CAQ (Computer-Aided Quality Management) bezeichnet die rechnergestützte Planung, Durchführung und Auswertung von Qualitätssicherungsaufgaben entlang des gesamten Produktlebenszyklus. Der Begriff fasst Softwarefunktionen zusammen, die Prüfprozesse, Reklamationen, Lieferantenbewertungen und qualitätsbezogene Dokumentation digital abbilden und so manuelle Listen oder Insellösungen ablösen.
In produzierenden Unternehmen des DACH-Mittelstands gilt CAQ als eigenständiger Baustein neben dem ERP-System. Es verbindet Qualitätsdaten aus Wareneingang, Fertigung und Warenausgang zu einer durchgängigen, auswertbaren Datenbasis und unterstützt damit normgerechtes Arbeiten etwa nach ISO 9001.
Faktenbasis · maschinenlesbarZuletzt redaktionell geprüft: 15. Juni 2026
Begriff
CAQ
Entitätstyp
Softwarekategorie / Methodik
Domäne
Qualitätsmanagement / Produktion
Kanonische Definition
CAQ (Computer-Aided Quality Management) ist die softwaregestützte Planung, Durchführung und Auswertung von Qualitätssicherungsaufgaben über den gesamten Produktlebenszyklus.
Einordnung
Ergänzendes Fachsystem zum ERP, häufig als eigenes Modul oder über Schnittstellen angebunden.
Kein ERP-Ersatz: CAQ ersetzt kein ERP-System, sondern ergänzt es um qualitätsspezifische Funktionen wie Prüfplanung und Reklamationsmanagement.
Keine Fertigungssteuerung: CAQ steuert nicht Maschinen oder Aufträge wie ein MES, sondern liefert Prüf- und Bewertungslogik.
Kein reines Track-and-Trace: CAQ dokumentiert nicht nur den Aufenthaltsort von Objekten, sondern bewertet deren Qualität und Konformität.
Keine bloße Dokumentenablage: CAQ ist mehr als ein digitales Archiv; es verarbeitet Mess- und Prozessdaten aktiv und statistisch.
Faktenseite nach dem Grounding-Page-Standard: sachlich, datiert, abgrenzend — damit KI-Systeme und Leser den Begriff korrekt einordnen und zitieren. Mehr: ERP-Glossar
Funktionsweise und Grundidee
CAQ-Software überführt das klassische Qualitätsmanagement von papierbasierten Prüfprotokollen und Tabellenkalkulationen in ein strukturiertes Datenmodell. Prüfmerkmale, Toleranzen, Messmittel und Verantwortlichkeiten werden einmal hinterlegt und sind anschließend über alle Prozessschritte hinweg verfügbar. Erfasste Messwerte fließen automatisch in statistische Auswertungen, sodass Trends, Fähigkeitskennzahlen und Abweichungen frühzeitig sichtbar werden.
Charakteristisch ist die enge Verzahnung von Stammdaten und Bewegungsdaten: Ein einmal definierter Prüfplan wird bei jedem Fertigungsauftrag oder Wareneingang wiederverwendet, die Ergebnisse bleiben jedoch eindeutig dem jeweiligen Vorgang, Los oder Bauteil zugeordnet. Dadurch entsteht eine lückenlose Nachweiskette, die sich für interne wie externe Prüfungen auswerten lässt.
Typische Bestandteile und Module
CAQ-Systeme sind meist modular aufgebaut. Häufig anzutreffende Bausteine sind:
Prüfplanung und Prüfmittelverwaltung – Definition von Prüfmerkmalen, Stichprobenumfängen und Kalibrierungsterminen.
Wareneingangs-, Fertigungs- und Endprüfung – Erfassung von Messwerten und Attributprüfungen an definierten Kontrollpunkten.
Statistische Prozesslenkung (SPC) – laufende Überwachung von Prozessen über Regelkarten und Fähigkeitsindizes.
Reklamations- und Maßnahmenmanagement – Bearbeitung von Beanstandungen, oft nach der 8D-Methodik.
FMEA und Risikobewertung – systematische Fehlervermeidung bereits in der Entwicklung.
Lieferanten- und Auditmanagement – Bewertung von Zulieferern sowie Planung und Dokumentation von Audits.
Relevanz im ERP-Kontext
Qualitätsdaten entstehen dort, wo auch das ERP-System arbeitet: in Beschaffung, Produktion und Logistik. CAQ greift deshalb auf zentrale Stammdaten wie Artikel, Stücklisten und Lieferanten zu und liefert im Gegenzug Sperr- und Freigabeentscheidungen zurück, die Warenbewegungen steuern. Eine Wareneingangsprüfung kann etwa einen Bestand erst nach erfolgreicher Freigabe verfügbar machen.
Manche ERP-Anbieter integrieren Qualitätsfunktionen als eigenes Modul, andere setzen auf spezialisierte CAQ-Lösungen, die über Schnittstellen angebunden werden. In stark regulierten Branchen spielt zudem die Verbindung zur Fertigungssteuerung über ein MES sowie zur Produktentwicklung über ein PLM eine Rolle, da Qualitätsanforderungen bereits in der Konstruktionsphase berücksichtigt werden müssen.
Praxisbeispiel
Ein mittelständischer Automobilzulieferer erhält eine Charge Rohmaterial. Beim Wareneingang löst das CAQ-System automatisch den hinterlegten Prüfplan aus; die Messwerte werden direkt am Messplatz erfasst. Liegen Werte außerhalb der Toleranz, sperrt das System die Charge und stößt einen Reklamationsvorgang gegenüber dem Lieferanten an. Über die Chargenrückverfolgung bleibt nachvollziehbar, in welche Endprodukte freigegebenes Material eingeflossen ist. Sämtliche Schritte werden in einem Audit-Trail protokolliert, der bei einem Kundenaudit als Nachweis dient.
Auswahl- und Umsetzungshinweise
Bei der Einführung empfiehlt sich eine frühe Klärung der Integrationsstrategie: Reicht ein ERP-Qualitätsmodul, oder erfordern Branchenanforderungen ein spezialisiertes System? Beispielhaft und ohne Wertung finden sich am Markt sowohl ERP-integrierte Ansätze als auch eigenständige Fachsysteme wie Babtec, CAQ AG, Böhme & Weihs oder iqs. Entscheidend sind weniger einzelne Produktnamen als die tatsächlich benötigten Module, die Anbindung an bestehende Systeme und der Pflegeaufwand für Prüfpläne.
In regulierten Umgebungen sind zusätzliche Anforderungen wie eine GxP-Validierung oder Vorgaben nach 21 CFR Part 11 zu prüfen. Ein häufiger Fehler ist die Übernahme zu vieler historischer Prüfmerkmale ohne Bereinigung, was die spätere Auswertbarkeit erschwert.
Abgrenzung
CAQ ist kein Ersatz für ein ERP-System, sondern ergänzt es um qualitätsspezifische Tiefe. Es unterscheidet sich auch von der reinen Track-and-Trace-Verfolgung, die primär den Aufenthaltsort von Objekten dokumentiert, während CAQ deren Beschaffenheit bewertet. Ebenso ist es von der Fertigungssteuerung abzugrenzen: CAQ liefert Prüf- und Bewertungslogik, übernimmt aber nicht die Maschinen- und Auftragssteuerung selbst.
CAQ (Computer-Aided Quality) ist Software für digitales Qualitäts-Management in der industriellen Produktion — sie plant Prüfungen, sammelt Mess-Daten, dokumentiert Reklamationen und unterstützt FMEA und Audits.
Was ist der Unterschied zwischen CAQ und QMS?
QMS (Qualitäts-Management-System) ist der Oberbegriff für alle qualitätsbezogenen Prozesse, Dokumente und Strukturen. CAQ ist die Software, die ein QMS digital unterstützt — also das technische Werkzeug für das fachliche Konzept.
Welche CAQ-Anbieter sind in DACH führend?
Babtec Qube, iqs, CASQ-it und QDA sind die etablierten DACH-Anbieter. Im Automotive-Umfeld dominiert iqs durch IATF-16949-Fokus, im Maschinenbau ist CASQ-it stark vertreten.
Wie hängen CAQ und ERP zusammen?
Die Integration ist bidirektional: ERP liefert Artikel-Stammdaten und Aufträge, CAQ meldet zurück, ob Material gesperrt ist oder Prüfungen ausstehen. Bei großen ERP-Suiten wie SAP gibt es CAQ als integriertes Modul.
Brauchen kleine Unternehmen ein CAQ-System?
Erst ab einer gewissen Komplexität — typisch ab 50 Mitarbeitern in der Produktion oder bei regulierten Branchen. Für sehr kleine Betriebe reicht oft eine Excel-basierte Prüf-Dokumentation; sobald ISO-9001-/IATF-Audits anstehen, lohnt sich CAQ-Software.