
