Zum Inhalt springen

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen EDI und API?

EDI (Electronic Data Interchange) ist ein über Jahrzehnte gewachsener Standard für den dokumentenbasierten Austausch fester Geschäftsbelege wie Bestellungen, Lieferavise und Rechnungen, der typischerweise asynchron im Batch-Betrieb über Formate wie EDIFACT oder ANSI X12 läuft. Eine API (Application Programming Interface) ist dagegen eine programmatische Schnittstelle, die meist über HTTP und JSON in Echtzeit nach dem Anfrage-Antwort-Prinzip arbeitet und gezielte Operationen auf Datenobjekten ermöglicht, etwa eine Bestandsabfrage oder das Anlegen eines Auftrags. EDI ist also dokumentenzentriert und standardisiert, eine API ist operationsorientiert und feingranular. In der Praxis lösen beide unterschiedliche Aufgaben und kommen im selben ERP-Umfeld häufig parallel zum Einsatz.

Ist eine API besser als EDI?

Pauschal lässt sich das nicht beantworten, weil EDI und API verschiedene Probleme adressieren und keine austauschbaren Werkzeuge desselben Zwecks sind. EDI ist Standard, wenn große Handels- oder Automobilpartner es vertraglich voraussetzen und hohe, gleichförmige Belegvolumina revisionssicher und standardisiert ausgetauscht werden müssen. APIs spielen ihre Stärken dort aus, wo Daten in Echtzeit und einzeln gebraucht werden, etwa bei der Anbindung von Online-Shops, Marktplätzen, Cloud-Diensten oder mobilen Anwendungen. Die Entscheidung folgt damit dem Geschäftsfall und den Partneranforderungen, nicht einer generellen technischen Überlegenheit der einen oder anderen Methode.

Kann man EDI durch APIs ersetzen?

Teilweise: Wo Partner moderne Schnittstellen anbieten und akzeptieren, ersetzen REST-APIs EDI zunehmend, etwa bei jüngeren E-Commerce- und Cloud-Integrationen. In etablierten Lieferketten wie Handel und Automobilindustrie bleibt EDI mit Formaten wie EDIFACT, EANCOM oder VDA jedoch Standard, weil alle Beteiligten darauf eingestellt sind und der Wechsel auf APIs eine flächendeckende Umstellung aller Handelspartner voraussetzen würde. Eine API ersetzt EDI also nicht automatisch, solange Geschäftspartner standardisierte EDI-Formate verlangen. Üblicher als ein Ersatz ist daher die Koexistenz beider Verfahren, oft orchestriert über eine Integrationsplattform.

Welche EDI-Formate und Übertragungswege gibt es?

Bei den Nachrichtenformaten sind EDIFACT (international und in Europa verbreitet), ANSI X12 (vor allem Nordamerika) und VDA (deutsche Automobilindustrie) die wichtigsten; innerhalb von EDIFACT existieren Branchen-Subsets wie EANCOM für den Handel mit typischen Nachrichten wie ORDERS (Bestellung), DESADV (Lieferavis) und INVOIC (Rechnung). Davon zu trennen ist der Übertragungsweg, über den diese Nachrichten transportiert werden: gängig ist AS2, das die EDI-Daten auf Nachrichtenebene per S/MIME verschlüsselt und signiert, über HTTP beziehungsweise HTTPS überträgt und den Empfang mit einer Quittung (MDN) bestätigt, sowie OFTP2, das vor allem in der europäischen Automobilbranche genutzt wird. Daneben vermitteln Value-Added-Networks (VAN) als Dienstleister zwischen Partnern mit unterschiedlichen Protokollen. Format und Transportweg werden in der EDI-Welt also bewusst voneinander getrennt betrachtet.

Welche Rolle spielt die E-Rechnungspflicht für EDI und API?

Seit dem 1. Januar 2025 müssen inländische Unternehmen in Deutschland strukturierte E-Rechnungen im B2B-Bereich empfangen können; die Pflicht zum Versand greift gestaffelt ab 2027 (zunächst für Unternehmen mit mehr als 800.000 Euro Vorjahresumsatz) und für alle Unternehmen ab dem 1. Januar 2028. Eine E-Rechnung muss dabei dem europäischen Standard EN 16931 entsprechen, der ein strukturiertes, XML-basiertes Format vorsieht und etwa durch XRechnung oder das hybride ZUGFeRD erfüllt wird. Etablierte EDI-Verfahren dürfen weiterhin genutzt werden, sofern sich die umsatzsteuerlich erforderlichen Angaben korrekt und vollständig in ein EN-16931-konformes Format überführen lassen. EDI behält damit seine Rolle im Belegaustausch, muss aber auf Konformität mit den E-Rechnungsanforderungen geprüft werden, während die konkrete Übertragung über EDI- oder API-basierte Wege erfolgen kann.

Was ist iPaaS im Zusammenhang mit EDI und API?

iPaaS (Integration Platform as a Service) bezeichnet cloudbasierte Integrationsplattformen, die beide Welten bedienen, indem sie zwischen EDI-Formaten und modernen APIs übersetzen und Verbindungen zu ERP, Shops, Banken und Logistikpartnern zentral orchestrieren. Anbieter und Plattformen wie SEEBURGER, ecosio oder MuleSoft übernehmen dabei Mapping, Formatkonvertierung und Monitoring, sodass Unternehmen nicht jede Partnerverbindung einzeln pflegen müssen. Für komplexe Integrationslandschaften reduziert das den Pflegeaufwand und vereinheitlicht die Überwachung der Datenströme. iPaaS ersetzt damit nicht EDI oder API, sondern bildet die verbindende Schicht, über die beide Verfahren gemeinsam betrieben werden.

Sind EDI oder APIs sicherer beim Datenaustausch?

Beide Ansätze lassen sich auf ein hohes Sicherheitsniveau bringen, setzen dabei aber auf unterschiedliche Mechanismen. EDI über AS2 verschlüsselt und signiert die Nachricht selbst per S/MIME, kombiniert dies mit einer Empfangsquittung (Message Disposition Notification) und bietet damit Nichtabstreitbarkeit, was den Austausch revisionssicher und für formalisierte B2B-Beziehungen geeignet macht; der Transportkanal wird zusätzlich meist über TLS/HTTPS abgesichert. APIs schützen die Übertragung in der Regel über TLS/HTTPS und regeln den Zugriff über Verfahren wie API-Schlüssel oder OAuth-Token. Entscheidend für die Sicherheit ist weniger die grundsätzliche Methode als die saubere Umsetzung, etwa aktuelle Zertifikate, eine sorgfältige Rechte- und Schlüsselverwaltung sowie die Einhaltung der vom Partner vorgegebenen Standards.